Die Sonne lacht von einem strahlend blauen Himmel. Wie bestellt an diesem Nationale Tulpendag. Dass das Thermometer nur wenige Millimeter über die Null-Grad-Marke steigt, ist nicht so ungewöhnlich. Schließlich ist es noch tiefster Winter an diesem Samstag im Januar. 

Der Tulpentag macht zwar noch keinen Frühling, aber ein bisschen fühlt es sich zwischen der bunten Tulpenpracht so an. Mitten im Stadtzentrum von Amsterdam, auf dem Platz vor dem Königspalast, haben die Tulpenzüchter am Morgen einen riesigen Tulpengarten aufgebaut. Heute ist es soweit, die Tulpensaison 2019 beginnt.

start tulpensaison - tulpentagEin Meer aus Tulpen am Nationalen Tulpentag in Amsterdam

Nationaler Tulpentag

Kurz nach 13 Uhr startet der Countdown. Etwas Tamtam, etwas sprühendes Feuerwerk und die Tulpensaison ist offiziell eröffnet. Der für die Besucher beliebteste Part beginnt jetzt. Der Tulpengarten wird freigegeben und die 200.000 bereitstehenden Tulpen dürfen gepflückt werden. Ohne einen Cent zu bezahlen, können die zahlreichen Einheimischen und Touristen bis zu 20 Tulpen in die ausgeteilten Papiertüten packen.

In langen Reihen vor dem Eingang warten rund 15.000 Besucher an diesem Nachmittag geduldig, bis sie ins Blumenfeld vorgelassen werden. Es gibt überraschend wenig Gedränge und Schubserei für diesen Andrang. Und auch im Blumenfeld selbst geht es angenehm gesittet zu, stelle ich fest.

Wer jetzt denkt, mit der Eröffnung der Tulpensaison blühen auch die Tulpen in Holland, liegt nicht so ganz richtig. Der Frühling ist auch in Holland nicht schneller. Bis zur Tulpenblüte auf den Feldern im Freien dauert es noch einige Wochen. Bis Ende März / Anfang April müsst ihr noch warten, um die Blütenpracht genießen zu können.   

Tulpen gibt es aber dennoch. Mit dem Nationalen Tulpentag wird offiziell der Verkauf von Schnitt-Tulpen für die Blumenvase zuhause gestartet. Diese Tulpen wachsen jedoch nicht auf den Feldern im Freien, sondern unter gläsernen Dächern im Gewächshaus.

tulpentag tulpenfeldNoch ist das große Tulpenfeld nicht zum Pflücken freigegeben

tulpentag tulpenköniginDie Tulpenkönigin posiert noch vor den Kameras...

tulpentag besucherandrang...und die Besucher warten noch geduldig

tulpentag,eröffnung tulpensaisonAber dann - die Tulpensaison ist offiziell eröffnet und der Pflückgarten freigegeben

tulpentag pflückenEinheimische und Touristen kommen zum Tulpenpflücken

tulpentag familieAuch die jungen Tulpenfreunde sind begeistert bei der Sache

Tulpen unter Glas

Die Gewächshäuser, in denen die Tulpen wachsen, findet man in großer Zahl im Bollenstreek. Dem Gebiet südlich von Amsterdam beim berühmten Keukenhof, wo im Frühling auch die Tulpen auf den Feldern blühen. Während es auf den Tulpenfeldern um die Tulpenzwiebel geht, werden in den Gewächshäusern die Zwiebeln in Tulpen für die Vase verwandelt.

Wie das so in der Praxis vor sich geht, schauen wir uns heute in der Tulpenzüchterei von Jan van der Slot an. Hier zwischen dem bekannten Frühlingspark Keukenhof und dem Strandort Noordwijk, reihen sich die Tulpenfelder aneinander. Noch sind sie mit Stroh bedeckt und Braun. Erstes Grün oder sogar etwas Farbe ist dort noch nicht zu erkennen.

Ganz anders sieht es im großen Gewächshaus aus. Tausende Tulpen stehen hier dicht an dicht. Unter kontrollierten Bedingungen werden hier Winter und Frühling simuliert, damit die Tulpen das machen, was sie sollen. Wachsen und gedeihen.

tulpensaison, gewächshaus tulpenIm Gewächshaus blühen die Tulpen auch schon im Januar

Von der Zwiebel zur Tulpe

Mit der Tulpenzwiebel fängt alles an. Groß und kräftig muss sie sein, damit aus ihr auch eine kräftige hohe Tulpe für die Vase wachsen kann. Um dies zu erreichen, hat man die Zwiebel schon mehrfach im Freien auf die Felder gepflanzt. Dort wird auf die Tulpenblüte kein Wert gelegt. Die Zwiebel soll sich vermehren und ordentlich wachsen, mehr nicht. Erst wenn sie nach einigen Jahren die perfekte Größe erreicht hat, lässt man daraus eine Tulpe für den Verkauf als Schnittblume wachsen.

Tulpenzwiebeln mögen es kalt, die Kisten in der Kühlhalle von Jans Tulpenzüchterei stapeln sich Meterhoch. Namen, wie Antarktica, Ferrari oder auch INXS  an den Kisten geben an, von welcher Sorte Tulpe die Zwiebel stammt. Bei nur wenigen Grad über Null bleiben die Tulpenzwiebeln rund 14 Wochen in der Kälte, bis ein kleiner hellgrüner Keim austreibt. Dann wird es Zeit für die „Pflanzung“.

