“Mein schönes, sehr schönes, allerschönstes Haus”, soll Johan Maurits von Nassau-Siegen über sein gerade fertiggestelltes Wohnhaus gesagt haben. Das war im Jahre 1644 und sein „Wohnhaus“ war ein imposanter Stadtpalast mitten im Zentrum von Den Haag. Auch heute, 370 Jahre später, passen diese Worte perfekt. Das Mauritshuis, denn davon ist die Rede, erstrahlt nach seiner Renovierung wieder in voller Pracht.

Ab Freitag empfängt es wieder begeisterte Besucher, die nicht nur vom Gebäude selbst, sondern endlich auch wieder von der weltberühmten Gemäldesammlung holländischer und flämischer Meister genießen können. Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge ist zurück und bezaubert nicht nur mich mit einem Blick, der einen nicht aus den Augen zu lassen scheint.

mauritshuisDas Mauritshuis in Den Haag

Es ist nicht groß, dieses weltberühmte Gemälde von Johannes Vermeer, es misst gerade einmal 40 x 45 cm. Vielleicht wird es deswegen auch die „Mona Lisa des Nordens“ genannt. Aber mit diesen seltsamen Vergleichen kann ich nichts anfangen, das fällt in die Kategorie Venedig des … oder die Schweiz von …. Als ob irgendwas von so einem Vergleich besser würde. Das Mädchen von Vermeer hat das sowieso nicht nötig. Das Gemälde ist so einfach, so schön und wirkt trotz seiner fast 350 Jahre unglaublich modern.

Wer sich jetzt fragt, ob das Mädchen wohl eine Geliebte des Malers Vermeer war, den muss ich leider enttäuschen. Denn das Gemälde ist gar kein Porträt, sondern mit größter Wahrscheinlichkeit eine „Tronie“. Ein der Phantasie entsprungenes Gesicht, sozusagen Photoshop im 17. Jahrhundert. Im Jahr 1881 wurde es bei einer Auktion für gerade mal 2,50 Gulden, rund 1 Euro, ersteigert - dafür bekommt man heute nicht einmal eine Postkarte von ihr.

Das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge von Johannes VermeerDas Mädchen mit dem Perlenohrgehänge von Johannes Vermeer

Aber das Mädchen mit dem Perlenohrgehänge ist nicht das einzige Meisterwerk, das die internationale Presse heute bewundert. Auch weltberühmte Werke von Rembrandt, Paulus Potter und Frans Hals ziehen die Aufmerksamkeit auf sich. Und dann natürlich das Gebäude selbst. Alle sind neugierig, ob der Charme des Mauritshuis auch nach der Renovierung erhalten geblieben ist und wie die neue Verbindung mit dem Gebäude gegenüber geglückt ist.

Die Journalisten drängen sich in den historischen Räumen und die Fernsehteams stehen Schlange, um ein Interview mit der Direktorin Emelie Gordenker in den Kasten zu bekommen. Selbst die Handwerker, die im Eingangsbereich noch Hand anlegen und die Spitzen des Zaunes mit Blattgold versehen, gehören an diesem Tag sicher zu den meist fotografiertesten Handwerkern der Welt.

Interview mit der Direktorin des MauritshuisInterview mit der Direktorin des Mauritshuis

„Eigentlich hat sich nicht viel verändert“ höre ich immer wieder in den historischen Räumen des Mauritshuis. Nachdem in den letzten 2 Jahren rund 30 Millionen für die Restaurierung und Renovierung von Gebäude und Sammlung ausgegeben wurden, ein etwas verwunderlicher Satz. In diesem Fall zeugt es aber von Erfolg, denn das war die Intention des Projekts – den intimen Charakter des Museums bewahren, das „Schmuckkästchen“ erhalten.

Was die Besucher, die ab Freitag das Mauritshuis besuchen, aber als große Veränderung erfahren werden, ist der Eingang zum Museum. Der seitliche Zugang über den „Dienstboten-Eingang“ gehört der Vergangenheit an, jetzt betritt man den Vorplatz durch das große Tor. Für den Eingangsbereich hat sich der Architekt Hans van Heeswijk für eine Lösung, wie im Pariser Louvre entschieden und ein großes unterirdisches Foyer als Haupteingang entworfen. In diesem historischen Kontext sicher die richtige Lösung, um das Mauritshuis in seiner ursprünglichen Ansicht zu bewahren.

Nur ein gläserner Aufzug, der nicht einmal über eine Stahlkonstruktion verfügt, steht in einer Ecke des Vorplatzes, sodass die Wirkung der Fassade nicht gestört wird. Damit oder mit der großzügigen Treppe kommt man hinunter in das helle und moderne Foyer, das auch gleichzeitig das Verbindungselement zwischen dem alten und dem neu hinzugefügten Gebäude gegenüber bildet.

Mit diesem Eingriff verfügt das Mauritshuis jetzt über die doppelte Fläche und kann seinen Besuchern einen zusätzlichen Ausstellungsraum, einen Museumsshop, ein Restaurant, eine Bibliothek und Platz für Kunstworkshops bieten.

Trotz aller Veränderungen ist das Mauritshuis aber geblieben, was es war - ein überschaubares, intimes Museum voller Charme. Und der Satz des Bauherrn vor Hunderten von Jahren gilt nach wie vor:

“Mein schönes, sehr schönes, allerschönstes Haus!”

Das Treppenhaus im MauritshuisDas Treppenhaus im Mauritshuis

Gemälde des 17. Jahrhunderts im MauritshuisGemälde des 17. Jahrhunderts im Mauritshuis

Handwerker beim Vergolden im MauritshuisHandwerker beim Vergolden im Mauritshuis

Das neue unterirdische Foyer im MauritshuisDas neue unterirdische Foyer im Mauritshuis

Das Mauritshuis in Den Haag bei NachtDas Mauritshuis in Den Haag bei Nacht

PS: Nach der Eröffnung am Freitag 27. Juni durch König Willem- Alexander ist das Mauritshuis ab 20 Uhr für Besucher kostenlos zu besichtigen. Ab dem Tag danach gelten die regulieren Öffnungszeiten und Eintrittspreise.

 

Infos Mauritshuis

Mauritshuis, Plein 29, Den Haag

  • Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag 10 bis 18 Uhr, donnerstags bis 20 Uhr., Montag 13 bis 18 Uhr
  • Eintrittspreis: 15,50 Euro für Erwachsene, Kinder und Jugendliche bis 18 Jahre gratis;
    Multi-Media-Tour auch auf Deutsch gratis zum Herunterladen via mauritshuis.nl für Tablet oder Smartphone; Leihgebühr für iPod 3,50 Euro.

 

Hinweis: Zum Presse-Preview im Mauritshuis war ich im Zuge einer Pressereise eingeladen, die vom Niederländischen Büro für Tourismus & Convention und Den Haag Marketing organisiert wurde.

 

Mein Tipp

Einen eigenen Vermeer an der Wand?

Bei ars mundi gibt es natürlich keine Originale, aber in Öl gemalte Replikas mit einem schönen Rahmen.

Schaut es euch an!

 

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Kommentare  
#1 Katharina 2014-06-25 10:00
Goedemorgen Simone,

Dein Artikel und besonders Deine Fotos machen mich total neugierig auf das "neue" Mauritshuis. Ich hatte es vor vielen Jahren mal besucht und nun steht das Museum definitiv auf der to-do-Liste für den nächsten Den-Haag-Trip ;-).

groetjes
Katharina
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