Wenn es ein Land in Europa gibt, das für Wassersport steht, sind es wohl die Niederlande. Kein Wunder, rund 18 % seiner Fläche besteht aus Wasser und zumindest gefühlt hat jeder Niederländer ein Boot. Aber auch ohne ein Eigenes gibt es genügend Möglichkeiten für einen Bootsurlaub. Charterbetriebe bieten Boote aller Art für Könner und Anfänger.

Für die allermeisten Boote braucht man in den Niederlanden keinen Bootsführerschein und auch als blutiger Anfänger ist ein Bootsurlaub kein Problem. Vor allem Motorboote, die auch als Hausboot bezeichnet werden, da man darauf auch schläft, sind ideal für eine Tour durch friesische Gewässer.

hausboot tippsDie friesische Natur mit dem Boot genießen - traumhaft!

Regeln und Gesetze

Für den Kapitän und eine zusätzliche Ersatzperson für den Notfall gilt ein Mindestalter von 18 Jahren, um mit einem Hausboot in den Niederlanden fahren zu dürfen. Einen Führerschein für das Fahren mit einem Motorboot unter 15 m Länge, das nicht schneller als 20 km/h fahren kann, ist in den Niederlanden aber nicht notwendig.

Falls ihr mit einem größeren bzw. schnelleren Boot unterwegs sein wollt, braucht ihr den sogenannten Vaarbewijs I. Wollt ihr damit auch auf die großen Seen, wie z.B. das IJsselmeer, braucht ihr den Vaarbewijs II. Auch ein deutsches Sportschifferzeugnis, gültig für Sportboote bis 25 m auf Binnengewässern, ist gültig.

Selbstverständlich gibt es auch beim Fahren mit einem Hausboot eine Alkoholgrenze, diese liegt in den Niederlanden bei 0,5 Promille. Drogen jeglicher Art sind natürlich für den Kapitän Tabu.

 

Routenplanung

Eine Wasserkarte ist unerlässlich! Auf ihr sind alle Wasserwege, die Wassertiefen, die Brücken und die Häfen eingezeichnet. Im Normalfall ist eine Karte auf jedem Boot vorhanden. Macht euch damit vertraut BEVOR ihr losfahrt, eine gute Routenplanung sorgt für eine entspannte Fahrt. Wenn ihr euch schon vor der Reise gut vorbereiten wollt, könnt ihr die Karte auch z.B. bei Amazon bestellen.

Um eure Route planen zu können, müsst ihr unbedingt die Abmessungen von eurem Boot wissen. Also nach Durchfahrtshöhe und –breite und Tiefgang des Bootes fragen!

Unterwegs fand ich die kostenlose App für die Friesischen Seen ganz praktisch. Es gibt zwar nicht so viele Infos, wie auf der Wasserkarte, aber Wassertiefen und auch die Bojen zur Wegemarkierung sind angegeben. Und dank GPS kann man immer genau erkennen, wo man sich gerade befindet. Gerade auf den Seen sehr hilfreich, um den richtigen Kanal / Wasserlauf zu finden.

hausboot routenplanungWo soll es hin gehen? | Foto: Elke Weiler

Einweisung

Bevor es losgeht, werdet ihr im Heimathafen vom Personal des Charterbetriebs eingewiesen. Hier werden euch alle Funktionen des Bootes und auch die wichtigsten Handgriffe gezeigt. Scheut euch nicht, auch zweimal nachzufragen, wenn ihr etwas nicht verstanden habt!

Wenn es eure erste Tour ist, unbedingt eine Probefahrt machen. Auch das Anlegen und das Festmachen des Bootes sollte man zumindest einmal vorab mit einem Fachmann zusammen gemacht haben.

Achtet auch darauf, dass alle notwendigen Unterlagen an Bord vorhanden sind. Dazu gehört auch das Binnenvaartpolitiereglement BPR, indem u.a. auch alle Verkehrsregeln und –schilder auf den Wasserwegen aufgeführt sind. Meist ist das BPR in Buchform als Wateralmanak Deel 1 an Bord. Zusätzlich ist es ganz praktisch, wenn eine komplette Beschreibung des Bootes und seines Inventars vorhanden ist. Da kann man dann auch mal nachsehen, für was welcher Schalter genutzt wird.

