Es ist schon Mittag, als ich aus dem Zug steige, Sonntagmittag um genau zu sein. Heute folge ich nicht den Massen, die dem Hauptausgang des Bahnhofs zustreben. Es geht nicht in die Innenstadt, zu den berühmten Grachten und den schicken Einkaufsläden. Ich nehme den Hinterausgang. Dort wo es keinen großen Vorplatz gibt, sondern nur eine Straße mit vorbeihuschenden Autos und klingelnden Fahrradfahrern.

Hier findet man keine engen Gassen mit hübschen Häuschen, keine Grachten voller Touristenboote. Ich stehe vor der IJ, der breiten Wasserader, die Amsterdam mit dem Meer verbindet. Weite, Raum und Offenheit um mich herum. Am Horizont Reste der alten Hafenanlagen und zu hippen Wohnungen und Ateliers umgebaute Bürokomplexe. Es ist anders hier hinter dem Bahnhof, einfach ein ganz anderes Amsterdam.

Amsterdam am Wasser

Es herrscht Gedränge auf dem kleinen Pier. Menschen, die auf die Fähre wollen, mischen sich mit denen, die gerade herunterkommen. Zu Fuß, mit dem Fahrrad oder dem Moped. Jeder hat es irgendwie eilig, derweil fährt die Fähre im Minutentakt. Immer hin und her, von einem Ufer zum anderen. Nur, wer weiter Richtung Norden will, muss 20 Minuten warten. Diese Tour spare ich mir aufs nächste Mal auf, heute mache ich nur die kurze Überfahrt.

Einheimische und Touristen stehen neben mir, als es hinüber ans andere Ufer geht. Einen Fahrschein braucht man nicht, denn die Fähren in Amsterdam sind umsonst. Und sie werden auch ausgiebig genutzt, es ist die einfachste und schnellste Möglichkeit, um auf die andere Seite zu kommen. Eine Brücke gibt es in dieser Gegend nicht und der naheliegende IJ-Tunnel ist für Fußgänger und Fahrradfahrer gesperrt.

Fähre für Fußgänger und Radfahrer in Amsterdam

Fähre in Amsterdam bei Übersetzen

Es gibt Grund genug zum Übersetzen. Und wenn es nur einmal die andere Perspektive auf Amsterdam ist. Aber da ist auch noch das Filminstitut Eye direkt am Ufer gegenüber. Ein wahrer Hingucker ist dieser weiße Neubau mit der extravaganten Form, das jetzt das Filmmuseum, Kinosäle und eine sehr beliebte Bar bzw. Restaurant in einer Art Arena beherbergt.

Die Architektin des Wiener Architektenbüro Delugan Meissl, die das 2012 fertiggestellte Eye entworfen haben, vergleicht das Gebäude mit einer Auster: „Außen rauh und innen glänzt durch die Öffnung (= Fensterfront) die Perle (= Arena)!“ Auf eine Auster wäre ich jetzt nicht gekommen, aber vielleicht kommt es ja auch auf die Perspektive an. Beeindruckend und spektakulär ist der Bau aber ganz sicher, und der strahlende Sonnenschein an diesem Sonntagnachmittag, lässt die blendend weiße Fassade des Gebäudes leuchten.

Dahinter, durch einen Bauzaun getrennt, steht der ehemalige Shell-Turm. Inzwischen wird er renoviert und nach jahrelangem Leerstand soll dem ehemaligen Bürogebäude neues Leben eingehaucht werden. Musik, Party und Kreativität sind die Schlagwörter mit dem man das Konzept des zukünftigen A’dam-Turm umschreibt. Es soll Unterdach für einen Club, kreative Studios und ein Hotel bieten und als Krönung gibt es ein sich drehendes Restaurant mit Aussichtsplattform auf dem Dach. Das hört sich auf alle Fälle spannend an. Wir werden sehen, ich halte euch auf dem Laufenden.

Filminstitut Eye in Amsterdam

Das Restaurant im Eye Amsterdam

Das Eye Amsterdam und der zukünftige A'dam Turm

Von rund 80 Meter Höhe kann man zukünftig vom renovierten A’dam-Turm den Sonnenuntergang über Amsterdam genießen. Ganz so hoch, geht es für mich heute nicht hinauf. Ich nehme mit 22 Meter vorlieb und fahre mit dem Aufzug aufs Dach des Science Center Nemo. Man kann auch die Außentreppe nehmen, die gegenüber des Maritime Museum, nach oben führt. Das Dach ist während der Öffnungszeiten des Museums frei zugänglich, eine Eintrittskarte braucht man dafür nicht.

Im Sommer gibt es hier Wasserspiele und es wird gerne gepicknickt. Jetzt im Winter sind die Wasserbecken leer, aber Leute hat es trotzdem genug. Sie genießen die Sonne in einem der Stühle und schauen hinunter auf die Dächer und Türme von Amsterdam. Und nur im Winter hat man die Möglichkeit, den Sonnenuntergang von hier oben zu erleben, im Sommer reichen die Öffnungszeiten dafür nicht aus.

Und so stehe ich jetzt hier auf dem Dach, der Himmel leuchtet golden und die Sonne verschwindet irgendwo dort hinten in den Grachten von Amsterdam. Ich höre alle Sprachen um mich herum, auch Deutsch ist darunter. Ob sie wohl meinen Tipp zum Besuch des Nemo-Daches hier im Nach Holland Blog gelesen haben?

Sicht auf das Sciencecenter Nemo in Amsterdam

Sonnenuntergang über Amsterdam vom Nemo-Dach

 

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Kommentare  
#1 Katharina 2015-02-04 08:38
Ein tolle Ecke, die Du Dir ausgesucht hast. Ich war bei meinem letzten A'dam-Trip dort. Das EYE fasziniert...

LG Katharina
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#2 Eva 2015-02-07 13:02
Die Seite hab ich leider erst an meinen letzten Tag in Amsterdam entdeckt, als ich auf den Zug warten musste. Beim nächsten Amsterdam-Trip wird dieser Seite definitiv ein Besuch abgestattet :)
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