Als ich den Aufkleber zum ersten Mal sah, dachte ich, das muss irgendein Witz sein. Mein Niederländisch war noch sehr rudimentär, aber das was ich verstand konnte ich einfach nicht richtig ernst nehmen.

Vielleicht lag es aber auch an dem Ort an dem dieser Aufkleber klebte, nämlich an der Wand auf einer Toilette. Wo man hingekritzelte Kommentare wie „ich war da“, pubertäre Liebeserklärungen wie „Lisa liebt Kevin“ oder sexistische Witze erwartet, war dieser Aufkleber irgendwie fehl am Platze.

bond 

Ein Artikel in der Spits, eine dieser Umsonstzeitungen, die in der Straßenbahn rumliegen und man eigentlich nur durchblättert um das Hägarcomic zu finden, stand diese Woche ein Artikel, der mich wieder an diesen Aufkleber erinnerte. Wahrscheinlich wäre er mir gar nicht aufgefallen, wäre darüber nicht ein riesengroßes, sehr seltsames Foto von Geert Wilders im Seefahrerkostüm gewesen, das aber mit dem Artikel gar nichts zu tun hatte.

spits

 

Die Überschrift des Artikels lautete Geen vloekverboden und machte mich dann doch etwas neugierig. Und so erfuhr ich beim Lesen, dass es in den Niederlanden 15 Gemeinden gibt, in denen es verboten ist, in der Öffentlichkeit zu fluchen. Geregelt wird dies übrigens in der Algemene Plaatselijke Verordenening, also einer örtlichen Verordnung, in der Vorschriften innerhalb einer Gemeinde festgelegt sind. In allen 15 Gemeinden ist es verboten „den Namen von Gott in der Öffentlichkeit fluchend zu gebrauchen“, in einigen Gemeinden gilt zusätzlich ein Verbot auf „rohe und unsittliche Sprache“.

 

In meinem Kopf tauchte das Bild auf von einem kleinen Mann in Anzug und Krawatte, der um die Leute schleicht und aufpasst, ob ihnen nicht ein Godverdomme über die Lippen kommt. Um dann sein Notizbuch zu zücken und einen Strafzettel auszuschreiben. So ein bisschen wie der Schweizer in der Werbung, der dann immer „wer hat’s erfunden?“ ruft.

 

Die Realität ist aber anders, denn anscheinend wurde noch nie jemand ein Bußgeld auferlegt. Denn juristisch ist dieses lokale Fluchverbot eigentlich überhaupt nicht haltbar. Es widerspricht nämlich dem Art. 7 des niederländischen Grundgesetzes, das die Freiheit von Meinungsäußerung garantiert. Selbst der Bond tegen vloeken, also der Bund gegen Fluchen, ist übrigens nicht ganz glücklich mit diesen lokalen Verboten. Denn die betroffenen Gemeinden realisieren irgendwann, dass sie das Fluchverbot nicht durchsetzen können und schaffen es darum ab. Wie kürzlich die Gemeinde Bodegraven-Reeuwijk. Der Bond tegen vloeken geht nun davon aus, dass die Bewohner jetzt vermehrt fluchen, da es ja jetzt, nach der Aufhebung des Verbots, sozusagen erlaubt ist.

Ich gebe zu, mir fällt es etwas schwer mich in diese Denkweise hineinzuversetzen. Auch in meiner Kindheit gab es „böse“ Worte, die man nicht sagen sollte. Und ich habe während meiner Recherche gelernt, dass in der Formel 1 ein „fucking“ oder „bloody“ nicht mehr geduldet wird, also bei Interviews und so. Aber das es überhaupt einen Bond tegen vloeken gibt, der ca. 20.000 Unterstützer hat (die mindestens 10 Euro pro Jahr spenden = mindestens 200.000 Euro) und schöne Aufkleber produziert, die dann irgendwelche Toilettenwände zieren, an den Gedanken kann ich mich irgendwie schwer gewöhnen.

 

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Kommentare  
#1 der Muger 2012-12-12 09:12
Herrlich - ein Fluchverbot ;-) mein Wortschatz würde auf die Hälfte reduziert!
liebe Grüsse vom Muger
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#2 Simone 2012-12-12 09:23
Ich mußte mich auch erst informieren, was für Ausdrücke so unters Fluchen fallen. ;-)

Gruß in die Schweiz, habe dein Blog gerade abonniert :-)
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