Ein Reisebericht von Gastbloggerin Sinann Kapfinger

Sinann verbrachte im Mai, zusammen mit ihrem Mann, eine Woche in Holland. In dieser Woche wollten die beiden möglichst viel sehen und erleben, aber natürlich ganz ohne Stress. Und ich meine, das ist ihnen sehr gut gelungen!

Aber lest selbst, Sinann hat für uns einen ausführlichen Reisebericht von ihrem Holland-Urlaub verfasst und tolle Fotos mitgebracht.

boote strand katwijkBoote am Strand von Katwijk

Tag 1: Von München nach Enkhuizen

Nach kurzen Startverzögerungen in München landen wir zur Mittagszeit pünktlich in Schiphol Airport. Es fühlt sich an wie ein Nachhausekommen. Zunächst gönnen wir uns den obligatorischen Whopper, danach laden wir ein, für die ersten Tage ausreichendes Budget, auf unsere OV-Chipkaarts. Wir werden, wie auch schon in den beiden vergangenen Jahren, auf einen Mietwagen verzichten und alle Strecken mit öffentlichen Verkehrsmitteln zurücklegen. In den Niederlanden ist dies nicht nur äußerst unkompliziert (man muss im Grunde bloß wissen, wo man ist und wo man hin möchte, alles andere findet sich auf www.9292.nl), es macht auch sehr viel Spaß. Freilich muss man etwas Zeit einplanen, aber wer im Urlaub keine Zeit hat, macht wohl irgendetwas falsch.

So besteigen wir gut gelaunt den Zug nach Hoorn, wo wir nach einem kurzen Umstieg weiterfahren nach Enkhuizen, unserem Ziel für die ersten beiden Nächte. Wir genießen den Blick auf die ersten Kanäle und die sich immer weiter öffnende Landidylle entlang der Fahrtstrecke. Die Sonne scheint zwischen leichter Bewölkung immer mal durch und so freuen wir uns auf entspannte Urlaubstage.

Am Endbahnhof in Enkhuizen - direkt am Hafen - angekommen wartet auch schon der kleine Buurtbus, der uns ganz in der Nähe unseres Bed & Breakfasts aussteigen lässt. Unsere Gastgeberin Debby begrüßt uns sehr herzlich und zeigt uns alle Räume ihres Domizils. Wir beziehen ein wunderschönes Zimmer, modern und nagelneu, mit einem ganz tollen Bett. Dazu einen Frühstücksraum im Wintergarten und herrliche Ruhe, da das B&B nicht direkt im Zentrum, sondern an einer malerischen Gracht und in minimalem Laufabstand zu allen wichtigen Orten der Stadt liegt. (Meine absolute Übernachtungs-Empfehlung: B&B Aan de Veste.)

enkhuizen hafenAm Hafen in Enkhuizen

enkhuizen grachtTolle Spiegelung in einer Gracht

Wir machen uns kurz frisch und starten dann unseren ersten Spaziergang ins Zentrum. Schlendern entlang einiger schöner Grachten, durch enge Gässchen, über kleine Brücken, und freuen uns, dass uns die Einheimischen äußerst freundlich grüßen. Überhaupt sind wir jedes Mal aufs Neue von der Freundlichkeit und dem Optimismus, den die Leute ausstrahlen, sehr begeistert. Und da wir uns bemühen, ebenso freundlich, offen und auf Holländisch zurückzugrüßen, finden wir uns immer wieder sehr schnell in äußerst netten Gesprächen wieder.

Enkhuizen ist eine tolle kleine Hafenstadt. Es ist Mai und noch nicht so sehr viel los, so dass wir vor allem die Ruhe und das Flair genießen. Unter Anderem besuchen wir gleich heute das winzige Flaschenschiffmuseum, das - weltweit einzigartig - auf kleinem Raum im alten Schleusenhäuschen weit mehr als tausend verschiedenster Buddelschiffe zeigt. Nach einem laaaangen Spaziergang und einem wundervollen Abendessen im urigen Bruin Cafe t’Ankertje direkt gegenüber des Drommedaris’ (selten habe ich einen so guten Thunfisch gegessen, auf einer Art Algensalat) fallen wir - auch dank eines brillianten Bieres aus einer kleinen lokalen Brauerei - müde und glücklich irgendwann in unser Bett.

