Die Stadt Roermond im niederländischen Limburg verband ich eigentlich immer mit Shopping. Designer Outlet-Center und Roermond gehörten einfach zusammen. Obwohl ich noch nie dort war und erst einmal auf der Landkarte suchen musste, wo Roermond eigentlich genau liegt, war der Ruf der Stadt als Einkaufsparadies sogar zu mir Shopping-Muffel durchgedrungen.

Cuypers, der Architekt des gerade wieder eröffneten Rijksmuseum und des Hauptbahnhofs von Amsterdam, habe ich mit der Stadt mit knapp 57.000 Einwohnern, nicht in Verbindung gebracht. Eigentlich seltsam, denn in Roermond liegen der Ursprung und die Heimat dieses umtriebigen Baumeisters.

roermond markt

Besuch in Roermond

Mein Bild von Roermond hatte auch sonst wenig mit der vorgefundenen Realität zu tun. Ich hatte absolut keine so charmante und regelrecht beschauliche Stadt erwartet. Gut, ein strahlend blauer Himmel hat den positiven Eindruck bestimmt noch etwas verstärkt. Aber eine intakte Altstadt mit wunderschönen Fassaden und Plätzen, zahlreichen Kirchen, lockenden Restaurants und Cafés, viel Wasser und Grün, hätten mich sicher auch bei Regen überzeugt.

Die freundlichen Damen vom Fremdenverkehrsbüro VVV Midden-Limburg müssen dann auch nicht viel Überzeugungsarbeit leisten, um der kleinen Gruppe Journalisten und Blogger, der ich angehöre, die Vorzüge der Bischofsstadt Roermond nahe zu bringen.

roermond pavillon

Cuypers

Das Cuypershuis, das ehemalige Wohnhaus und auch die Arbeitsstätte von Pierre Cuypers, ist ein wahrer kultureller Schatz und ganz und gar kein langweiliges Museum. Joyce van Cruchten führt uns, mit viel Hintergrundwissen und interessanten Anekdoten, durch das 1853 gebaute Haus. Cuypers, der von 1827 bis 1921 lebte, bewohnte das selbst entworfene und gestaltete Haus nicht nur, sondern es beherbergte auch den „Betrieb“ Cuypers. Bis zu 60 Mitarbeiter waren hier angestellt und arbeiteten an Architekturentwürfen, aber vor allem auch an Skulpturen, Malereien und Möbeln hauptsächlich für die Ausstattung von Kirchen.

Aber auch das Cuypershuis selbst wurde von ihm gestaltet und eingerichtet. Und obwohl das Gebäude über die letzten 160 Jahre öfters verändert und renoviert wurde, ist das Gesamtkunstwerk von Pierre Cuypers noch zum großen Teil erhalten geblieben. Imposante Möbelstücke sind zu bewundern mit unglaublichen Details, die Cuypers Humor erahnen lassen. Wer hätte schon vermutet, dass der katholische Kirchenarchitekt seine stattlichen Stühle mit Schuhen ausstattet?

roermond stuhl cuypers

Dass es Spuren von Cuypers in der ganzen Stadt zu sehen und erleben gibt, macht uns Frans Jansen, der Stadtführer des VVV Roermonds, deutlich. Eine sehr kurzweilige Stadtführung führt uns an einige Stellen, an denen Cuypers seine Spuren hinterlassen hat. Sehr Imposante, wie die Türme der Münsterkirche, die er bei der Restaurierung von 1863 bis 1890, anbringen ließ und sehr Filigrane, wie der Musikpavillon vor dem Münster, den er 1880 entworfen hatte. Wir erfahren viel Wissenswertes und auch einige Anekdoten über Cuypers und werden in wichtige Stadtgeheimnisse Roermonds eingeweiht. So hat ein Blick empor, zur 3,5 m hohen und vergoldeten Christopherstatue auf der Turmspitze der Kathedrale, bei Frauen anscheinend eine empfängnisverhütende Wirkung für einen Tag.

roermond vvv-gids

ECI Cultuurfabriek

Der Rundgang endet in der ECI Cultuurfabriek, einer alten Fabrikanlage am Stadtrand, deren Gebäude zum Teil aus dem 19. Jahrhundert stammen. Damit bleiben wir zwar den historischen Gemäuern des vorletzten Jahrhunderts treu, aber wechseln doch sprunghaft von der Kultur der Neugotik des 19. Jahrhunderts in die moderne, heutige Kulturwelt.

