Es gibt Dinge, die hätte ich mir vorher einfach nie vorstellen können. Vermutlich hätte ich nicht einmal verstanden, was ich da vor mir habe, wenn ich es gesehen hätte. Wasserläufe in einem Wald, dazu etwas marode gemauerte Becken und Stahlkonstruktionen, mit denen ich auf den ersten Blick so gar nichts anfangen kann.

Aber wir sind mit Leo van Rijn unterwegs, einem Wasserbauingenieur mit einem Prof. Dr. vor seinem Namen. Er erklärt viel besser und aufschlussreicher als die Hinweisschilder, was wir da vor uns und mit was wir es hier zu tun haben. Der Waterloopbos, der Wald in dem wir unterwegs sind, ist voller Wasserbaumodelle, in denen von 1950 bis 1975 Wasserströmungen und Wellenschlag in Maßstabsmodellen untersucht wurden.

waterloopbos

Egal, ob man sich für Technik interessiert oder nicht, dieser Wald ist einfach faszinierend. Man kann die teilweise leider ruinösen Modelle einfach als schöne Wasserläufe ansehen und sich an der Kombination von Wasser und Wald erfreuen. Aber für mich liegt die Faszination wirklich in der ursprünglichen Funktion dieses Waldes.

Was jetzt nach Natur aussieht, ist eigentlich nichts anderes als eine wohlüberlegte Nutzpflanzung. Denn der Wald wurde nur gepflanzt, um die Strömungsmodelle möglichst windunabhängig nutzen zu können. Nichts wurde hier dem Zufall überlassen. Die Modelle sind maßstabsgerecht nachgebaut, die Wassertiefe und Breite der Durchflüsse genau der Realität nachempfunden.

Die Auswirkungen von Wellen und Strömungen auf die Konstruktionen von Hafenanlagen und Schutzmauern werden mit solchen Strömungsmodellen getestet. Durch Ausprobieren und Annähern wurde so z.B. die Größe und Anzahl der Betonquader festgelegt, die man zur Befestigung von Kaimauern an bestimmten Stellen benötigt.

Ich stehe vor dem Modell für das Auffangen des Kühlwassers eines Kraftwerks, dass auf der Maasvlakte bei Hoek van Holland in den 70er Jahren errichtet wurde. Zugegeben, ohne Hinweisschild, ist das keineswegs erkennbar. In diesem Modell wurde die richtige Größe und Tiefe der Kühlwasserkanäle untersucht, wichtig unter anderem für Fließgeschwindigkeiten und Ablagerungen. Aber nicht nur niederländische Anlagen wurden im Waterloopbos getestet, auch Situationen der Häfen in Bangkok und Beirut wurden hier simuliert und Lösungen erarbeitet.

waterloopbos fuehrungLeo van Rijn führt uns durch den Waterloopbos

waterloopbos massstabsmodell3

Heutzutage wird Vieles mit Computersimulationen berechnet, aber bei Großprojekten wird immer noch auf Maßstabsmodelle zurückgegriffen, verrät uns Leo van Rijn. Diese seien auch in Zeiten von Hochleistungsrechnern immer noch genauer und auch günstiger.

Nur in einem Wald findet man diese Modelle heutzutage nicht mehr. Heute werden die Simulationen in großen Hallen unter sehr kontrollierten Bedingungen durchgeführt, auch riesige Becken zur Wellensimulation gibt es dort.

Das Becken, das im Waterloopbos früher zum Erzeugen von Wellen genutzt wurde, ist leider nicht mehr funktionsfähig. Aber es wird über eine Restaurierung der Wellenmaschine und auch einiger anderer Maßstabsmodelle nachgedacht. Hoffentlich fällt dieses Vorhaben nicht irgendwelchen Sparmaßnahmen zum Opfer. Es wäre wirklich sehr schade, wenn der Waterloopbos seine erlebbare Technikgeschichte verlieren würde.

waterloopbos massstabsmodell2Massstabsmodell im Waterloopbos

waterloopbos wellenmaschineAusrangierte Wellenmaschine im Waterloopbos

 

Reiseinfos

Waterloopbos
Informationszentrum: Voorsterweg 36, Marknesse (zwischen Zwolle und Emmeloord)
Öffnungszeiten: Mittwoch, Freitag, Samstag von 13.30 - 16.30 Uhr, Sonntag 11 – 16.30 Uhr
Parkplatz vorhanden.

Der Wald kann aber selbstverständlich jederzeit besucht und erwandert werden, einige Routen sind ausgeschildert. Die 3.4 km lange Hafenroute kann man sich hier kostenlos herunterladen.

 

Hinweis: Den Waterloopbos besuchte ich im Zuge einer Pressereise, organisiert von Toerisme Flevoland und dem Niederländischen Büro für Tourismus & Convention.

 waterloopbos wegweiserWanderrouten im Waterloopbos

waterloopbos massstabsmodellMassstabsmodell des Auffangbeckens Kühlwasser Kraftzentrale

 

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