Wir fühlen uns gleich zuhause. Als ob wir fürs Hausboot-Leben gemacht wären. Die wunderschöne Landschaft und das gemächliche Reisetempo wirken äußerst entspannend und erholsam. Nur sitzen, schauen und genießen.

Obwohl völliger Anfänger, erweist sich Herr O. als sehr talentierter Kapitän. Souverän und mit ruhiger Hand schippert er unser 14,5-m-Boot Magnifique durch schmale Schleusen und sogar Tunnel. Zukünftigen Hausboot-Touren der Nach-Holland-Redaktion steht damit nichts mehr im Wege.

HausbootMit dem Hausboot durch wunderschöne Natur

Wir schippern zu sechst durch die Franche-Comté im Osten von Frankreich. Auch wenn schon der ein oder andere von unserer Reiseblogger-Truppe ein Boot von innen gesehen hat, Hausboot-Urlaub-Profis sind wir alle nicht. Aber wir verstehen uns gut und das ist bei der Enge, die auf einem Boot eigentlich immer herrscht, sehr wichtig. Ansonsten kann es auch mal etwas laut werden, wie wir beim Anlegen in der Marina von Seveaux bei unseren Nachbarn mitbekommen. Meinungsverschiedenheiten über das Anlegemanöver sollte man am besten schon im Vorfeld ausräumen.

Angst vor dem Anlegen braucht man aber nicht zu haben, auch nicht als Hausboot-Neuling. Denn Erfahrung oder sogar einen Führerschein braucht man für so eine Hausboot-Tour nicht. Bevor es losgeht, bekommt man eine ausführliche Einweisung und hat die Möglichkeit für eine kurze Probefahrt unter Begleitung.

 

Wir starten in der Basis von Le Boat in Gray und Thierry erklärt uns geduldig das Inventar und die Funktion unseres Bootes. Übrigens auf Englisch, mit unserem sehr eingestaubten Schul-Französisch wäre das vermutlich etwas schwieriger geworden. Vieles erklärt sich aber auch von selbst und das einfache Vormachen überwindet alle Sprachbarrieren.

Gleich neben dem Hafen gibt es praktischerweise die erste Schleuse und so können wir unsere erste Schleusendurchfahrt gleich mal zusammen mit Thierry üben. Bei der theoretischen Einweisung kam uns das Ganze noch etwas kompliziert vor, aber in der Praxis ist die Sache dann doch ganz einfach.

hausboot probefahrtAuf Probefahrt mit dem Hausboot

Die Schleusen auf unserer Strecke von Gray nach Scey-sur-Saône sind alle automatisch und recht einfach zu bedienen. Mein Job ist meist die Bugleine. Und obwohl ich mich nicht als gekonnte Lasso-Werferin entpuppe, klappt es trotzdem das Tau um den Boller zu bekommen, um das Boot in der Schleuse zu sichern. Einem speziellen Stock oder Hilfe von Land sei Dank.

Stressig muss man sich so eine Schleusendurchfahrt nicht vorstellen, eher als nette Abwechslung unterwegs. Noch spannender sind die Tunnel. Auf unserer Strecke gibt es gleich zwei, beide jeweils über 600 m lang. Der Tunnel von Saint-Albin wurde von 1838 und 1843 gebaut und steht heute unter Denkmalschutz.

Eine Ampelanlage regelt, dass man auf keinen Gegenverkehr trifft, denn der Tunnel bietet nur Platz für ein Boot. Das Wasser in der gemauerten Tunnelröhre vor uns ist so spiegelglatt, dass man das Gefühl hat, wirklich durch eine runde Röhre zu fahren. Es ist kalt, wie in einer Höhle und einfach nur spektakulär. Muss man unbedingt mal machen!

hausboot schleuseDie Bedienung der Schleuse ist kein Hexenwerk

hausboot - in der schleuseDie Bugleine - mein Job in der Schleuse

Durch den Tunnel mit dem HausbootSpektakulär - mit dem Hausboot durch den Tunnel von Saint-Albin

Abends legen wir, gegen eine Gebühr von einigen Euros, an festen Anlegestellen in Marinas an. Eigentlich könnten wir anlegen, wo wir wollen, also auch mitten in der Natur. Aber nur an festen Anlegestellen gibt es Wasser und Strom. Vor allem Letzteres brauchen wir als Blogger ständig, um unsere Kameras und Handys aufzuladen. Zwar haben wir auch unterwegs 12-V-Strom, aber mit dem Adapter und der Kapazität kommen wir nicht weit. Für „normale“ Reisende sollte das aber kein Problem sein.

