Blaubeeren, Spargel, Wein und sogar Büffelmozzarella. Produkte hier aus der Region, die direkt ab Hof angeboten werden und die wir im Osten der Niederlande nicht unbedingt erwartet hätten. Ungewöhnliche Leckereien sind aber nicht das einzige, was wir auf unserer Reise entdecken, es gibt auch sehr viel Schönes.

Denn wer ins Tal der Vechte fährt, möchte vor allem eines – die Natur genießen. Mit dem Boot auf dem Wasser, beim Radfahren und beim Wandern im Grünen. Und all das steht natürlich auch auf unserem Reiseplan.

VechtdalNatur pur im schönen Vechtdal

Seinen Ursprung hat die Vechte im deutschen Münsterland. Bei Laar in der Grafschaft Bad Bentheim überquert der Fluss dann die Grenze und verliert dabei das E am Ende seines Namens. Als Vecht schlängelt sich der Fluss dann durch die Provinz Overijssel bis nach Zwolle, wo er sich mit dem Fluss Zwarte Water vereinigt und kurz darauf im IJsselmeer mündet.

 

Mit dem Boot auf der Vechte – das wäre schön

Wenn man ein Flusstal erkundet, ist eine Fahrt auf dem Fluss natürlich ein Muss. Auch für uns und so haben wir uns eine wunderbar leise Elektro-Schaluppe gemietet. Pünktlich stehen wir an der Anlegestelle in Ommen, wo die Boote in Reih und Glied auf Kunden warten. 

Pünktlich ist aber auch der Regen, der jetzt in Strömen vom Himmel fällt. Die Boote gleichen eher Badewannen und auch das Dach, das einige Schaluppen haben, kann keine trockene Fahrt mehr bieten.

Wir zweifeln lange. Zu gerne hätten wir die Natur vom Wasser aus erkundet. Aber angekündigter Dauerregen für die nächsten Stunden und ein Einheitsgrau über dem Fluss bringt uns dann von unseren Plänen ab. Da hilft auch keine Regenkleidung mehr und an fotografieren ist nicht zu denken. Aber aufgeschoben ist nicht aufgehoben, schon ein Grund noch einmal ins Vechtdal zu reisen. 

vechtdal schaluppenBei heftigem Dauerregen hilft leider auch das Dach nicht mehr

vechtdal, fluss im regenKunst an der verregneten Vechte

Als Alternative drehen wir, fest in unsere Regenjacken gehüllt, eine Runde durchs Städtchen Ommen. Kunst entdecken wir auf unserem Spaziergang, dazu einige nette Läden und unzählige Straßencafés. Richtig gemütlich ist es bei dem Regen aber nicht. Es ist schon 17 Uhr vorbei, die Läden schließen nach und nach ihre Türen und die Caféterrassen sind eher feucht als gemütlich.

Etwas früher als geplant machen wir uns auf Richtung Vilsteren. Das hübsche Dörfchen liegt rund um das gleichnamige Landgut mit seinem herrschaftlichen Wohnhaus im Neo-Renaissance-Stil. Besichtigen kann man das Haus leider nicht, es wird immer noch privat bewohnt. Teile des umgebenden Landguts mit viel Wald und Natur sind aber zugänglich und sollen ideal für schöne Spaziergänge sein.

Uns treibt es jedoch ins Trockene. Gleich nebenan, in der Herberg de Klomp, haben wir einen Tisch fürs Abendessen reserviert. Produkte aus der Region werden hier in köstliche Menüs verwandelt. Mehr verrate ich jetzt aber noch nicht. In Kürze berichte ich euch darüber noch etwas ausführlicher in einem eigenen Artikel mit Tipps zum Essen und Übernachten im Vechtdal.

vechtdal, ommen zentrumSchöne Ausblicke im Zentrum von Ommen  

Hofladen-Tour mit dem Fahrrad

Ob es am sorgfältig ausgegessen Teller vom Vorabend liegt oder Petrus ein Einsehen hat, weiß ich nicht. Aber nach anfänglichem Regen am Morgen kommt an unserem zweiten Tag tatsächlich die Sonne durch. Ich kann euch jetzt schon verraten, ganz ohne Regenschauer kommen wir auch heute nicht durch den Tag, aber das tut unserer Radtour keinerlei Abbruch.