Drommedaris von EnkhuizenDas Drommedaris von Enkhuizen, ein ehemaliges Wehrtor, versteckt sich hinter den Bäumen

 

Tag 2: Das historische Dreieck

Für den heutigen Tag hatte ich im Vorfeld mehrere Ausflugsmöglichkeiten ausgesucht, unter anderem zur Gemüseversteigerung in Broek op Langedijk und nach Alkmaar. Wir entschließen uns aber, in der Region zu bleiben, und so buchen wir im Tourist-Office am Hafen zwei Tickets für das sogenannte historische Dreieck Enkhuizen - Medemblik - Hoorn (www.stoomtram.nl).

Nach einem wundervollen Frühstück mit allem drum und dran (unter anderem frische Erdbeeren) haben wir noch etwas Zeit, und so schlendern wir durch den wunderschönen idyllischen Snouck van Loosenpark, gegenüber des Bahnhofs und des Hafens. Dank einer Tafel am Eingang erfahren wir, dass der Park Teil eines der ersten Sozialwohnungsprojekte der Niederlande ist und durch das Erbe seiner Namensgeberin finanziert wurde. Anschließend entern wir gut gelaunt das alte Dampfschiff MS Friesland, das im Hafen bereits rauchend und qualmend wartet. Wir schippern über das ruhige IJsselmeer, begegnen einigen alten Kähnen, auf denen zumeist Jugendgruppen auf Klassenfahrten unterwegs sind, und genießen die Weite des “Meers” und die wunderschöne Wolkenstimmung am Horizont.

Nach einer guten Stunde erreichen wir das Ziel unserer Schiffstour, das kleine Hafenstädtchen Medemblik. Wir machen einen Spaziergang durch die schmalen Straßen und genießen das Flair der alten Stadt. Wie so viele Städtchen am IJsselmeer bietet auch Medemblik alte Kapitänshäuschen und etliche Überbleibsel vom ehemaligen Reichtum der Seefahrer-Region. So lassen wir uns treiben und verweilen schließlich auf einer Bank gegenüber des Kastells Radboud, wo wir in aller Ruhe etwas trinken und einfach die Stimmung in uns aufnehmen.

ijsselmeerUnterwegs auf dem IJsselmeer

Nach 1 ½ Stunden Aufenthalt geht es weiter. An der Anlegestelle des Dampfschiffs befindet sich zugleich der alte Bahnhof Medembliks, und hier wartet auf uns der historische Dampfzug der Eisenbahnfreunde Hoorn. Es sind überwiegend ältere und wahnsinnig freundliche Herren, die ihre Leidenschaft am Leben erhalten - alles auf ehrenamtlicher Basis, wie so vieles in den Niederlanden. So starten wir mit viel Rauch und lauter Signalhupe in Richtung Hoorn. Vorbei an Windmühlen, weiten Feldern, auf denen noch einige Tulpen und Pfingstrosen zu sehen sind, neugierig beäugt von etlichen Kühen an kleinen Kanälen, freudig winkenden Menschen auf ihren Fahrrädern - Holland pur.

Der gesamte Zug ist während der Fahrt frei begehbar und so bestaunen wir auch die Lokomotive und die schwarz gefärbten Männer, die immer wieder neu einheizen. Nach einem kurzen Zwischenhalt in Wognum erreichen wir nach gut 1 ½ Stunden unseren Zielbahnhof Hoorn. Hier endet unsere Ausflugstour und man kann noch den alten historischen Bahnhof und die entsprechende Ausstellung des Eisenbahnervereins besichtigen.

Wir machen uns zu Fuß auf ins nahe Zentrum von Hoorn. Auch hier in der alten Hafenstadt, dem Startpunkt vieler Seefahrer wie Willem Schouten, der als erster die Südspitze Südamerikas umsegelte und sie nach seiner Heimatstadt Hoorn benannte, zählt mehr das Flair und die Stimmung als vermeintlich spektakuläre Sehenswürdigkeiten. Wir schlendern vorbei an der Waag, dem tollen Gebäude, in dem das Westfries Museum untergebracht ist, und zum Hoofdtoren, wo wir erneut den wunderschönen Blick aufs IJsselmeer und einfach nur das Ambiente genießen. Anschließend, es wird schon bald Abend, ergattern wir auf halber Strecke zurück zum Bahnhof einen freien Tisch in der kleinen unscheinbaren Brasserie De Tuynkamer und verspeisen einen wunderbar frischen Salat mit herrlich gegrilltem Hühnchen und einem ganz tollen Paprikadressing, sowie ein sensationelles Steaksandwich. Alles - wie in vielen kleinen Cafés in den Niederlanden - superfrisch und aus regionaler biologischer Herkunft.

