„Ach, der konnte ja auch malen!“ Diesen Satz hört Willi Weyers sehr oft, wenn er Besucher durch die Villa Mondriaan in Winterswijk führt, erzählt er mir. Hier, im Haus, wo Piet Mondrian seine Kinder- und Jugendjahre verbrachte, werden die frühen Werke des berühmten Künstlers gezeigt. Landschaften, Windmühlen und Bäume, die der gelegentliche Museumsbesucher mit „echter“ Kunst verbindet.

Die berühmten Mondrians, die jeder kennt, werden gerne in die Kategorie „das kann ich auch“ einsortiert. Die schwarzen Linien auf weißem Grund und Farbflächen in Rot, Blau und Gelb, scheinen so simpel. So einfach, wie das Ausmalen eines Bilderbuches. Nur ein kurzer Augenblick vor einem der Originale im Gemeentemuseum Den Haag aber genügt um zu erkennen - nichts ist weniger wahr.

mondrianMondrian zum Aufessen

Acht Jahre war Piet Mondrian alt, als er mit seinen Eltern 1880 in das Lehrerhaus neben der Grundschule in Winterswijk zog. Sein Vater war der Schulleiter und auch Piet sollte mal Lehrer werden. Mit 14 Jahren begann er dann auch seine Ausbildung zum Zeichenlehrer, aber als Lehrer in einer Schule arbeitete er eigentlich nie. Der Kunst blieb er aber treu und absolvierte in den letzten Jahren des 19. Jahrhunderts ein Kunststudium an der Rijksakademie in Amsterdam.

Seine Leidenschaft gehörte immer der Landschaftsmalerei. In den Anfangsjahren malte Mondrian seine Landschaften noch ganz im Stile der holländischen Tradition, erst später wurden sie abstrakt. An den Wänden der Villa Mondriaan, dem ehemaligen Lehrerhaus und heutigem Museum, hängen, neben Landschaften und Stilleben, auch viel Portraits. Mit diesen Auftragsarbeiten verdiente der Künstler sein Geld und es ermöglicht ihm in der Malerei zu experimentieren und seine Kunst zu entwickeln.

Kunst in der Villa Mondriaan in Winterswijk

Den originalen Apfelbaum hinter dem Haus in Winterswijk, der wohl Modell stand für zahlreiche Gemälde und Studien, gibt es natürlich nicht mehr. Aber erst kürzlich wurde ein neuer Baum an dieser Stelle gepflanzt und an den muss ich denken, als ich vor der Serie gemalter Bäume im Gemeentemuseum in Den Haag stehe.

Anhand dieser Gemälde, die in einem Raum vereinigt wurden, kann man erfahren, wie der Baum und damit der Malstil Mondrians sich ändert. Von traditionellem Realismus zur Abstraktion und das in nur 6 Jahren. Diese perfekte Zurschaustellung des Werdegangs macht mir auf so eindrucksvolle Weise deutlich, dass dieses Wirrwarr aus gebogenen Linien und Farbschattierungen ein Ergebnis ist. Das Ende einer Reihe von Vereinfachungen, von Reduktionen auf das Wesentliche, auf die Abstraktion eines Apfelbaums.

Der rote Baum von Piet Mondrian

Bäume von Piet Mondrian

Ein ganzer Flügel im Gemeentemuseum Den Haag ist Piet Mondrian und der Künstlergruppe 'De Stijl', der er einige Jahre angehörte, gewidmet. Ich fühle mich an mein Architekturstudium erinnert, wo ich zum ersten Mal von 'De Stijl' gehört habe. Diese Gruppe hat nämlich nicht nur gemalt, sondern auch Möbel und Häuser entworfen. Das Rietveld-Haus in Utrecht ist dafür ein berühmtes Beispiel und die Verbindung zur Kunst Mondrians ist dort deutlich sichtbar.

Hans Janssen, der schon mehrere Bücher über Mondrian verfasst hat, erzählt begeistert von den Experimenten des Künstlers. Denn Kunst war für Mondrian kein Statement, sondern ein Experiment. Er wollte etwas entdecken, etwas herausfinden. Er lebte seine Kunst. Rechtwinklige Linien, Elementarfarben und Reduktion auf das Wesentliche waren nicht nur in seinen Gemälden zu finden, auch seine Ateliers waren ganz nach diesen Theorien eingerichtet. Mithilfe eines ausgestellten Modells kann heute jeder einen Blick in die gebaute Kunst, in Mondrians Atelier werfen.