Erde braucht eine Tulpe im Gewächshaus jedoch nicht unbedingt. Wasser mit etwas Nährstoffen reicht ihr aus, um zu wachsen. In Kunststoffkisten werden die Tulpenzwiebeln aufgereiht und gewässert, dann geht es für weitere zwei Wochen zurück in die Kühlhalle. Solange dauert es nämlich bis die Zwiebel Wurzeln bildet. Erst dann wird es Frühling für die Tulpen und sie kommen ins 16 Grad warme Gewächshaus.

tulpensaison tulpenzwiebelnDie 14 Wochen sind beinahe um, die ersten Keime sind schon zu erkennen

tulpenzwiebeln steckenDie Mitarbeiterinnen stecken die Zwiebeln dann sorgfältig auf die Halterungen in den Kisten

tulpensaison kühlhausDann geht es für die Tulpen noch einmal in die Kälte

tulpenzwiebel wurzelnHaben sie dann genug Wurzeln bekommen, kann der Gewächshaus-Frühling beginnen

Es grünt so grün

Unter dem großen Glasdach erwartet uns ein Meer von Grün. Tulpen in verschiedenen Größen, soweit das Auge reicht. Vollautomatisiert werden die Kisten mit den Tulpen von einer Seite zur anderen transportiert. Rund drei Wochen dauert diese Reise der Tulpe durch das große Gewächshaus, dann ist die Zeit für die „Ernte“ gekommen.

Die Blüte ist jetzt zwar noch geschlossen, aber sie zeigt schon etwas Farbe. Der perfekte Zeitpunkt für den Schnitt. Mitsamt der Zwiebel geht es auf einem Förderband in die Maschine, die die Tulpe auf die richtige Länge schneidet und zu einem Bund mit zehn Tulpen bindet.

Die abgeschnittene Zwiebel hat ihre Arbeit jetzt getan. Ihre ganze Kraft hat sie in die Tulpe gesteckt, noch einmal wird sie nicht gepflanzt. Aber ganz unnütz endet ihr Leben nicht. Die Schafe, die die ausgebrauchten Tulpenzwiebeln zum Fressen bekommen, freuen sich über die Delikatesse.

Beim Einpacken des Tulpenbündels in Papier kommt  in der Tulpenzüchterei Van der Slot wieder der menschliche Faktor ins Spiel. Eine letzte Kontrolle und ein eventuell korrigierender Handgriff sorgen dabei für den perfekten Bund Tulpen. Und ja, dass das klappt kann ich bestätigen. Die Tulpen, die mir Jan van der Slot zum Abschied überreicht, machen sich prächtig in meiner heimischen Vase.

tulpensaison, tulpenzuchtTulpen so weit das Auge reicht

tulpensaison, gewächshausVorne die Neuankömmlinge, ganz hinten sind die Tulpen schon groß und fertig für den Schnitt

tulpensaison ernteErntezeit!

tulpensaison maschineMitsamt der Tulpenzwiebel geht es in die Maschine

tulpensaison bindemaschine... fertig geschnitten und gebündelt kommen die Tulpen wieder heraus

tulpensaison bindenNoch eine letzte Kontrolle und ein letzter Handgriff, dann sind sie fertig für den Verkauf

tulpensaison straussUnd zwei Tage später entfalten sie dann in meinem Wohnzimmer ihre ganze Pracht

 

Reiseinfos und Tipps

Nationale Tulpendag

Der Tulpentag findet jährlich am 2. oder 3. Samstag im Januar statt. In diesem Jahr war es der 19. Januar 2019. Der Ort des Geschehens ist der Dam, der Platz vor dem Königspalast in Amsterdam.
Nach der offiziellen Eröffnung der Tulpensaison, wird um 13 Uhr der Tulpengarten für das Publikum freigegeben und es darf gepflückt werden. Bis zu 20 Tulpen gibt es für jeden kostenlos.

 

Tulpenmuseum Amsterdam

Wer etwas über die Herkunft der Tulpe und ihre Geschichte in Holland erfahren möchte, kann im Tulpenmuseum Amsterdam eine interessante kleine Ausstellung besuchen. Die Texte bzw. der Info-Film ist auf Niederländisch und Englisch, einen kleinen Prospekt mit kompakten Infos auf Deutsch bekommt man an der Kasse.
Der Museumsbereich befindet sich hauptsächlich im Untergeschoss. Oben gibt es einen Verkaufsraum mit einer schönen Auswahl an besonderen Tulpenzwiebeln und Amaryllis. Natürlich gibt es auch eine große Auswahl an Souvenirs.
(Da bei meinem Besuch leider der Strom ausfiel und Dunkelheit herrschte, bleibe ich euch Fotos vom Museumsbereich selbst schuldig.)

Adresse: Prinsengracht 116, Amsterdam
Öffnungszeiten: täglich 10 - 18 Uhr
Eintritt: 5,- Euro (Verkaufsraum ist gratis zugänglich)

 

Tulpen-Infos

 Viele weitere Infos zur Tulpenblüte in Holland findet ihr hier auf Nach-Holland.de unter:

Artikel von meinem Besuch im berühmten Tulpen-Park Keukenhof und dem Blumenkorso findet ihr unter:

 

tulpenmuseum amsterdamDas Tulpenmuseum an der Prinsengracht in Amsterdam

 

Hinweis: Den Tulpentag und die Tulpenzüchterei besuchte ich im Zuge einer Pressereise, auf Einladung des Niederländischen Büros für Tourismus und Convention NBTC. Ein herzliches Dankeschön an Jan van der Slot und alle Beteiligten für die interessante Führung und für die wunderschönen Tulpen, an denen ich über eine Woche große Freude hatte.

 

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