Nach kurzer Zugfahrt zurück in Enkhuizen lassen wir uns am Hafen nieder und genießen mit einem Glas Wein die Abendstimmung. Die Skipper vertauen ihre Boote, das Carillon der Zuiderkerk spielt immer wieder schöne Melodien, und so lassen wir äußerst entspannt den Tag ausklingen.

dampfzugMit dem historischen Dampfzug geht es von Medemblik nach Hoorn

 

Tag 3: Von Noord- nach Zuidholland, vom IJsselmeer an die Noordzee, von Enkhuizen nach Katwijk aan Zee

Auch heute genießen wir wieder ein herausragendes Frühstück in “unserem” Wintergarten und plaudern mit unserer Gastgeberin Debby über unseren gestrigen Tag und unseren weiteren Pläne. Leider müssen wir heute schon wieder abreisen, was wir sehr bedauern. Enkhuizen und die Region hat noch so viel mehr zu bieten, und so ist es keine leere Floskel, wenn wir mit Debby verabreden, bald mal wiederzukommen.

Der kleine 438er Buurtbus chauffiert uns zum Bahnhof, und nach einem letzten Blick über Hafen, Hafenpromenade und IJsselmeer besteigen wir den Intercity Richtung Süden. Nach einem Umstieg in Amsterdam Sloterdijk erreichen wir am späten Vormittag die schöne Universitätsstadt Leiden. Da wir noch ein wenig Zeit haben (wir hatten mit unserer Gastgeberin unseres zweiten Quartiers Ankunft gegen 14 Uhr vereinbart), sperren wir unser Gepäck am Bahnhof Leiden Centraal in ein Schließfach und spazieren ein paar Schritte Richtung Innenstadt. Leiden kennen wir noch sehr gut von unserem Urlaub 2015 und so wissen wir auch, dass es im Oudt Leyden die leckersten Pannenkoeken der Stadt gibt. Auf riesengroßen Tellern in Delfter Blau serviert, gönnen wir uns gemeinsam einen genialen herzhaften Pfannenkuchen mit Speck, Käse, Champignons und Zwiebeln. Anschließend schlendern wir zurück zum Bahnhof und warten am Bahnhofsvorplatz auf den nächsten Bus nach Katwijk aan Zee.

 

In Katwijk waren wir bereits mehrere Male. Das ehemalige Fischerdorf ist heute ein schönes Strandbad, das sich aber im Gegensatz zu nahezu allen anderen Orten direkt am Meer seine Ruhe und ein kleines bisschen Idylle behalten hat. Bausünden und Betonbunker wie in Noordwijk, Zandvoort und anderen Seebädern sucht man zum Glück hier vergeblich. Entlang des ca. zwei Kilometer langen Boulevards reihen sich viele kleine, maximal zweistöckige Häuser und es gibt ein schönes Zentrum mit vielen kleinen Läden und Restaurants. Katwijk ist für uns ideal, da man von hier als Ausgangspunkt viele Ausflugsziele ganz bequem erreichen kann. Außerdem liegt am Südrand des Boulevard beginnend ein riesiges Dünenreservat, das sich über 12 Kilometer bis nach Scheveningen erstreckt und eine Radltour fast unumgänglich macht.

katwijkAussicht auf Katwijk und die Dünen

Es ist auch dieses Mal wieder wie ein Nachhausekommen, vor allem in dem Moment, da der Bus kurz vor der Zielhaltestelle um die Ecke auf den Boulevard biegt und sich der Blick über die Nordsee öffnet. Bei unserem letzten Aufenthalt im Frühling 2015 war der neue Boulevard und die Dünenanlagen als Küstenschutz zwischen Meer und Stadt gerade eben fertig gestellt worden. Heute ist alles eingewachsen und es lässt sich nur noch erahnen, wie es hier früher einmal ausgesehen hat. Auch in unserem Bed & Breakfast waren wir schon für mehrere Nächte und so freut sich unsere Gastgeberin Lida sehr über das Wiedersehen. Wir beziehen unser Zimmer im ersten Stock des kleinen Reihenhäuschens, mit Balkon und seitlichem Blick auf die Nordsee. Es liegt direkt am Andreasplein, wenige Schritte vom Boulevard, vom Meer und nur wenige mehr vom Zentrum entfernt.

