Schiedam ist eine Stadt in der Provinz Zuid-Holland, gleich westlich von Rotterdam. Auch wenn man es auf Grund der Lage vermuten könnte, ist Schiedam keine Vorstadt von Rotterdam, sondern eine eigenständige Stadt mit ca. 76.000 Einwohnern. Schiedam ist eigentlich eine recht alte Stadt, die die Stadtrechte schon seit 1275 besitzt. Sehr viele alte Wohnviertel vielen in in den 60er Jahren der Stadtsanierung zum Opfer und wurden durch Neubauten ersetzt. Aber im alten Stadtkern sind viele alte Gebäude, die inzwischen unter Denkmalschutz stehen, erhalten geblieben.zakkendragershuisjeDas Zakkendragershuisje, wo die Gilde der "Sackträger" zusammenkam und die Arbeiten vergeben wurden.

Jenever

Ihren Höhepunkt erlebte die Stadt im 18. Jahrhundert, als die Jenever-Brennerei in Schiedam Einzug hielt. Jenever ist übrigens ein mit u.a. Wacholderbeeren aromatisierter Schnaps, gebrannt aus der Maische von gemälztem Gedtreide, vor allem Gerste, Roggen und Mais. Um das Jahr 1795 gab es 188 Jenever-Brennereien in der Stadt und im Jahr 1881 waren es sogar 392. Doch nachdem Cognac und Whiskey immer beliebter wurden, begann der Niedergang des Jenevers und um 1920 waren gerade noch einmal 14 Brennereien in Schiedam übrig.
jenevermuseum

Aber auch heute noch wird Jenever in Schiedam hergestellt und erlebt in letzter Zeit wieder eine kleine Renaissance. Je nach Zusammensetzung, Alkoholgehalt, Lagerungsart und -dauer wird er als Graanjenever, Moutwijnjenever, Jonge oder Oude Jenever bezeichnet.

Wer sich für die Geschichte, die Herstellung und nicht zuletzt für den Geschmack interessiert, sollte bei einem Besuch von Schiedam das Jenevermuseum mit Probierstube nicht verpassen.

 

Windmühlen

Der Schnapsbrennerei verdankt Schiedam auch die berühmten hohen Windmühlen, die das Stadtbild bis heute prägen. Um die vielen Brennereien mit gemahlenem Getreide zu versorgen, gab es früher 20 Windmühlen, die meisten rings um den alten Stadtkern.
muehlen

Da die Flügel der Mühlen über die umgebende Bebauung hinausragen mußten, um den Wind zu fangen, waren die Windmühlen besonders hoch. Um die Flügel trotzdem einrichten und bespannen zu können, wurde ein hölzener Umlauf bzw. eine Galerie um die Mühle gebaut, die sogenannte stelling. Diese Windmühlen werden deshalb auch stellingmolens oder auf Deutsch Galeriemühlen genannt.

Die Mühlen haben mehrere Stockwerke, die zolder oder auf Deutsch Boden genannt werden. Die zolder über der stelling sind der Technik, der Drehmechanik und dem Mahlwerk, vorbehalten. Die Stockwerke im sogenannten Fuß der Mühle, die opslagzolder, bieten den notwendigen Stauraum für das Mahlgut.  


Von den ursprünglichen Mühlen sind noch 5 Stück erhalten geblieben und 1 Mühle, De Kameel, wurde an historischer Stelle komplett neu errichtet. Außerdem wurde durch die Firma Nolet Destillery die Mühle De Nolet erstellt, so daß es jetzt wieder 7 Windmühlen in Schiedam zu bewundern gibt.

    • De Walvisch (gebaut 1794), inzwischen wird hier wieder Mehl gemahlen und im integrierten Mühlenladen verkauft.
    • De Drie Koornbloemen (gebaut 1770), mit, wieder bewohntem, Müllerhäuschen.
    • De Vrijheid ( gebaut 1785), nach Restauration des Mahlwerks, wird hier wieder Korn gemahlen.
    • De Noord (gebaut 1803), beherbergt inzwischen ein Restaurant.
    • De Nieuwe Palmboom (gebaut 1781, ab 1899 nur als Stumpf, 1993 restauriert), inzwischen Museumsmühle.
    • De Kameel (gebaut 1715, abgerissen 1868, neu gebaut nach altem Vorbild 2011) hat zwar ein Mahlwerk, die Räume in der Mühle werden aber bis jetzt hauptsächlich für Versammlungen und Besprechungen genutzt.
    • De Nolet (gebaut 2006), sieht historisch aus ist aber eine moderne Windturbine, die Strom für den Betrieb erzeugt. Mit 42,5 m Höhe übrigens die höchste Windmühle der Welt.

walvisch noletkameel-q

 

Als Sahnehäubchen zum Schluß gibt es noch historisches Filmmaterial über Schiedam von 1941. Hier wird vieles über Schiedam, den Jenever und die Windmühlen gezeigt und erklärt. Natürlich auf Niederländisch, aber auch ohne Sprachkenntnisse lohnt es sich - versprochen.

 

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