Über das Parken und vor allem die saftigen Strafen beim Falschparken habe ich ja schon berichtet. Bevor man aber überhaupt zum Parken kommt, muss man erst einmal in und durch Holland fahren.

Jetzt ist der Unterschied zu Deutschland nicht so groß, auch in den Niederlanden fährt man auf der „richtigen“, also der rechten Seite und auch die Verkehrsregeln und –schilder sind nicht so großartig anders. Aber es gibt einige landestypischen Besonderheiten, ganz vorne die Radfahrer, die man besser beachten sollte.

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Fahrräder sind einfach überall

Ich hör euch jetzt schon sagen – „Ach, Fahrradfahrer gibt es in Deutschland auch“. Das stimmt natürlich, ABER - nicht so viel, nicht so überall und nicht so von allen Seiten.

Sobald man in Holland die Autobahn verlässt, ist es darum unverzichtbar sich überall, ständig und zu allen Seiten umzuschauen. Man sollte sich auf keinen Fall darauf verlassen, dass sich Fahrradfahrer an Verkehrsregeln halten oder auf der richtigen Straßenseite daherkommen. Sie sind überall!

Da Fahrradfahrer auch gerne mal unterm Radfahren telefonieren, E-Mails checken oder die neusten Neuigkeiten auf Facebook lesen, sind abrupte Brems- oder Wendemanöver nicht unüblich. Auch tränenüberströmte Teenager, deren Freunde gerade telefonisch Schluss gemacht haben oder wütend ins Telefon schreiende Jugendliche, meist männlichen Geschlechts, sind sehr unaufmerksame Verkehrsteilnehmer.

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Schnell, bevor es kalt wird

Ein weiterer großer Unsicherheitsfaktor sind Mofas. Diese dürfen in Holland nämlich auf den Fahrradweg. Dementsprechend sind sie oft genauso unkontrolliert unterwegs wie Fahrräder, nur eben etwas schneller.

Ganz kritisch wird es, wenn sie Warmhalteboxen auf dem Gepäckträger haben. Dann handelt es sich um Pizzakuriere, die auch Spareribs, chinesische Nudeln oder Döner ausfahren, aber immer halsbrecherisch unterwegs sind. Einmal bei Rot quer über die Kreuzung ist für sie kein Problem und gehört irgendwie zum Job dazu.

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Der Tod des Spoilers

Aber nicht nur andere Verkehrsteilnehmer machen einem das Leben als Autofahrer schwer, auch die Straßen an sich haben es in sich. Allerorts sehr beliebt sind Drempel, auf Deutsch nennt sich das anscheinend Bremsschwelle. Gemeint sind künstliche Erhebungen in der Fahrbahn, damit man langsam fährt.

An sich absolut nichts dagegen zu sagen. Leider sind diese Schwellen grundsätzlich so hoch, dass man selbst im Schritttempo nicht ohne Bodenberührung drüber kommt. Ihr wisst schon, das macht dieses eklige kratzige Geräusch, wenn das Bodenblech über die Schwelle schrammt. Vielleicht auch ein Grund, warum SUVs (Geländewagen, die nicht im Gelände, sondern in der Stadt unterwegs sind) in den letzten Jahren so beliebt sind.

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Immer im Kreis

Immer beliebter, wie in Deutschland auch, wird der Kreisverkehr, in den Niederlanden Rotonde genannt. An jeder möglichen und unmöglichen Stelle, die etwas Platz bietet, kommt so ein Kreisel. Vor allem, wenn man sich nicht auskennt, hat eine extra Runde im Kreisverkehr auch so seine Vorteile. Bei meinem ersten Frankreichurlaub vor vielen Jahren habe ich die extra Zeit zum Wegweiser entziffern sehr zu schätzen gelernt.

Bei den Turbo-Rotonden (die heißen wirklich so), die es heute so gibt, geht das teilweise gar nicht mehr. Denn diese sind mehrspurig und man muss eigentlich schon vorher wissen, wo man den Kreisverkehr wieder verlässt, um sich gleich auf der richtigen Spur einzuordnen. Die Spur wechseln geht oft gar nicht oder ist beinahe ein Himmelfahrtskommando.

Wenn man Glück hat, sind die Wegweiser vor dem Kreisverkehr deutlich und vor allem auch frühzeitig angebracht. Wenn man Pech hat, fährt man zwangsläufig falsch. Hier am Ort haben wir eine 2-spurige Turbo-Rotonde, umgeben von einem 2-spurigen gegenläufigen Fahrradweg und Zebrastreifen für Fußgänger. Nicht nur für Ortsfremde eine wahre Herausforderung. Da wäre auch ein zweites Paar Augen sehr hilfreich, um alles sicher im Blick behalten zu können.

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Kommentare  
#1 Ulrike 2013-10-02 15:10
Liebe Simone, mal wieder den Nagel auf den Kopf getroffen! Die Radfahrer sind wirklich vollkommen unberechenbar. Gerne fahren sie zu zweit nebeneinander gegen die Einbahnstraße oder ignorieren die rote Ampel. Und jemand, der an der Ampel auf Grün wartet und vielleicht noch einen Fahrradhelm aufhat, kann nur ein Deutscher sein.
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#2 Simone 2013-10-02 15:15
zitiere Ulrike:
Und jemand, der an der Ampel auf Grün wartet und vielleicht noch einen Fahrradhelm aufhat, kann nur ein Deutscher sein.

Genau, oder ein Fahrradpolizist. Also nicht die mit den Stadtfahrrädern (ohne Helm), sondern die mit Mountainbike und Sportdress inkl. Helm. :-D
LG Simone
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#3 Johannes 2017-06-15 17:59
Ich bin immer sehr gerne mit dem Auto in den Niederlanden unterwegs. An die Turbokreisel und die Vorfahrt für Radfahrer hat man sich schnell gewöhnt, wenn man öfters dort unterwegs ist. Vor allem mag ich es, über die schmalen Landstraßen und durch die Dörfer zu fahren, da bekommt man richtig etwas vom Land mit. Über den Afsluitdijk oder den Houtribdijk zu fahren, hat auch seinen Reiz, ebenso über die "Keringen" der Deltawerke. Nur in den Zentren der Großstädte fahre ich nicht so gerne, aber das ist kein auf die Niederlande beschränktes Phänomen.
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#4 Heiner 2017-12-31 11:53
Mit den Kreisverkehren, die ich in und rund um Lelystad fahren musste, war das so eine Sache: Aufgrund der Hindernisse zwischen den Spuren im Kreisverkehr konnte ich nicht die Spur wechseln und war gezwungen anders zu fahren. Nicht alle Kreisverkehre sind rechtzeitig so beschildert, dass man weiß, dass oder wie man sich einordnen muss. Blöd. Da sind die deutschen Regelungen meknes Erachtens einfacher.
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#5 Herbert leonhardt 2018-07-20 10:16
Auch von mir kleiner Tipp achtet drauf wenn ihr euren Navi einstellt und ihr mit dem Auto unterwegs seid das ihr nicht auf Fahrrad eingestellt habt sonst kann es vorkommen das auf einen gut ausgebauten Fahrrad weg fahrt und ihr bemerkt es erst gar nicht
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#6 Simone 2018-07-20 10:40
Oh Herbert, das hört sich nach eigener Erfahrung an.
Aber ich kenne das, manchmal ist der Fahrradweg breiter, als die Autostraße :-D
Normalerweise erkennt man es übrigens an der Farbe des Belags. Fahrradwege sind meist Rot. Aber auch hier gibt es leider Ausnahmen.
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