„Von hier aus kann man auch direkt in die Grachten von Amsterdam fahren“, erklärt uns Wim Driessen. Diese Aussage wäre ja nicht so etwas Besonderes, wenn wir nicht in einem Boot sitzen würden und das mitten im niederländischen Friesland, weit weg von Amsterdam.

Schmale Kanäle zwischen üppigem Grün und offene Weite mit Segeln bespickt wechseln sich vor uns ab. Dunkle Wolkenberge spiegeln sich im Wasser und die Sonne, die plötzlich wieder auftaucht, lässt es um uns herum funkeln. Schön ist es hier und angenehm ruhig. Wer will da schon nach Amsterdam?

rufus

Wir treffen Wim bei Rufus aan het Water. Sehr treffender Name für den Wassersport-Bauernhof, den Wim zusammen mit seiner Frau Lysbeth betreibt. Das Grundstück grenzt wirklich direkt ans Wasser. Von hier aus kann man ganz einfach das friesische Wasserstraßen-Netzwerk erkunden und ist in kurzer Zeit auch auf dem offenen Wasser des Sneeker Meer.

Langeweile muss man auch bei einem längeren Aufenthalt nicht befürchten. Mehr als 11 % der Oberfläche der Provinz Friesland besteht aus Wasser und das sind immerhin ca. 650 km2. Da muss man keinen Wasserlauf zweimal abfahren, auch nicht wenn man 14 Tage mit dem Boot unterwegs ist.

Statt Tiere gibt es jetzt Boote bei Rufus. Im eigenen kleinen Hafen ist es heute schon ziemlich leer, die meisten Segelboote sind schon weg. Die Schülergruppe, die gerade in den Gruppenunterkünften im ehemaligen Bauernhaus nächtigt, hat mit ihrem Segelkurs schon begonnen. Aber wir wollen heute sowieso nicht segeln, für uns steht eine Sloep, eine Schaluppe, bereit.

Unser Boot für unsere Tour durch Friesland

Eigentlich könnten wir selbst als blutige Anfänger nach einer kurzen Einweisung alleine los. Ein großes Steuerrad und einen Hebel zum Gas geben, mehr Technik gilt es nicht zu bewältigen. Wir werden heute trotzdem von Wim begleitet. Er kennt nämlich die schönsten Ecken in der Gegend und erzählt uns unterwegs viel Interessantes über das Leben in Friesland.

Das Gras links und rechts steht hoch, als wir mit unserem Boot durchs Wasser gleiten. Nur ein leises Tuckern vom Motor begleitet uns. Die Kühe stehen friedlich auf ihren Weiden und kauen vor sich hin. Einen Zaun brauchen sie hier nicht, das Geflecht aus Wasserwegen verhindert jede Flucht und hält auch Herr und Frau Kuh auf gebührenden Abstand voneinander.

Aber nicht nur die Kühe, auch der Bauer hat seine Mühe, um von A nach B zu kommen. Denn egal, ob Mensch, Tier oder Maschine, alles muss mit dem Boot auf die Felder gebracht werden.

Transport eines Traktors übers Wasser

Die Häuser an denen wir vorbei fahren grenzen inzwischen auch an eine Straße, aber jeder hier hat auch mindestens ein Boot am hauseigenen Anlegesteg liegen. Ein kleines Problem mit ihrer Segeljolle hat Wims Bekannte, die plötzlich am Ufer steht und winkt. Sie ist froh, dass wir zufällig vorbeikommen und natürlich gerne kurz halten, um zu helfen. Nachbarschaftshilfe ist kein Fremdwort im ländlichen Friesland.

Das Problem ist schnell behoben und wir nutzen die Gelegenheit, um einen Blick in ihren wunderschönen Blumengarten zu werfen. Das Angebot, auf eine Tasse Kaffee zu bleiben, lehnen wir aber ab, uns zieht es zurück aufs Wasser.

Auch ohne freundliche Nachbarn muss man übrigens auch auf einem Boot nicht auf Leckeres verzichten. Wir kommen an einigen Cafés und Restaurants vorbei, die selbstverständlich auch über eine Anlegestelle verfügen, sodass einer Einkehr nichts im Wege steht.

Wunderschöner Blumengarten in Friesland

Wer lieber den Inhalt seines mitgebrachten Picknick-Korbes auf der grünen Wiese ausbreitet, der kann einen der 3500 Liegeplätze nutzen, die in Friesland angelegt wurden. An den schönsten Plätzen mitten in der Natur kann man gratis anlegen, um dort zu picknicken oder auch zu übernachten.

Viel Infrastruktur gibt es dort nicht. Manchmal einen Tisch und eine Bank, manchmal einen Mülleimer und oft einfach nur grüne Wiese. Bis zu 3 Tage kann man dort verweilen und an manchen Anlegestellen ist es sogar erlaubt, sein Zelt aufzustellen. Sehr praktisch, falls das Boot zum Schlafen nicht groß genug ist oder der Kajüten-Nachbar unangenehm schnarcht.

An Schlaf denken wir aber noch lange nicht. Wir genießen noch ausgiebig unsere Sloep, das Wasser und die wunderschöne Natur in Friesland!

Mit dem Boot unterwegs in Friesland

Infos und Links, Bootstour in Friesland

Rufus aan het Water, Bloksleat 8, Broek

  • Verleih von Schaluppen und Segelbooten (auch mit Begleitung)
  • Gruppenunterkunft, Bed & Breakfast, Camping
  • Restaurant und Café

Informationen über die Anlegestellen gibt es auf der Website von De Marrekrite, allgemeine Informationen über den Wassersport in Friesland findet man auf der Website von Friesland auch auf Deutsch.

Einen Erfahrungsbericht über eine Tour mit einem größeren Boot, einem Hausboot, findet ihr unter

 

Hinweis: Die Bootstour war Teil einer Recherchereise, bei der ich freundlicherweise von Beleef Friesland und dem Niederländische Büro für Tourismus & Convention unterstützt wurde.

Auch für Segelboote ist es ideal in Friesland

 

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Kommentare  
#1 vielweib 2014-08-13 08:29
Ein toller Bericht und toller Ausflugstipp von Dir. Dankeschön :-)
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#2 Jutta 2014-08-13 09:01
Fabelhaft! Mit einem Boot durch die Kanäle schippern würde mir auch gefallen. Und irgendwann möchte ich auch Segeln lernen! Sonnige Grüße, Jutta
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#3 Nicole 2014-08-13 17:15
Hach, wie ist es doch schön in Holland. So eine Bootsfahrt würde ich auch gern mal machen, bis in die Grachten von Amsterdam hinein;-) Ein schöner Bericht mit tollen Bildern!
LG Nicole
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