Das Wasser sollte zumindest 2 Tage reichen, der Tank umfasst immerhin 750 Liter. Kommt natürlich darauf an, wie viel Leute an Bord sind. Wir sind zu sechst und das ist eigentlich ideal für unser Boot. Theoretisch finden 10 Personen Platz auf dem Boot, aber wenn das alles Erwachsene sind, wird es extrem eng an Bord. Essen muss man dann in Schichten, denn am Tisch, ob im Innern oder auf dem Sonnendeck finden so viele Leute keinen Platz.

 

Im hinteren Teil, dem Heck, gibt es zwei 2-Personen-Kabinen, jeweils mit einem eigenen Bad. Das „Bad“ ist ausreichend und funktionell, aber größer als ein Duschklo ist es nicht. Vorne im Bug gibt es noch einmal 2 Doppelkabinen, die aber um einiges kleiner sind und die sich eine Dusche und ein Klo teilen müssen.

Der Tipp vom Veranstalter Le Boat, eine Tasche und keinen Hartschalen-Koffer fürs Gepäck zu nutzen, erweist sich als essenziell. Für einen Koffer gibt es schlichtweg keinen Platz, die ausgepackte Tasche kann man dagegen zusammenfalten und unter dem Bett verstauen. Der andere Tipp, wenig Gepäck mitzunehmen, klappt dagegen nur begrenzt. Eine Ausstattung für Sonne, Regen und Wind braucht einfach Platz, man weiß ja nie so richtig, was kommt. Aber zumindest die Handtücher kann man zuhause lassen, denn die gibt es für jeden an Bord.

Steuerstand im HausbootAuch im Inneren des Hausboots gibt es einen Steuerstand

hausboot kabinenNicht riesig, aber ausreichend - Küche und Kabinen auf unserem Hausboot

Am meisten Platz braucht aber sowieso die Versorgung mit Essen und Trinken für den ganzen Trupp. Für unsere Mannschaft von 6 Personen schieben wir zwei volle Einkaufswägen Richtung Kasse im Supermarkt gleich neben dem Heimathafen in Gray. Einkaufen sollte man unbedingt dort, denn unterwegs gibt es so gut wie nichts. Auch Wasser zum Trinken nicht vergessen, das Wasser im Tank kann man zwar gut zum Kochen verwenden, aber geschmacklich ist es zum Trinken nicht so richtig geeignet.

Apropos Kochen. Wir haben uns komplett selbst versorgt und jeden Abend was Leckeres gekocht. Die Küche ist mit allem Notwendigen ausgestattet, aber komplizierte Gerichte sollte man besser von seinem Speiseplan streichen. Platz und auch Gerätschaft ist für ausgiebige Kochorgien eher etwas ungeeignet. Für ein gutes Abendessen und ein Glas französischen Rotweins auf dem Sonnendeck reicht es aber allemal.

 

Den allerwichtigsten Tipp für eine Hausboot-Tour zum Schluss: Nur kein Stress!
Klappt etwas nicht beim ersten Mal, dann eben beim Zweiten. Und Hausboot-Fahrer untereinander sind sehr hilfsbereit, wenn Not am Mann ist, einfach mal den Bootsnachbarn fragen.

Essen auf dem HausbootFeierabend! Abendessen auf dem Hausboot.