Hans Janssen im Gemeentemuseum Den Haag

Modell des Ateliers Mondrians

Die Nazis verstanden Mondrians Kunst nicht, für sie war sie abartig und entartet, was auch immer das bedeuten sollte. Ein Gemälde Mondrians reihte sich ein in eine Sammlung von heute weltberühmten Kunstwerken, die 1937 in München unter dem Titel „Entartete Kunst“ ausgestellt wurden. Die politische Situation und der nahende Krieg sorgten dafür, dass Mondrian erst nach London und später nach New York ausreiste, wo er 1944 nach einer Lungenentzündung starb.

Davor verliebte er sich aber noch in den Jazz und die moderne Tanzmusik von New York. Er konnte gar nicht verstehen, dass Holland über ein Verbot gewisser Tanzstile diskutierte. „Wenn das Charleston-Verbot eingeführt wird, ist das für mich ein Grund, nicht mehr zurückzukommen“, wurde er damals von einem holländischen Journalisten zitiert.

Die Musik fand natürlich auch Einzug in seine Kunst und sein berühmtes letztes und unvollendetes Kunstwerk Victory Boogie Woogie ist eine Ode an New York und seine Musik.

Victory Boogie Woogie von Piet Mondrian

Detail von Victory Boogie Woogie

Reiseinfos zum Thema Mondrian

Villa Mondriaan, Ratumsestraat, Winterswijk

Ausgestellt werden frühe Werke von Piet Mondriaan (damals noch mit zwei a) mit entsprechender Hintergrundinformation mithilfe einer Audio-Tour, die auch auf Deutsch angeboten wird. Zusätzlich wird in Wechselausstellungen zeitgenössische Kunst von jungen und innovativen Künstlern gezeigt.

Öffnungszeiten: im Winter nur von Freitag bis Sonntag von 11 bis 17 Uhr, ab dem 6. März täglich außer montags von 11 bis 17 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise: Erwachsene 9,- Euro inkl. Audio-Tour, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gratis

Einen schönen Artikel über die Villa Mondriaan mit tollen Fotos findet ihr auf Juttas Blog 6 Grad Ost.

 

Gemeentemuseum, Stadhouderslaan, Den Haag

Sehr vielseitiges Museum in einem wunderschönen Gebäude von H.P. Berlage. Außer Gemälden des 19. und 20. Jahrhunderts gibt es auch kunsthandwerkliche Gegenstände und Mode. Berühmt ist das Gemeentemuseum für die größte Sammlung an Werken von Piet Mondrian weltweit. Dazu kommen immer wieder spektakuläre Wechselausstellung.

Öffnungszeiten: Dienstag – Sonntag von 10 bis 17 Uhr

Eintrittspreise: Erwachsene 15,- Euro, Studenten 11,50 Euro, Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren gratis

 

Update: Im Jahr 2017 wurde in Amersfoort, im Geburtshaus von Piet Mondriaan, das Museum Mondriaanhuis eröffnet. Hier widmet man sich auf sehr moderne mulitmedialer Art und Weise seinem Leben und seiner Kunst. Den Blog-Artikel zu meinem Besuch dort, findet ihr unter: Mit dem Rad auf Besuch bei Mondrian in Amersfoort

 

mondrian villa2

Hinweis: Vielen Dank für die Einladung an die Villa Mondriaan und das Gemeentemuseum Den Haag, sowie an das Niederländische Büro für Tourismus & Convention für die Organisation.

 

Mein Tipp

Einen Mondrian für zuhause?

Bei ars mundi gibt es natürlich keine Originale, aber tolle Replikas und Accessoires im Mondrian-Stil.

Schaut es euch an!

 

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Kommentare  
#1 Jutta 2014-10-15 20:12
Öhm, wann warst du denn in Winterswijk? Das sind ja nur 5 Minuten von hier! Und du hast dich nicht gemeldet ... :/ Lieben Dank für den Link! Aber ein Toetje hätten wir ja auch gemeinsam im Museum essen können .. oder einen frischen Käsekuchen 8 km weiter bei mir im Wohnzimmer! : )
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#2 Simone 2014-10-15 20:15
Das war doch während der Pressereise Jutta. Da war leider keine Zeit für einen Nachtisch-Termin ;-) Kommt aber sicher noch.
LG Simone
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#3 Jutta 2014-10-15 20:19
Na, das hoffe ich aber doch! Wünsche dir einen schönen Abend! Sonnige Grüße, Jutta
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