Der Wateralmanak Deel 2 ist nicht verpflichtend, aber bietet praktische Informationen zu Bedienungszeiten von Brücken und Schleusen. Auch die Häfen inklusive Preise sind dort aufgeführt.

hausboot durchfahrtDie Ampel ist Grün, wir dürfen fahren

Schleusen und Brücken

In Friesland gibt es eigentlich nur wenige Schleusen. Auf unserer Tour haben wir keine Einzige passiert. Falls ihr auch auf dem IJsselmeer fahren möchtet und auch dürft, müsst ihr meist durch eine Schleuse hindurch. Für die Durchfahrt wird ein sogenanntes Schleusengeld verlangt, momentan sind es 5,- Euro.

Brücken gibt es dagegen sehr viele, die meisten davon können geöffnet werden. Im Normalfall ist dafür ein Brückenwärter anwesend, einige werden aber auch mithilfe einer Kamera aus der Ferne gesteuert. Auch die eine oder andere Selbstbedienungsbrücke ist vorhanden. Schwer ist das Passieren einer Brücke nicht, eine Ampelanlage ähnlich wie im Straßenverkehr regelt das Ganze und man hat das Prinzip schnell verstanden.

Beachten sollte man bei der Routenplanung unbedingt die Bedienungszeiten, denn nur von 9 bis 19 Uhr (im Juni, Juli und August bis 20 Uhr) werden die Brücken geöffnet. Von 12 bis 13 Uhr ist Mittagspause und momentan wird auch noch von 16.15 bis 17.15 Uhr eine Pause eingelegt.

In Süd-West-Friesland wird kein Brückengeld verlangt, im Rest von Friesland bisher meist schon. Der Preis (rund 2,- Euro) ist an der Brücke angeschrieben und zum Kassieren kommt ein kleiner Holzschuh an einer Angel zum Einsatz, in den man das Geld abgezählt hineinlegt. Wechselgeld gibt es nicht!

hausboot brückeBewegliche Brücken gibt es in Friesland sehr viele

Anlegestellen und Häfen

Alle Orte, die in Friesland angefahren werden können, haben auch einen Hafen, wo man anlegen und meist auch übernachten kann. Oft sind diese auch als Passantenhaven ausgeschildert. Wenn man nur tagsüber anlegt, um den Ort zu besuchen, sind diese Liegeplätze meist kostenlos. Bleibt man über Nacht, muss man beim Hafenmeister Liegegeld bezahlen. Manchmal gibt es ein Hafenmeister-Gebäude, in manchen Häfen kommt abends jemand beim Boot vorbei zum Abkassieren.

Im Normalfall wird dies nach der Länge des Bootes und der Anzahl der Erwachsenen an Bord berechnet. Während unserer Tour durch Friesland haben wir 1,25 Euro pro Meter Boot und dazu 1,- Euro pro Person bezahlt.

Beinahe überall gibt es die Möglichkeit für Landstrom an den Anlegestellen. Manchmal gratis, manchmal gegen Gebühr. Auch Stellen um seinen Wassertank zu füllen sind vorhanden. Wir mussten immer 0,50 Euro pro 100 Liter Wasser bezahlen. Das Abpumpen des Abwassers, falls das Mal nötig ist, ist dagegen normalerweise gratis.

In den Häfen gibt es meist auch Toiletten und Duschen, ähnlich wie auf einem Campingplatz. Mit etwas Glück gibt es sogar funktionierendes und kostenloses WLAN.


Zusätzlich zu den Häfen wurden in Friesland 3500 Liegeplätze mitten in der Natur geschaffen. Diese sogenannten Marrekrite-Plätze können bis zu 3 Tage lang kostenlos genutzt werden. Strom und Wasser gibt es dort aber nicht. Dafür viel Ruhe und schöne Natur.

hausboot wasserFrischwasser taken und Abwasser abpumpen kann man auch gleichzeitig

 hausboot marrekriteDie Marrekrite plätze sind ausgeschildert und auch vom Wasser aus meist gut erkennbar

Strom an Bord

Im Normalfall gibt es auf dem Boot nur 12-Volt-Strom aus der Batterie. Nur in den Häfen ist es evtl. möglich ein Kabel anzuschließen, sodass man normalen 220-Volt-Strom hat.
Wer mit Handy unterwegs ist, kann zum Aufladen meist einen Autoadapter nutzen. Also unbedingt einpacken, falls ihr einen habt. Nicht auf jedem Boot ist eine Steckdose vorhanden, die an die 12-Volt-Stromversorgung unterwegs angeschlossen ist. Überhaupt sind Steckdosen meist knapp, eine Mehrfach-Steckdose für den Abend im Hafen mit Landstrom ist ganz praktisch.