„Heerlijk Hardenberg“, nennt sich die Radtour, die wir uns ausgesucht haben. Wir wollen aber nicht nur die herrliche Landschaft hier im Vechtdal rund um das Städtchen Hardenberg erkunden, auch der Besuch einiger Hofläden auf unserer Strecke steht auf dem Programm.

vechtdal radtourAuf Regen folgt Sonnenschein

vechtdal radtour wegGroße Bäume säumen die schmalen Wege

Bis zum ersten Laden müssen wir gar nicht weit radeln. Diffelen, wo sich der Spargelbauernhof Het Nijenhuis befindet, ist praktisch um die Ecke. Viel los ist dort heute Vormittag nicht. Kein Wunder, die Spargelzeit ist natürlich schon längst vorbei. Während der Spargelsaison ist das ganz anders, erzählt uns Jan Nijhuis, da stehen die Kunden oft in langen Reihen auf dem Hof, um ein paar Pfund vom frischen Spargel zu ergattern.

In Limburg gibt es Spargel an jeder Ecke, hier im Vechtdal wird er, trotz gutem Sandboden, eher selten angebaut. Jan Nijhuis war vor einigen Jahren der Erste, der die traditionelle Landwirtschaft gegen den Spargelanbau getauscht hat. Inzwischen sind auch noch Felder mit Erdbeeren dazugekommen, die er ebenfalls direkt in seinem Hofladen verkauft.

Noch viele andere Leckereien entdecken wir dort in den Regalen. Produkte aus Jans Spargel- und Erdbeerernte und auch von anderen Bauern in der direkten Umgebung. Sogar den passenden Weißwein zum Spargel hat er im Angebot und auch der stammt von einem Weingut in der Umgebung.

Das ein oder andere kann man sich auch in einen Picknickkorb packen lassen und mitnehmen zu einem hübschen Plätzchen am Fluss gleich gegenüber. Tische und Bänke stehen hier neben den Wildblumen und an einem kleinen Anlegeplatz liegt ein Boot bereit für eine Tour auf der Vechte.

vechtdal hofladen het nijenhuisEine große Auswahl an regionalen Produkten finden wir im Hofladen 't Nijenhuis

vechtdal nijhuisHausherr Jan kann über alle Produkte im Laden Auskunft geben

vechtdal anlegestegWer will, kann auch mit dem Boot zum Spargel kaufen kommen 

Beeren und Büffel

Wir wollen heute aber noch etwas Radeln und das Grün und die Ruhe genießen. Zahlreiche Alleen mit mächtigen Eichen links und rechts säumen unseren weiteren Weg. Kühe grasen auf saftigen Wiesen und ab und zu glitzert ein Gewässer zwischen dem Grün hervor.

Noch weitere Hofläden entdecken wir auf unserer Tour. Da wäre zum Beispiel der Bessentuin, ein Beerengarten, der zum Selbstpflücken einlädt. Stachelbeeren, Brombeeren und Himbeeren wachsen hier. Und es gibt große Sträucher voller Blaubeeren, die nur entfernt etwas mit diesen niedrigen Heidelbeerbüschen aus dem Wald zu tun haben. Die meisten Beeren sind natürlich schon abgeerntet. Aber ein paar finden sich dennoch, die direkt von meiner Hand in meinen Mund wandern.

Auch am Zwetschgenbaum kann ich nicht vorbeigehen, ohne einige Früchte zu essen. Richtige Zwetschgen bekommt man in den Niederlanden nur sehr selten, deshalb ist jeder Bissen pures Heimatgefühl für mich. Frischgebackener Zwetschgenkuchen vom Blech schwirrt vor meinem inneren Auge vorbei und gedanklich füge ich den Punkt „Kuchen essen“ meiner To-do-Liste für den nächsten Heimaturlaub zu.

vechtdal bessentuin sträucherSträucher zum Beeren pflücken gibt es im Bessentuin genug

vechtdal bessentuinNach getaner Arbeit kann man sich dann gleich hier einen Kaffee gönnen 

vechtdal bessentuin marmeladeWer keine Lust zum Marmelade kochen hat findet im Hofladen eine große Auswahl

Typisch für die Niederlande sind die Büffel sicher auch nicht, denen wir einige Kilometer weiter begegnen. Muskulöse, rabenschwarze Rinder mit mächtigen Hörnern, die ihre Heimat eigentlich in Asien haben. Ganz zahm und ziemlich neugierig seien die Wasserbüffel eigentlich, erfahren wir von der Bäuerin. Dennoch bin ich ganz froh, dass ein elektrischer Zaun zwischen den massigen Tieren und mir verläuft.

