Ich muss mich bücken und den Kopf einziehen, bevor ich in den schmalen dunklen Gang trete. Beinahe hätte ich den Eingang übersehen. Hier in der Altstadt von Leiden gibt es viele Portale, wie dieses hier. Die meisten sind verschlossen, aber heute an diesem sonnigen Pfingstmontag, stehen einige Türen weit offen und laden Besucher ein.

Welche das sind, verrät mir ein Stadtplan, den mir die nette junge Dame gleich am Bahnhof überreicht hat. Leidse Hofjes Concerten steht vorne auf dem Heftchen drauf.

Musik kommt mir auch entgegen, als ich durch das Portal gehe. Ich kann noch nichts sehen. Leute drängen sich in dem schmalen Gang und versperren mir die Sicht. Auch sie wollen dort hin, wo ich hin will. Höre ich da eine Orgel? Sind das Streicher?

Leidse Hofjes ConcertenLeidse Hofjes Concerten

Ich trete ein in helles Sonnenlicht. Ein kleiner grüner Innenhof, ein echtes hofje, empfängt mich. Menschen sitzen im Schatten unter den Bäumen und lauschen andächtig. Überrascht stelle ich fest, dass sie gebannt nur auf eine einzige Person schauen. Nur ein junger Mann sitzt da und zaubert ein ganzes Orchester aus seinem Akkordeon. Sämtliche Vorurteile aus meiner Jugendzeit, werden von einem, von Kusjakov komponierten, Tornado regelrecht hinweg geblasen. Mit einer Aufführung des Akkordeon-Vereins auf dem jährlichen Dorffest hat das absolut gar nichts zu tun.

Eine ganze Liste an Preisen hat der Musiker Vincent van Amsterdam für sein Können schon gewonnen. Auch die Zuhörer hier sind begeistert und sparen nicht mit Bravo-Rufen. 40 Minuten hat das Konzert gedauert. 40 Minuten mit Kusjakov, Bach, Mendelssohn und Astor Piazzolla. Viele Leute sollen in diesen musikalischen Genuss kommen, darum werden gleich vier Konzerte im schönen Sint Salvatorhof an diesem Tag gespielt.

Sint Salvatorhof in LeidenSint Salvatorhof in Leiden

14 Häuser umgeben den Innenhof mit den Schatten spendenden Platanen und den bunt blühenden Hortensien. Ursprünglich wohnten unverheiratete Frauen und Witwen in den Häusern, die aus dem Jahr 1639 stammen. Im 17. Jahrhundert, der Blütezeit der Stadt Leiden, stifteten viele Priester, reiche Kaufleute oder andere Gönner nach ihrem Tode Geld für den Bau eines hofjes, einer Art sozialer Wohnungsbau dieser Zeit.

Heute gibt es noch 35 hofjes in Leiden, die auch alle bewohnt werden. Wenn man durch die Pforte eintritt, ist man wie in einer anderen Welt. Schön bepflanzt und ruhig, von den Autos auf den Straßen ist nichts zu hören. Die Abwesenheit von Straßenlärm bringt aber ein Manko zum Vorschein, das die Idylle von Leiden und seinen hofjes trübt. Die Nähe zum Flughafen Schiphol sorgt für Überflieger im Minutentakt.

Die Flugzeuge stören dann auch etwas während des eher leisen Konzerts im Sint Annahof. Sophie Ardiet und James Holland sind aus Paris angereist, um Werke von Bach und Fallerhagen mit einer Laute und einer Querflöte vorzutragen. Angenehm zugängliche Musik, die so gut zu diesem sonnigen Tag und dem romantischen Innenhof passt. Nur eine Picknick-Decke und ein Glas Prosecco könnte es noch schöner machen.

Sophie Ardiet und James HollandSophie Ardiet und James Holland

In 22 Höfen finden Konzerte statt an diesem Pfingstsonntag und am Montag sind es sogar 27. Es sind schon die 6. Leidse Hofjes Concerten, die übrigens gratis zugänglich sind, und die Beliebtheit wächst von Jahr zu Jahr. Nicht nur klassische Musik wird gespielt, auch Jazz, Spanische Klänge und Volksmusik sind vertreten. Das Ambiente in den kleinen Höfen könnte nicht schöner sein und so drängen sich an meinem letzten Konzert an diesem Tag auch ziemlich viele Leute auf jedem freien Platz im recht kleinen Schachtenhof.

Es ist auch ein wahrer Knaller, was die jungen Musiker des Animato Kwartet darbieten. Das Streichquartett des sowjetischen Komponisten Schostakowitsch begeistert nicht nur mich und ist ein perfekter Abschluss dieses musikalischen Tages. Und am Ende weiß ich zwei Dinge ganz bestimmt: Ich werde in Zukunft mehr klassische Musik hören und ich gehe im nächsten Jahr wieder nach Leiden zu den Hofjes Concerten.

Pause im SchachtenhofPause im Schachtenhof

Loridanshof in LeidenEingang zum Schachtenhof

Das Trio Gesto Antico Das Trio Gesto Antico

Hoogeveenshof in LeidenHoogeveenshof in Leiden

Reiseinfos Leidse Hofjes Concerten

Wann: Pfingstsonntag und Pfingstmontag, in 2018: 20. + 21. Mai

Wo: in über 20 teilweise versteckten Innenhöfen in ganz Leiden

Was: über 200 Konzerte klassischer und alter Musik, sowie Jazz und Volksmusik. Das Programm ist hier zu finden.

Wie viel: seit 2016 wird Eintritt verlangt, in 2018 liegt der Preis bei 15,- Euro pro Tag. Man erhält ein Armbändchen, womit man dann alle Konzerte besuchen kann. Erhältlich beim Touristenbüro VVV in der Nähe des Bahnhofs, in der Pieterskerk und einigen größeren Höfen.

Wie: Leiden ist sehr gut mit dem Zug erreichbar. Bei Anreise mit dem Auto am besten die Parkhäuser bzw. großen Parkplätze etwas außerhalb nutzen, die Innenstadt ist verkehrsberuhigt. Die Parkhäuser sind ausgeschildert.

Übernachten: Einige Hoteltipps findet ihr hier.

Reiseinfos und Tipps zu Leiden findet ihr hier auf Nach Holland unter dem Menüpunkt Leiden.

 

Was die schöne Stadt Leiden sonst noch zu bieten hat, könnt ihr im Artikel Stadtbummel durch Leiden entdecken.

 

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