 

Vorräte

Wenn ihr nicht gerade ständig an Land geht und Restaurants aufsucht, braucht ihr natürlich auch Lebensmittel an Bord. Erkundigt euch am besten vorher, welche Ausstattung in eurem Boot vorhanden ist, damit ihr entsprechend einkaufen könnt. Auf unserem Boot, das wir über Le Boat gemietet haben, hatten wir eine sehr komplette Küchenausrüstung, wie auch in einem Ferienhaus. Es gab einen großen Kühlschrank mit Gefrierfach und einen Gasherd und Backofen. Mit Letzterem kann man sich z.B. jeden Morgen frische Brötchen aufbacken, eine feine Sache.

Ganz wichtig sind natürlich auch Getränke. Das Wasser auf dem Boot ist zwar im Prinzip Trinkwasser, also Kochen usw. ist kein Problem. Aber da es einige Tage im Tank lagert, ist direktes Trinken eher nicht so gut.

Gekauftes Mineralwasser braucht leider viel Platz und da häufig Pfand auf den Flaschen ist, hat man auch noch die leeren Flaschen an Bord. Wir haben uns deshalb für die 0,5-Liter-Flaschen vom niederländischen Discounter entschieden. Das sind keine Pfandflaschen und wir konnten somit das Leergut beim nächsten Müllcontainer entsorgen. Übrigens auch die Pfandflaschen aus Kunststoff werden geschreddert, also umweltschutztechnisch macht es keinen Unterschied.

hausboot gepäckErst einmal muss das Gepäck und die ganzen Vorräte an Bord | Foto: Elke Weiler

hausboot frühstückEs ist angerichtet

Gepäck

Einen wichtigen Tipp findet man natürlich auch bei den Gepäcktipps von Le Boat: Besser eine Reisetasche als einen Koffer mitnehmen. Für einen Koffer ist nach dem Auspacken schlichtweg kein Platz, eine Reisetasche kann man falten und passt unters Bett.

Praktische Kleidung, Regen- und Sonnenschutz sind natürlich selbstverständlich. Und Turnschuhe sind den Stöckelschuhen auf alle Fälle vorzuziehen. Ich bin von Crocs / Gummi-Clogs beim Bootfahren begeistert, da sie rutsch- und wasserfest sind und sogar schwimmen, falls sie mal ins Wasser fallen sollten. Auch Birkenstocks mit Korksohle erwiesen sich als schwimmfähig.

 

Und sonst

Kein Stress! Bootfahren macht Spaß, auch wenn das erste Mal Anlegen nicht sofort klappt. Man muss sich vor dem Bootsnachbarn nicht schämen, wenn etwas nicht klappt. Meist ist er sehr hilfsbereit und hilft aus, wenn Not am Mann ist.

Und aus eigener Erfahrung: etwas Übung an Land mit dem Seil wirkt wahre Wunder und macht das Anlegen später auf dem Wasser etwas entspannter.

 

PS: Meine Erfahrungen auf einem Hausboot sind nicht üppig, ich habe erst zweimal eine Tour gemacht.
Beide Male war ich mit einem Boot von Le Boat unterwegs, einmal in Frankreich und einmal in Friesland.

Als Ergänzung lest auch noch die 20 (ganz) ernst gemeinte Tipps für´s Hausboot Fahren von Wiederunterwegs.

 

Tipp: Mehrere Broschüren auf Deutsch mit "Fahrtipps für niederländische Binnengewässer" könnt ihr euch kostenlos auf der Website Varen doe je samen herunterladen!

Einige wichtige Utensilien, wie Wasserkarten und mehr, findet ihr auch in unserem Shop, dem kleinen Hollandladen.

 

Wenn die Boot-Profis unter euch Fehler in meinen Tipps entdecken oder etwas fehlt, nutzt gerne die Kommentarfunktion. Ich bin für alle Erfahrungen dankbar!

hausboot unterwegsBlauer Himmel und viel Spaß

hausboot naturUnd am Abend in der Einsamkeit die Ruhe und Natur geniessen

 

Hinweis: Unsere Erfahrungen sammelten wir auf einer Hausboot-Tour durch Friesland zusammen mit Elke Weiler von Meerblog und Meike Nordmeyer von meikemeilen. Unterstützt wurden wir dabei von Le Boat und dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention NBTC.

 

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Kommentare  

die letzte Crew
#1 die letzte Crew 2017-01-26 14:07
Eigentlich gehen wir ja "nur" Segeln auf dem Mittelmeer, aber das was ich hier sehe und lese lässt einen schon mal nachdenklich werden. Hat auch was...mal was anderes?
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