„Früher lebten hier nur 13 Familien, aber mehr als 2000 Schafe“, erklärt uns Loek. Die Anzahl der Dorfbewohner hat sich seither nicht großartig verändert, Schafe gibt es dagegen bedeutend weniger.

Wir müssen schon etwas suchen, um überhaupt noch einige der blökenden Vierbeiner zu entdecken. Auch sonst geht es im Dorf eher beschaulich zu. Ein paar schlendernde Touristen zwischen den historischen Gebäuden und einige Radfahrer, die sich einen Kaffee im Straßencafé gönnen. Vielmehr ist an diesem sonnigen Nachmittag im Mai nicht los.

Museumsdorf Orvelte in DrentheDas Café in Orvelte ist beliebt bei Touristen, Radfahrern und Wanderern

An Wochenenden oder in den Ferien ist es durchaus etwas voller in Orvelte, erfahren wir. Aber wir sind in Drenthe. Touristenströme, wie in Amsterdam sind hier glücklicherweise nicht zu erwarten. Dörfliche Idylle und Gemütlichkeit bestimmen die Szenerie.

 

Museumsdorf Orvelte

In historischen reetgedeckten Häusern werden in kleinen Läden Deko, Kunst und Kunsthandwerk verkauft. Ausstellungen geben Einblick in das damalige Leben im Dorf, in Landwirtschaft und traditionelle Handwerke.

Im alten Krämerladen gibt es Süßigkeiten von früher und in der ehemaligen Milchfabrik kann leckerer Käse probiert und natürlich auch gekauft werden. Selbst Hand anlegen kann man hier auch, erfahren wir. Mit Voranmeldung kann man in einem Workshop lernen, wie man Joghurt oder Käse herstellt. 

Auch bei Puur Pannenkoek darf man etwas probieren. Leider verpassen wir die Pfannkuchen-Verköstigung knapp. So kurz vor Ladenschluss ist der Herd schon kalt und Professor Pannenkoek mit aufräumen beschäftigt. Einen längeren Blick in seinen schönen Laden mit allerlei Leckereien werfen wir natürlich dennoch. Und sein Pfannenangebot begeistert mich so sehr, dass ich beinahe den Platzmangel in meinem Küchenschrank ignoriert hätte.

Zoo Bizar nennt sich der bei Kindern äußerst beliebte kleine Mini-Zoo in einem sächsischen Bauernhof schräg gegenüber. Ganz besondere Tiere kann man hier nicht nur sehen, sondern meist auch anfassen. Heimisch sind sie nicht unbedingt, aber bizarr sind sie schon etwas. Egal ob es sich um ein kleines Gürteltier oder eine Stabheuschrecke, einem wandelnden Ast, handelt. Und wer sich von den Kindern traut, die Vogelspinne auf die Hand zu nehmen, hat am nächsten Schultag auf alle Fälle eine Menge zu erzählen.

museumsdorf orvelte paardentramDie Pferdetram von Orvelte haben wir wohl verpasst

museumsdorf orvelte milchfabrikFrische Milchprodukte, leckerer Käse und auch den passenden Wein dazu kann man in der Milchfabrik ergattern

museumsdorf orvelte drenthehofDer Duft von frischgebackenen Pfannkuchen lockt einen in den Laden von Professor Pannenkoek

museumsdorf orvelte pfannkuchenUnd natürlich gibt es alles und noch mehr, was man zum Pfannkuchenbacken braucht

museumsdorf orvelte zooIm Zoo Bizar gegenüber kommen vor allem Kinder auf ihre Kosten

Ein Dorf im Wandel

Dass Orvelte kein leer stehendes Dorf im Verfall, sondern ein Museumsdorf geworden ist, haben wir einer gewissen Weitsicht zu verdanken. Schon in den 50er Jahren wurde die kluge Entscheidung gefällt, den Neubau an den Ortsrand zu verbannen. Die kleinen Bauernhöfe im Dorfkern waren schon lange nicht mehr rentabel und die Grundstücke nicht groß genug für einen modernen landwirtschaftlichen Betrieb. Dennoch entschloss man sich gegen einen Abriss und für den Erhalt des historischen Baubestands im Zentrum des Dorfes.

Es wurde eine neue Ring-Straße angelegt und das Dorf für den Verkehr gesperrt. Die Bauernhöfe wurden saniert und in den historischen Zustand zu Zeiten des Jahres 1837 zurückgebracht. Bereits seit 1967 steht das Dorf Orvelte nun unter Denkmalschutz. Backsteinfassaden, Reetdächer, gepflasterte Straßen und ein Dorfplatz mit großen Buchen prägen heute den hübschen Ort.

Stillstand gibt es dennoch nicht im Museumsdorf. Hier wird an einem großen Schafstall nach historischem Vorbild gearbeitet, dort ein Bauerngarten mit reichlich Gemüse angelegt. Der traditionelle Kartoffelkeller ist bereits fertig. Ein Brunnen, den es hier früher mal gab, soll neu gegraben werden.

Aber nicht nur der ländliche Alltag wird im Dorf gelebt, auch Veranstaltungen zu besonderen Gelegenheiten werden organisiert. Ob Schafschur, historisches Erntefest, Pferdemarkt oder Musikfestival – ein sehenswertes Spektakel ist es auf alle Fälle.