Direkt im Hofladen werden verschiedene Produkte aus der Büffelmilch verkauft. Käse, Eis und natürlich auch der berühmte Büffel-Mozzarella. Aber auch das Fleisch kann man hier bekommen, das geschmacklich so zwischen Rind- und Wildfleisch liegen soll.

Einkaufen ist heute mit dem Fahrrad eher unpraktisch, da muss ich wohl noch einmal mit einer Kühltasche bewaffnet wiederkommen.

vechtdal bueffel hofladenFrischen Büffelmozzarella ab Hof hätte ich im Vechtdal auch nicht erwartet 

vechtdal büffelSo ganz wohl ist es mir ja nicht, als der Büffel näher kommt

Wandern in der Heide

An unserem dritten Tag im Vechtdal wird gewandert. Dafür kehren wir dem saftigen Grün im Flusstal den Rücken und machen uns auf Richtung Berg. Na ja, ein Berg ist in den Niederlanden natürlich relativ. Aber es geht bei unserer Wanderung im Gebiet rund um den Lemeler- und Archemerberg tatsächlich bergauf.

Immerhin 76,5 Meter über dem Meeresspiegel liegt der höchste Punkt und das reicht für eine fantastische Aussicht auf die Umgebung. Dunkelgrüne Wälder, Wacholderbüsche, Sand- und Heideflächen wechseln sich ab auf dem hügeligen Gelände ringsum. Im Tal sieht man zwischen dem Grün der Felder das Wasser der Vechte glitzern. Die Blütezeit der Heide haben wir knapp verpasst. Aber wenn die Sonne zwischen den Wolken hervorlugt, leuchten noch einige Flecken in kräftigem Violett.

Wir starten unsere Wanderung beim Naturcampingplatz Lemeler Esch, wo es auch einen kostenlosen Wanderparkplatz gibt. Mehrere Rundwanderungen in verschiedenen Längen kann man von hier aus beginnen. Alle Wege sind hervorragend mit Farben markiert und auch vernetzt, sodass man sich die passende Route und Länge einfach selbst aussuchen kann.

Rund zehn Kilometer wandern wir durch das wunderschöne Gebiet. Ich liebe die abwechslungsreiche Landschaft und die dadurch ebenfalls wechselnden Gerüche. Es duftet herrlich nach Kiefern im Wald und nach Wacholder auf der Heide. Wir hören das Blöken der Heideschafe und ab und an das Bellen des Hundes, der über sie wacht. 

vechtdal wanderung aussichtTolle Aussicht bis hinunter ins Vechtdal

vechtdal heideSchafe gehören zu einer Heide einfach dazu

vechtdal wanderungDie landschaftliche Abwechslung gibt der Wanderung einen besonderen Reiz

Nach gut zwei Stunden sind wir zurück beim Camping. Übrigens ein sehr schöner und weitläufiger Platz, da könnte ich es mir mit dem Campen doch noch mal überlegen. Wir fahren jedoch heute noch nach Hause und wollen nur noch kurz dort im platzeigenen Café einkehren.

Denn wie könnte man so eine Wanderung besser beschließen, als mit einem leckeren holländischen Pfannkuchen. Groß ist er und reichlich mit Speck belegt. Die Zutaten kommen übrigens auch aus der Region, wie wir erfahren. Das Mehl von einer Mühle in der Nachbarschaft und auch das Schwein für den Speck hat sein Leben hier verbracht.

Satt und zufrieden machen wir uns auf den Heimweg und wissen jetzt schon, dass wir noch einmal wiederkommen müssen. Eine sonnige Bootstour auf der Vechte wartet schließlich noch auf uns.

vechtdal pfannkuchenDen leckeren Pannenkoek haben wir uns nach unserer Wanderung wirklich verdient 

 

Reiseinfos zum Vechtdal

Zahlreiche Informationen für einen Urlaub im Vechtdal findet ihr auf der Website vechtdaloverijssel.nl

 

Bootstour / Bootsverleih

Rederij Peters
Zwolse Weg 4, Ommen

Vermietung von Kajaks, Kanus, Motorbooten und elektrischen Schaluppen (Führerscheinfrei) für 6 bis 9 Personen.

