Es ist nicht einfach ein Kuchen, und eine Torte ist es schon gar nicht. Und um wirklich echt zu sein, muss das gute Stück aus Limburg kommen.

Limburg ist die südlichste Provinz der Niederlande, die sich tief in den Grenzbereich zwischen Belgien und Deutschland erstreckt. Auch in Belgien gibt es eine Provinz dieses Namens, gleich neben der Niederländischen. Kein Wunder, dass man auch hier den echten Limburgse Vlaai kennt.

Gegessen habe ich ihn schon oft, den Vlaai, selbst gebacken aber noch nie. Auf meiner Suche nach dem Glück, von der ich euch schon erzählt habe, hatte ich dazu Gelegenheit. Und ich kann euch sagen - er war lecker!

Limburgse Vlaai

Zugegeben, so ganz auf mich allein gestellt bin ich beim Backen nicht. Mit einer ganzen Gruppe drängen wir uns in die Backstube von Bäcker Bas van Bommel. Gleich hinter dem Tresen des Restaurants Oetsjpanning de Meuleberg geht es hinein ins Reich des Bäckers. Wenn er nicht gerade Workshops gibt, backt er Brot, Kuchen und natürlich Vlaai, das alles direkt in dem beliebten Ausflugs-Restaurant an den Mann gebracht wird.

 

Heute bringt er uns die Kunst des Vlaaibackens näher. Ein bisschen im Schnelldurchlauf, denn auf so einer Pressereise steht einiges auf dem Tagesprogramm und es bleibt eigentlich nie genug Zeit. So auch dieses Mal und deshalb hat Bäcker Bas den Teig für uns schon vorbereitet. Denn, wie wir bei der Einweisung in die Geheimnisse des Teiges erfahren, die Basis des Vlaais ist ein Hefeteig und der braucht bekanntlich seine Zeit.

Zu lange kneten darf man den Teig des Vlaais aber nicht, lerne ich, das macht den Boden später zäh. Der Vlaai muss aber selbstverständlich locker sein und mit einer Gabel leicht in mundgerechte Stücke zerlegt werden können. Mehl, Butter, Milch, Hefe, Zucker, eine Prise Salz und ein bisschen geriebene Zitronenschale gehören rein in den Teig, der dann von der Rührmaschine ratzfatz schön glatt geknetet wird. Das geht natürlich auch mit der Hand, dauert nur etwas länger, macht dafür aber auf Dauer straffe Oberarme.

Bäcker VlaaiWorkshop Vlaai backen bei Bäcker Bas van Bommel

Bevor der Teig in seine 45-minütige Ruhe- und Gehphase geschickt wird, in der die Hefe ihren Dienst tut, wird er zu portionsgerechte Kugeln geformt. Der Fachmann braucht dazu zwei Handgriffe. Wir etwas mehr und so ganz faltenfrei sind die Kugeln trotzdem nicht. Ist aber völlig egal, denn wir machen, wie in den Kochsendungen im Fernsehen auch, einen Zeitsprung und arbeiten einfach mit den bereits vorher vorbereiteten Teigkugeln weiter.

Unter dem kritischen Blick von Bas dem Bäcker geht es ans Ausrollen. Gleichmäßig muss es werden, nicht zu dick und nicht zu dünn. Natürlich auch groß genug, der Teigfladen muss etwas über die Form hinaushängen. Über den scharfen Rand der Backform kann man ihn dann schön ordentlich abschneiden, entweder gleich vor dem Füllen oder, falls man wie ich das Ganze mit einem Teiggitter krönt, danach.

Jetzt geht es ans Füllen und da sind der Phantasie kaum Grenzen gesetzt. Wir haben eine Art eingedicktes Früchtekompott, wahlweise Kirsch, Apfel oder Aprikose, im Angebot. Dazu Pudding, Rosinen und Streusel. Ich entscheide mich spontan für Aprikose. Erst danach komme ich auf die Idee, dass eine Mischung mit Pudding sicher auch sehr lecker gewesen wäre.

Auf meinen Vlaai kommt ganz klassisch ein Gitter aus Teig. Dafür gibt es eine schwere gusseiserne Form über die der Teig gerollt wird und dadurch die Rauten, im Prinzip wie bei den Ausstechformen für Weihnachtsplätzchen, ausgestochen werden. Danach kommt das Prachtstück in den Ofen. Wie lange, wird das Geheimnis des Bäckers bleiben, denn wir sind leider schon wieder unterwegs bevor der Vlaai fertig gebacken ist. In Rezepten habe ich Varianten von 25 bis 40 Minuten gefunden.

Teig vorbereiten für den Vlaai Der Teig für den Limburgse Vlaai wird vorbereiten

Teig ausrollen... und jetzt schön gleichmässig ausrollen

vlaai ofenfertigNach dem Füllen, sind unsere Kreationen bereit für den Ofen

Meinen Vlaai sehe ich erst abends im Hotel wieder, wo er uns netterweise nachgeliefert wird. Gegessen wird er erst zu Hause, denn am besten schmeckt er nach 24 Stunden, habe ich mir vom Fachmann sagen lassen.

Und tatsächlich, er ist wirklich hervorragend! Und das Backen hat richtig Spaß gemacht. Da habe ich wohl ein lang verdrängtes Back-Gen in mir entdeckt, das eindeutig ausgelebt werden will.

 

Rezept Limburgse Vlaai

250 g Mehl
1 Würfel frische Hefe oder 1 PäckchenTrockenhefe
50 g weiche Butter
2 EL Zucker
Ca. 100 ml lauwarme Milch
etwas abgeriebene Zitronenschale
eine gute Prise Salz

  • Zu einem glatten Teig kneten, dann 45 Minuten gehen lassen.
  • Ausrollen und eine große flache Kuchenform auslegen.
  • Füllen mit Obst nach Wahl (wenn man will, ein bisschen weich gekocht mit etwas Zucker und evtl. etwas Speisestärke), traditionell werden Stachelbeeren, Pflaumen, Kirschen, Aprikosen oder Äpfel verwendet. Oder man füllt den Vlaai mit dickem Pudding bzw. Reisbrei.
  • Evtl. mit Streuseln bedecken oder einem Raster aus Teig (Rasterform* gibt es auch aus Kunststoff)
  • Backen bei 200°, abhängig von der Füllung ca. 30-40 Minuten

 Limburgse Vlaai ofenfertigMein Limburgse Vlaai ist bereit für den Backofen

ein Stück Vlaai... und reinbeissen. Lecker!

 

Hinweis: Den Workshop "Limburgse Vlaai backen" habe ich im Zuge einer Pressereise mitgemacht, organisiert von Genuss auf der Karte.

 

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Kommentare  
#1 Jutta 2015-06-10 16:19
Wow, der sieht super professionell aus! Ich habe immer gedacht, dass dieses Gitter aus einzelnen Streifen auf den Kuchen gelegt wird : ) Nette Sache, dass euch der Bäcker in seinen "heiligen Hallen" hat werkeln lassen. So etwas wünsche ich mir auch mal: Perfekt ausgestattete Küche, alle Zutaten zur Hand und einen Profi, um Tricks und Kniffe abzugucken. Ich backe echt gerne, aber nicht immer gelingt der Kuchen! Liebe Grüße, Jutta
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