Den Auftakt der Weinverkostung machen Verleiding und Gezusters in Rosé und Weiß. Versuchung und Geschwister sind etwas ungewöhnliche Namen für einen Wein, aber auch das Weingut, aus dem sie stammen, ist weit weg von gewöhnlich. Bei Um d’n Olden Smid wächst der Wein nicht auf Südhängen, sondern in der Ebene der Achterhoek. Sozusagen in der hinteren Ecke der Niederlande, nicht weit vom deutschen Bocholt entfernt.

Wein und Niederlande, zwei Begriffe, die man eigentlich nicht in einem Atemzug nennt. Aber der Weinanbau in den Niederlanden ist auf dem Vormarsch oder besser gesagt er kehrt zurück, denn schon in den Zeiten der Römer wurde in den Niederlanden Wein angebaut.

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Eine Weinbaunation ist die Niederlande noch nicht und wird sie vermutlich auch nie werden. Nur 240 Hektar werden bisher mit Weinreben bepflanzt. Zwei Hektar davon gehören zum Weingut Um d’n Olden Smit. Der Autodidakt Jan Jansen hat hier sein Hobby zu seinem Beruf gemacht. Dem biologischen Wein hat er sich verschrieben. Und das ist keine einfache Sache. In den Niederlanden regnet es schon mal gern und Schimmelpilze lieben es feucht. Denen ohne Spritzmittel Herr zu werden ist eine Herausforderung, die neue Ideen und viel Einsatz verlangt.

An Ideen mangelt es dem Weinbauern nicht. Das fängt schon bei der Art der Bepflanzung an. Jan Jansen erzieht seine Reben dazu, dass sie horizontal wachsen und das auf 1,90 m Höhe. Dadurch passen zwar weniger Rebstöcke auf die Fläche, aber der Wind trocknet die Trauben nach einem Regen so viel schneller. Und der Nachtfrost, mit dem man in der Achterhoek im Frühjahr auf alle Fälle noch rechnen muss, kann den Reben in dieser Höhe nicht mehr viel anhaben. „Es erntet sich so auch viel bequemer“, fügt Jan noch schmunzelnd hinzu.

Noch viel mehr Wissenswertes und Interessantes erzählt uns der Weinbauer, während wir durch die Reihen von Rebstöcken gehen. Auch das gehört zum Angebot bei Um d’n Olden Smit. Wie bei vielen der kleinen Weingüter wird die Weinherstellung mit touristischen Angeboten kombiniert. Führungen durch den Weingarten und den Weinkeller mit anschließender Weinprobe ist eines davon. Verschiedene Workshops, Verköstigungen und sogar Übernachtungen im Fremdenzimmer mit Weingarten-Aussicht sind weitere Möglichkeiten.

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Der Himmel öffnet seine Schleusen und trotz Regenschirm wird es recht ungemütlich draußen. Wir verziehen uns unter die Erde in den Weinkeller. Tipp top sauber, ist es hier, zumindest war es das, bevor wir hereinkamen. Regale voller Flaschen der verschiedenen Weine und der köstlichen hausgemachten Liköre stehen hier und warten auf ihren Verkauf im eigenen kleinen Laden.

Obwohl hauptsächlich Rotweine produziert werden, ist im Weinkeller kein Eichenfass zu sehen. Jan erklärt uns auch warum. Die Menge von 4000 Liter im Jahr, die hier höchstens produziert werden, ist schlichtweg zu gering dafür. Außerdem lassen die gebrauchten Rebsorten einen eher leichten Rotwein entstehen zu dem das schwere Aroma, das Eichenfässer dem Wein verleiht, nicht passen würde.

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Die Grootmoeder, die wir bei der anschließenden Weinprobe ausgeschenkt bekommen, ist aber alles andere als leicht. Dunkelrot, ziemlich trocken und mit einem ganz speziellen Aroma kommt dieser Wein daher. Jan Jansen stellt Cuvées her, also Weine, die aus mehreren Traubensorten gemischt werden. Bei der Zusammenstellung ist er so kreativ, wie bei der Namensgebung seiner Weine.

Wenn nach 4 bis 5 Jahren Reifung der Wein zum ersten Mal probiert wird, stellt sich heraus, ob der Versuch geglückt ist oder nicht. Der Geschmack, oder vielleicht besser das Trinkgefühl, gibt dann auch den Ausschlag für den Namen des Weins. Die Großmutter, die mit dem Grootmoeder Wein assoziiert wurde, war vermutlich keine so sanftmütige und liebliche Person.

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Die Familie ist übrigens ein sehr wichtiger Bestandteil des Weinguts, denn jeder muss hier mit Anpacken. Jans Frau Alma ist für den Laden und die Verköstigung der Gäste zuständig und sein Schwager Anton wird hinzugezogen, wenn eine deutschsprachige Gruppe wie wir, einfach alles wissen will. Bei der Weinlese im Herbst ist dann natürlich die ganze Großfamilie mit Freunden und Bekannten gefragt, die auch mit einer Bezahlung in Naturalien zufrieden sind.

Sieben verschiedene Rotweine, einen Rosé und einen Weißwein werden momentan im Weingut Um d’n Olden Smit angeboten. Mein Favorit ist ein Rotwein mit dem schönen Namen Kameraden und ich kann mir sehr gut vorstellen, den in geselliger Kameraden-Runde zu trinken. Der Name passt.

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Reiseinfos

Weingarten Um d’n Olden Smit, Keijenborgseweg 31, Zelhem

Weinproben, Weinverkostungen, Führungen, Workshops und Bed & Breakfast (behindertengerecht)
Verkauf von den eigenen biologischen Weinen und Likören (Frucht und Nuss)

Öffnungszeiten: Am Wochenende von 10 bis 16 Uhr, Werktags auf Anfrage

 

Hinweis: Der Besuch bei Um d'n Olden Smit war Teil einer Pressereise, die vom Niederländischen Büro für Tourismus & Convention und Stichting Achterhoek Toerisme organisiert wurde.

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Kommentare  
#1 Jutta 2014-10-01 21:12
Hatte ich einmal erwähnt, dass es einen Katzensprung von hier - in Winterswijk, also auch im Achterhoek - ebenfalls ein Weingut gibt? Allerdings habe ich den Wein noch nicht probiert. Ich sollte dort einmal Halt machen! Oder ich fahre nach Zelhem : )
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#2 Simone 2014-10-02 08:03
Anscheinend ist die ganze Achterhoek voller Weingüter. Na ja zumindest gibt es einige. Ich dachte immer der niederländische Wein kommt hauptsächlich aus Limburg, aber ich wurde eines besseren belehrt :-)
Wer weiß, vielleicht treffen wir uns in der Achterhoek mal auf ein Glas Wein?
LG Simone
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#3 Rotwein Freund 79 2015-05-14 15:56
Achterhoek ist auf jeden Fall empfehlenswert. Ich war dort schon ein paar mal. Toller Rotwein. =)
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