Von Anfang März bis Ende Dezember werden auch Rundfahrten mit einem Rundfahrtschiff angeboten, die bei jedem Wetter stattfinden und auch für Personen mit Rollstuhl geeignet sind.
Abfahrt täglich um 13.30 und 15 Uhr bei mindestens 25 Personen. Preis € 9,75 pro Person, Kinder bis 12 Jahren € 5,75

 

Radtour

Wir sind die Route „Heerlijk Hardenberg“ geradelt und zwar den südlichen Teil mit insgesamt ca. 40 Kilometer Länge. Gestartet sind wir in Rheeze bei Knotenpunkt 63.

Knotenpunkte Route: 63 – 64 – 58 – 57 – 66 – 65 – 69 – 46 – 47 – 40 – 15 – 14 – 10 – 33 – 32 – 31 – 61 – 62 – 63

Information zum Knotenpunkt-System findet ihr auf unserer Seite Radfahren in Holland.

 

Unsere Zwischenstopps auf der Radtour:

Spargelbauernhof Het Nijenhuis
Rheezerweg 127, Diffelen (zwischen den Knotenpunkten 57 und 66)

Geöffnet ist der Hofladen von April bis August Montag bis Samstag von 9 bis 18 Uhr (samstags bis 17 Uhr). Außerhalb der Saison nur am Samstagvormittag bzw. für Gruppen auf Absprache.

Gruppen können sich auch für Lunch, Kochkurse oder Rundfahrten anmelden.
Und wer in nächster Zeit heiraten möchte und noch ein Brautkleid sucht, sollte unbedingt noch ein Blick in das kleine Brautstudio der Tochter des Hauses werfen.

 

Beerengarten De Bessentuin
Bruchterbeekweg 26, Brucht (zwischen den Knotenpunkten 69 und 46, Wegweisern folgen)

Der Garten zum Selbstpflücken, der Hofladen und ein Café sind von 15. Juni bis 30. September geöffnet. Und zwar werktags von 9 bis 17 Uhr und am Samstag von 10 bis 16 Uhr geöffnet. Während der Sommerferien evtl. auch am Sonntagnachmittag.

 

Büffelfarm Kelder
Toeslagweg 5, Radewijk (zwischen den Knotenpunkten 15 und 14)

Der Hofladen ist von April bis Ende Oktober am Donnerstag und Freitag von 13.30 bis 17 Uhr geöffnet. Nach vorheriger Absprache sind auch andere Zeiten möglich.

 

Wanderung Lemelerberg

Unser Ausgangspunkt war der Parkplatz des Campingplatzes Lemeler Esch.

Naturcamping De Lemeler Esch
Lemelerweg 16, Lemele

Kostenloser Wanderparkplatz vor dem Camping. Hier gibt es auch eine Infotafel mit den verschiedenen Wanderrouten.

Auf dem Campingplatz selbst kann man im Boscafé mit großer Terrasse einkehren. Das Angebot reicht von Kaffee und Kuchen, über Pfannkuchen bis zu herzhaften Mahlzeiten. Täglich geöffnet ab 10 Uhr. Abendessen (ab 17 Uhr) nur innerhalb der Saison von April bis Oktober möglich.

 

Essen und Schlafen

Wie bereits erwähnt, berichte ich in einem eigenen Artikel ausführlich über die beiden Restaurants, in denen wir gegessen haben und auch über das tolle Bed and Breakfast, in dem wir zwei Nächte verbracht haben. Der Artikel ist zu finden unter Zwei Restaurants und ein Bed and Breakfast - Tipps fürs Vechtdal
Für einen vollständigen Überblick möchte ich aber hier die Adressen nennen.  

Restaurant Herberg De Klomp
Vilstereweg 10, Vilsteren

Das Restaurant gehört zu einem kleinen Hotel und liegt nicht weit vom Bootsverleih Reederij Peters entfernt. Hotelzimmer können über booking.com gebucht werden.

 

Restaurant Rheezer Bistro
Grote Beltenweg 1, Hardenberg

Das Restaurant liegt zwischen den Knotenpunkten 31 und 61 der Radtour und ist nur knapp 2 km vom B & B entfernt.

 

Bed & Breakfast Rheezer Kamer
Rheezerbrink 5, Rheeze

Wunderschönes B & B mit momentan nur einem großen Zimmer und viel Augenmerk auf Design und Nachhaltigkeit.
Auch buchbar über booking.com.

 

Hinweis: Im Vechtdal waren wir unterwegs auf Einladung von Marketing Oost. Ein herzliches Dankeschön an alle Beteiligten!

vechtdal heidekrautTschüss Vechtdal!

 

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