Den Anfang macht eine meiner Lieblingskulturen – die Esskultur. Und um Kultur geht es wirklich, denn es ist nicht nur Kochkunst, die wir im Restaurant One serviert bekommen. Auch Design, Stil und Ambiente ist überall anwesend, bei der Einrichtung, dem Geschirr und auf dem Teller. Das Essen ist sehr kreativ, überraschend und unglaublich lecker, was ich eigentlich bei einem Restaurant mit einem Michelin-Stern auch so erwartet hatte. Dazu wurde man aber auch noch richtig satt und das habe ich leider in sehr guten und meist teuren Restaurants auch schon ganz anders erlebt. Nicht so im Restaurant One, das ich aus vollem Herzen weiterempfehlen kann. Zum perfekten Essen gibt es noch ein ganz besonderes Ambiente aus Industriedenkmal inklusiv Graffiti an der Wand und bequemen Designermöbeln.

roermond restaurant one

Frisch gestärkt werden wir vom Direktor der ECI CultuurfabriekRene Lebens empfangen und durch den Komplex von alten Fabrikgebäuden geführt. ECI steht übrigens für Elektro Chemische Industrie. Aber auch andere Betriebe, wie Holzsägereien waren hier jahrzehntelang angesiedelt und nutzten die Wasserkraft der vorbeifließenden Rur.

Nach 1984 standen die Gebäude jahrelang leer, bevor man sich auf die kulturhistorische Bedeutung besann und die Fabrikgebäude zu einem Industriedenkmal erklärte.Nach gründlicher Restaurierung, bei der der Industriecharakter komplett erhalten blieb, wurde der Komplex im letzten Jahr seiner neuen Funktion als Zentrum für Kunst und Kultur übergeben.

 

Kulturelles Zentrum

Innerhalb der zum großen Teil unverputzten Wände mit den Graffitis, die in den vielen Jahren des Leerstands entstanden sind, wird unglaublich viel Kreatives geboten. Es gibt Ausstellungsräume, ein Theater mit 240 Sitzplätzen, Filmsäle, ein Poppodium für bis zu 600 Besucher, Übungsräume für Musiker bzw. Musikunterricht, Werkstätten für Edelschmieden, Malerei und anderen kreativen Handwerken. Besucht wird die ECI Cultuurfabriek übrigens nicht nur von Niederländern aus der Gegend, sondern durch die besondere grenznahe Lage von Roermond, auch von vielen Belgiern und Deutschen.

roermond ECI cafe

Im ebenfalls vorhandenen Café beschließen wir unsere kulturelle Reise durch Roermond. Ich nehme Abschied von Katharina vom Niederlandeblog, die mit von der Partie war und die ich endlich mal persönlich kennengelernt habe.

Einen Abschied von Roermond gibt es aber noch nicht. Es wartet noch eine (sehr angenehme) Nacht im Gefängnis auf mich und ein weiterer Tag im schönen Limburg. Also dranbleiben, demnächst gibt es noch mehr über die Stadt zu lesen und auch das eine oder andere schon Angesprochene wird in nächster Zeit noch etwas mehr Aufmerksamkeit von mir bekommen.

 

Hinweis: Der Besuch der Stadt Roermond, des Cuypershuis, der ECI Cultuurfabriek und des Restaurants One gehörte zu einer Pressereise, zu der ich vom VVV Midden-Limburg eingeladen wurde.


roermond cuypershuis

roermond muenster cuypers

roermond gerhard margaretha

roermond ECI aussen

roermond lunch 

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Kommentare  
#1 Lony 2013-06-09 11:08
Guten Morgen Simone,

danke, dass Du uns ein Stück auf Deiner Reise durch Roermond mitgenommen hast! Ich mag diese Stadt auch sehr. Das Outlet Center ist zwar nicht so mein Ding, aber durch Roermond selber bummele ich total gerne. Wir wohnen zum Glück nur 35 Minuten entfernt.

Das ECI hatte mir mein Mann im April noch gezeigt, als wir dran vorbeifuhren. Die Band, für die er früher gearbeitet hat, hatte dort im Dezember letzten Jahres noch einen Auftritt. Ich wusste aber nicht, wie toll es von innen aufgebaut ist, das zugehörige Café gefällt mir richtig gut!!!

Ich wünsch Dir einen schönen Sonntag und lasse liebe Grüße hier!

Lony x
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#2 Cindy Koff 2013-06-11 18:22
Wow, Roermond sieht echt klasse aus! Die Bilder haben mir super gut gefallen! Und zum Shoppen ist das ja wohl ein Muss!! :)
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#3 Christina 2013-06-11 21:33
Oh, es gibt ja tatsächlich noch mehr in Roermond als das bekannte Outlet. Schöne Dinge und sehenswert. Ich muss mir wohl mal mehr Zeit für das Städtchen nehmen.

Aber Shopping da ist auch toll :)

LG Christina
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#4 Zypresse 2013-07-04 11:58
Ja, ganz zu Unrecht lassen viele der Outlet-Shopper die Stadt unbeachtet links liegen - welch ein Fehler. Auch dort gibt es vieles zu entdecken, schöne Cafes und nette Shops - und vor allem: Limburg pur.
Die Kulturfabrik ist mir neu und wird sicher vorgemerkt für den nächsten Roermond-Ausflug!
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