Besucher sind im Dorf immer herzlich willkommen, egal ob zu einem besonderen Event oder an einem normalen Wochentag. Für Urlauber im Ferienpark Landal Orveltermarke, wie uns, ist ein Besuch natürlich sowieso ein Muss. Keine zwei Kilometer trennen Orvelte von unserem Ferienhaus, ein Katzensprung sozusagen.

museumsdorf orvelte stallWer sogar seinen Stall mit solchen Flechtereien verzieren konnte, gehörte eher zu den wohlhabenden Bauern

museumsdorf orvelte stubeAuch die Einrichtung in einem der Häuser lässt einen gewissen Wohlstand vermuten

museumsdorf orvelte kellerIn solche einem unterirdischen Erdkeller bleiben die Temperaturen ziemlich konstant

museumsdorf orvelte bienenEine kleine Ausstellung über die Imkerei gibt es schon, ein richtiges Bienen-Museum ist in Planung

Schafe und Natur

Auch wenn Orvelte als Museumsdorf bezeichnet wird, ist es dennoch ganz normal bewohnt. Mit einem der Bewohner sind wir heute verabredet. Loek ist nicht nur der Imker im Dorf, er weiß auch allerhand über die Geschichte von Orvelte und seiner Umgebung zu erzählen.

Da wäre zum Beispiel die Sache mit den Schafen. Die Größe der Herde von 2000 Tieren, die hier in früheren Zeiten durchs Dorf zog, um von der Weide in ihre Ställe zu kommen, überrascht mich bereits. Noch erstaunter bin ich, dass nicht Wolle, Fleisch und Milch der Grund für die Schafzucht war, sondern der Mist.

Die Böden rings um Orvelte waren in früheren Zeiten nicht sonderlich fruchtbar. Um dennoch genug Ertrag auf den Feldern zu erwirtschaften, war Dünger notwendig. Dass Schafe, das überall wachsende Heidekraut in nährstoffreichen Mist verwandeln, war da die perfekte Lösung.

Mit der Erfindung des Kunstdüngers wurden nicht nur der Mist und somit auch die Schafe überflüssig, auch die Heide wurde gerodet und in Ackerflächen umgewandelt. Die Zeiten ändern sich jedoch, Renaturierung ist inzwischen die neue Devise.

Auf unserem Spaziergang rund ums Dorf kommen wir mittlerweile wieder in den Genuss der ersten „natürlichen“ Flächen. Heide und auch ein Feuchtgebiet, so wie es hier früher üblich war. Nicht nur fürs Auge, auch für Flora und Fauna hat die Rückbesinnung auf die Natur einen positiven Effekt. Wildkräuter, Insekten und Wasservögel haben die Gebiete bereits wieder besiedelt.  

Mitten in der Natur dann eine besondere Entdeckung – ein Bauernhof aus der Eisenzeit. Natürlich ist das Haus nicht Original, Holz und Reet überdauern keine Jahrhunderte. Jedoch hat man sich nah an archäologische Erkenntnisse gehalten und Größe, sowie Baumaterialien darauf abgestimmt.

Hier entdecken wir dann auch die Schafe von Orvelte. Schoonebeeker Heideschafe, um genau zu sein. Eine alte Rasse, die scheinbar noch etwas agiler ist, als die kugelrunden Deichschafe, die man sonst so sieht. Zumindest habe ich selten so fröhlich herumrennende und springende Jungschafe gesehen, wie hier in der Schafherde von Orvelte.

museumsdorf orvelte teichVorbei an den neu angelegten Wasserflächen...

museumsdorf orvelte heideund über den sandigen Weg der Heide...

museumsdorf orvelte eisenzeit bauernhofkommen wir zum Eisenzeit-Bauernhof, etwas außerhalb von Orvelte

museumsdorf orvelte fuehrung loekVon Loek erfahren wir viel Interessantes zum Bauernhof und zur umgebenden Natur

museumsdorf orvelte schafherdeUnd da sind sie dann - die Schafe von Orvelte

 

Reiseinfos Museumsdorf Orvelte

Orvelte liegt in den Provinz Drenthe im Nordosten der Niederlande zwischen den Städten Emmen und Assen. Die deutsche Grenze ist nur ca. 30 km entfernt.

 

Das Dorf ist im Prinzip gratis zu besuchen. Bei der einen oder anderen Attraktion, wie z.B. dem Zoo oder den Handwerker-Werkstätten werden einige Euros Eintritt verlangt.

Das Dorf an sich hat natürlich keine Öffnungszeit, die Läden und Ausstellungen aber schon. Die meisten öffnen um 10 oder 11 Uhr und schließen um 17 Uhr.
Von April bis Oktober haben die meisten von Mittwoch bis Sonntag geöffnet, die Handwerke jedoch nur am Wochenende. Im Winterhalbjahr sind auch die meisten anderen Ausstellungen und Lokale nur am Wochenende geöffnet.

Wer mit dem Auto anreist, kann sein Auto auf einem der beiden großen Parkplätze abstellen. Das Dorf selbst ist autofrei.
Parkgebühr: € 3,- am Tag, nur Kartenzahlung möglich

 

Weiter Infos und auch die jeweiligen Öffnungszeiten, findet ihr hier auf der Website von Orvelte. Einen schönen Rundgang mit vielen Informationen auf Deutsch könnt ihr euch hier kostenlos herunterladen.

museumsdorf orvelte bauernhofEin Besuch im hübschen Orvelte ist immer einen Ausflug wert!

 

Hinweis: Das Museumsdorf Orvelte besuchten wir während unseres Rechercheaufenthalts bei Landal Orveltermarke. Ein herzliches Dankeschön an Loek für die sehr interessante Führung!

 

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