 

Wir beschließen heute keine großen Fahrten mehr zu unternehmen und starten stattdessen zu einem ersten Spaziergang Richtung Strand und Nordsee. Auch in Katwijk ist zu dieser Jahreszeit noch nicht allzu viel los. Wir nehmen die salzige Luft, die ständig wehende Brise, die die Sonne sehr angenehm macht, das Plätschern der Wellen und den Sand unter den Füßen in uns auf. Und so werden aus dem geplanten kurzen Strandspaziergang, mehrere Stunden der Entspannung und einige Kilometer entlang des Meeres und durch die Dünenlandschaft. Zu unserer Überraschung und Freude - nachdem wir wieder am Boulevard angekommen sind – hat der alte Leuchtturm noch geöffnet, was in der Vorsaison meistens nicht der Fall ist. Und so steigen wir zum ersten Mal durch das hölzerne Treppenhaus nach oben und genießen anschließend einen wunderschönen Blick über die Stadt, den Strand, die Dünen und die Nordsee.

Den Abend lassen wir direkt am Strand auf der Terrasse des Pavillons Het Strand ausklingen. Die Sonne verschwindet ganz langsam und bietet ein wunderschönes Farben- und Wolkenspiel. So schmeckt das Glas Wein doppelt so gut.

 strand katwijkUnd ab geht es ans Meer für einen langen Strandspaziergang...

katwijk abendstimmung... bis die Sonne langsam sinkt und Katwijk in goldenes Licht taucht

Text und Fotos: Sinann Kapfinger

 

Die Reise von Sinann und ihrem Mann ist noch nicht zu Ende. Weiter geht es mit Teil 2: Mühlen, Baukunst und eine Schaukel.

 

 

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Kommentare  

#1 Johannes Hofmeister 2017-08-01 19:31
In Enkhuizen ist vor allem auch das Zuiderzeemuseum empfehlenswert. Dafür sollte man sich auch ausreichend Zeit nehmen, da es aus einem ausgedehnten Freilichtmuseum und einem zusätzlichen Binnenmuseum besteht. Hierbei steht die Zeit im Mittelpunkt, als die Zuiderzee noch eine offene, häufiger von Sturmfluten heimgesuchte Meeresbucht und die Bevölkerung sehr arm war.

Medemblik ist auch ein nettes Städtchen, dass sich für mich allerdings dadurch auszeichnet, dass dort das Lelygemaal steht: Das Pumpwerk, dass den Wieringermeerpolder als ersten Polder der Zuiderzeewerke entwässert hat.

Ich muss allerdings sagen, dass ich kein Fan vom Bahnfahren in den Niederlanden bin, auch wenn ich es schon einige Male gemacht habe. Das liegt aber nicht an den Bahnen (die dort anscheinend fast immer pünktlich sind, was in Deutschland leider weniger der Fall zu sein scheint), sondern an meiner bevorzugten Art, die Niederlande zu bereisen. Ich fahre in der Regel "große Runden" mit mehreren Zwischenhalten, häufig an Orten, die mit öffentlichen Verkehrsmitteln schlecht zu erreichen sind. Daher ist für mich das Auto das Verkehrsmittel der Wahl.
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#2 Simone 2017-08-01 20:40
Das Zuiderzee in Enkhuizen muss wirklich toll sein. Leider konnte ich bisher nur einmal ganz kurz einen Blick reinwerfen. Aber steht auf alle Fälle auf meiner to-do-Liste für demnächst :-)
Gruß Simone
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#3 Sinann 2017-08-04 09:42
Hi Simone, nochmals vielen Dank für deine Mühe und Geduld :-)

Das Zuiderzee Museum ist toll, aber wir wollten diese Mal etwas mehr von der Gegend sehen und hatten bloß den einen vollen Tag zur Verfügung. Beim nächsten Mal wieder...
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