„Erleben Sie Holland an einem Tag“, ist einer der Slogans auf der deutschen Website des Freilichtmuseums in Arnhem. Das mit dem Tag sollte man wirklich wörtlich nehmen. Denn einen ganzen Tag braucht man auf alle Fälle, um auch nur annähernd alles zu sehen.

Und verpassen sollte man wirklich nichts. Überall gibt es Interessantes zu entdecken und man ist mitten drin in der Geschichte. Im Bauernhaus aus dem 17. Jahrhundert duftet es herrlich nach gebratenem Speck, da die Bauersfrau gerade kocht und in der alten Schmiede prasselt das Feuer, während der Schmied und sein Geselle das glühende Eisen bearbeiten.

Openlucht Museum in Arnhem

Authentisch

Was beim Besuch sehr schnell deutlich wird, die Lobeshymnen, die ich über das Museum gehört hatte, waren nicht übertrieben. Beinahe hundert Jahre besteht das Museum schon und die authentischen Gebäude, die nach und nach auf das Gelände umgesiedelt wurden, sind so perfekt integriert, als ob sie noch nie wo anders gestanden hätten.

Auch das Drumherum passt. Die Scheune sieht aus, als ob der Bauer gerade nur mal kurz raus gegangen ist. Hühner, die noch keine Legebatterie gesehen haben, kreuzen den Weg und die Katze schläft im Stroh, wie schon vor 200 Jahren.

Alles ist grün, mit großen und alten Bäumen, zum Teil stehen die Häuser regelrecht im Wald. Hinter den Bauernhöfen findet man schöne Gemüsegärten und Obstwiesen und in einem riesigen Kräutergarten findet man nicht nur viele Küchenkräutern, sondern auch eine große Menge an medizinischen Heilpflanzen. Diese sind hervorragend nach den Leiden, für die sie genutzt werden können, sortiert und man erwartet beinahe, dass Hildegard von Bingen gleich hinter eine Hecke hervor kommt.

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Bewohnt

Viele Gebäude werden, zumindest während der Öffnungszeiten, bewohnt und bewirtschaftet. Der Fischer flickt seine Netze, der Bäcker schiebt das Brot in den Holzbackofen und in der Papiermühle wird handgeschöpftes Papier hergestellt.

Viele der traditionell hergestellten Produkte kann man direkt dort als Souvenir kaufen. Besondere Produkte, die angenehm zurückhaltend und zu moderaten Preisen angeboten werden. So gibt es frisch gepresstes Leinöl in der Ölmühle und handgewobene Geschirrtücher in der Weberei. Auch der wunderschöne Krämerladen bietet schöne Souvenirs, von Äpfeln, die auf dem Museumsgelände wachsen bis zu Haushaltsprodukten aus vergangenen Zeiten.

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Beinahe 100 Gebäude gibt es auf dem weitläufigen Museumsgelände. In vielen davon sind Mitarbeiter anwesend, die dort, stilecht gekleidet, wohnen oder arbeiten und einem auch gerne Fragen beantworten.

Jedes Gebäude verfügt aber auch über Informationstafeln, die in Niederländisch, Englisch und Deutsch Auskunft über Herkunft, Alter und Funktion eines Gebäudes geben. In Filmen und Tonaufnahmen, erzählen ehemalige Bewohner des Gebäudes von dessen Geschichte und Funktion oder berichten vom damaligen Alltag ihrer Familie. Diese Geschichten sind dann aber natürlich auf Niederländisch.

Falls keine lebenden Bewohner im Gebäude sind, begegnen einem lebensechte Puppen. Und mit lebensecht meine ich wirklich lebensecht. Im Krankenhaus aus den 50er Jahren, das mit seinem authentischen Geruch nach Desinfiziermittel schon ein mulmiges Gefühl hervorruft, weckte die strenge Krankenschwester seltsam reale und etwas unangenehme Gefühle in mir, obwohl ich damals noch gar nicht geboren war.

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Nostalgie

Bei einem Besuch des Freilichtmuseums sind gute Schuhe anzuraten, denn bei einer Fläche von ca. 44 Hektar legt man schon einige Meter zurück. Eine historische Tram, die ihre Runde durch den Museumspark fährt, hilft aber bei Müdigkeit. Es gibt 6 Stationen auf dem Gelände und man kann ein- und aussteigen, wie man will. Ganz klar, dass eine Fahrt mit der Tram zu einem Museumsbesuch dazugehört und nicht nur bei Kindern sehr beliebt ist.

Auch eine Überfahrt mit dem Floß im Zaanstreek lassen sich Kinder nie entgehen. Sowieso scheinen mir Kinder in diesem Museum sehr viel Spaß zu haben, nach der Anzahl lachender und wild herumrennender Kinder zu urteilen. Es wird auch einiges speziell für Kinder geboten, vom Kinderbauernhof, übers Bogenschießen bis zu mehreren gut besuchten Spielplätzen.

Die bewegenden Räder der Dampfmaschine in der historischen Käserei faszinieren sowohl kleine als auch große Technikfreaks.

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Dass Erwachsene jeglichen Alters an jeder Ecke in nostalgische Erinnerungen verfallen, versteht sich von selbst. Bei Gebäuden und Einrichtungen, die bis in die 80er Jahre reichen, ist für jeden eine Kindheitserinnerung zu finden und Satzfetzen, wie „das hatten wir auch“ oder „wie bei meinem Opa“ schwirren durch die Luft.

Obwohl wir uns einen ganzen Tag Zeit für das Freilichtmuseum genommen hatten, war es am Ende doch zu kurz. Gerne hätte ich noch das ein oder andere Filmchen geguckt, den Webern noch ein bisschen auf die Finger geschaut oder ein Schwätzchen mit dem Fischer gehalten.

Das mache ich dann beim nächsten Mal, denn es war ganz bestimmt nicht mein letzter Besuch im Nederlands Openluchtmuseum in Arnhem.

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Info

Öffnungszeiten: Während der Sommersaison von Ende März bis Ende Oktober von 10 bis 17 Uhr. Im Winter (mit großer Schlittschuhbahn) erst ab 11 Uhr.

Eintritt: Erwachsene 15,30 Euro, Kinder (4-12 Jahre) 10,75 Euro
Tickets gibt es an der Kasse vor Ort oder über die Website des Museums zum Selbstausdrucken und somit ohne Wartezeiten an der Kasse.
Tickets mit einem Rabatt von 2,50 Euro gibt es über diesen Link*. Leider aber nur auf Niederländisch.

Parkplatz: 5,- Euro

Bus: Ab dem Zentrum Arnhem mit Buslinie 3 oder 8

 

Hinweis: Der Besuch des Nederlands Openluchtmuseum war Teil einer Recherchereise, bei der ich freundlicherweise von RBT KAN, dem Touristenbüro der Regio Arnhem Nijmegen, und dem Niederländische Büro für Tourismus & Convention unterstützt, wurde.

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