 

10 praktische Tipps für eine Hausboot-Reise

  1. Auch bei bewölktem Himmel -Sonnenschutz (Sonnenbrille, Sonnencreme, evtl. Sonnenhut) ist unerlässlich.
  2. Jacke oder Fleece-Pullover mitnehmen, auf dem Wasser ist es immer ein bisschen kühler.
  3. Sich mit Gepäck möglichst einschränken und alles in eine faltbare Tasche packen.
  4. Wäscheklammern für Handtücher oder die Routenkarte sind bei Fahrtwind sehr praktisch.
  5. Badesachen nicht vergessen. Platz für ein erfrischendes Bad findet sich immer.
  6. Adapter für den Wasseranschluss mitgeben lassen, diese sind in den Marinas nicht einheitlich.
  7. Wenn Fahrräder gemietet werden, Reparaturset inkl. Werkzeug mitbringen. Die Fahrräder sind nicht so gut gewartet und weder Reparaturset noch Luftpumpe sind an Bord.
  8. Eine Mehrfachsteckdose ist sehr praktisch, um tagsüber mit dem Adapter mehrere Handys oder Kamera-Akkus aufzuladen.
  9. Reisetabletten kann man zuhause lassen. So ein Hausboot schwankt kaum, da wird man nicht seekrank.
  10. Genießen, entspannen und Spaß haben!

 

Was es alles zu sehen gab auf unserer Reise auf der Saône in der Franche-Comté, könnt ihr in meinem Artikel Hausboot-Tour durch das grüne Frankreich sehen und nachlesen. Die Artikel von unseren Reisegefährten Monika und Petar von TravelWorldOnline, Angelika von Wiederunterwegs und Christina von City Sea Country findet ihr hier:

Und dann gibt es das Ganze noch als Video von TravelWorldOnline bei YouTube unter dem Link: https://youtu.be/wspA9PjPEb4  - Viel Spaß!

 

Hinweis: Diese Reise wurde unterstützt von LeBoat und Tourisme Franche Comté. Vielen Dank!

 

 Zufahrt auf die SchleuseSchleuse in Sicht!

hausboot tunnelEs wird spannend, Tunnel voraus!

Hausboot fahrenEntspannt unterwegs mit unserem Hausboot

hausboot anlegestelle"Wildes" Anlegen mit dem Hausboot

hausboot kapitaenHerr O. entpuppt sich als talentierter Kapitän

 

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Kommentare  
#1 Jutta 2015-07-06 20:22
Ehrlich gesagt beneide ich euch da ein bisschen: Ich hatte schon drüber bei Christina über die Tour gelesen und finde so ein Hausboot total charmant. Ein bisschen Platz für mich hab ich schon ganz gerne, aber man ist ja auch nicht wochenlang auf dem Bötchen unterwegs. Die Tunnel finde ich genial! Was für eine Tour, sonnige Grüße, Jutta
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#2 Simone 2015-07-08 08:53
Jutta, das ist soooo schön, da will man gar nicht mehr runter. Ich würde es Monate aushalten :-)
LG Simone
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#3 Lorena 2015-07-11 20:42
Eine Hausboot-Tour in Holland finde ich wirklich super, würde ich sehr gerne irgendwann mal machen. Viele Grüße aus Schenna
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#4 vielweib 2015-07-13 09:25
Für mich gehts Ende September aufs Boot nach Meck Pom. Um so mehr habe ich Eure Tour verfolgt. Spannende Erlebnisse und doch so schön Slowtravel ;-)
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#5 Simone 2015-07-13 09:31
Habe ich schon gelesen, dass du Bootblogger wirst Tanja. Bin schon gespannt :-)
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#6 Andersreisender 2015-07-15 10:34
So eine Hausboot-Tour stelle ich mir schon sehr beeindruckend vor! Vor allem der Tunnel sieht spektakulär aus! Wie ich sehe hattet Ihr eine tolle, gemeinsame Zeit! Schöööön! :-)
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#7 Simone 2015-09-15 15:52
Ein Urlaub in Frankreich mit dem Boot steht auch weit oben auf unserer Wunschliste. Eure Tour sieht gut aus :-) Super Fotos! Da steht ja zukünftigen Bootsurlauben - auch in Holland - nichts mehr im Weg, oder?
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#8 Simone 2015-09-15 16:09
Da hast du Recht Simone. Wir haben jetzt ordentlich in Frankreich geübt, dann können wir im nächsten Jahr die holländischen Gewässer erkunden :-)
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