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Kunst, Kultur und Architektur
im Nach Holland Blog

Ziemlich genau 100 Jahre ist es her, dass Kaiser Wilhelm II. ins Schloss Amerongen kam. Der 1. Weltkrieg war verloren und der letzte deutsche Kaiser notgedrungen auf dem Weg ins Exil. Zu diesem Zeitpunkt ahnte vermutlich weder er noch ein anderer, dass er den Rest seines Lebens in der Region Utrecht verbringen würde.

Schlecht hat er es wahrlich nicht getroffen, denke ich, während ich durch die bunt gefärbten Wälder auf dem Utrechter Hügelrücken radele. Die Reichen des Landes haben nicht umsonst schon seit Jahrhunderten ihre Landgüter und Sommersitze in diesen Teil der Niederlande gebaut.

Die Gegend rund um Utrecht hat dem Kaiser vermutlich auch gut gefallen. Nur, dass er kein Kaiser mehr sein und Deutschland nie mehr betreten durfte, wohl eher nicht.

Schlösser in der Region Utrecht

Zumindest gefühlt befindet sich hinter jeder zweiten Tür eine Galerie. Gemälde, Skulpturen und Objekte aus Glas. Viel Schönes will gesehen und gekauft werde. Erstaunlich für ein kleines Städtchen in Twente, das seinen Beinamen Siepelstad einem Agrarprodukt zu verdanken hat. Selbst der Industrie war der Ort einst zu abgelegen.

Touristen haben Ootmarsum, mit seinen gepflasterten Wegen und den schön gemauerten Häusern aus dem 17. und 18. Jahrhundert, inzwischen längst entdeckt. Die zahlreichen Terrassen vor den Cafés und Restaurants sind auch jetzt im Herbst noch gut besucht. Und dort entdecken wir heute auch Ton Schulten, den Künstler von Ootmarsum, der die Stadt auch zu einem Ziel für Kunstfans gemacht hat.

ootmarsum

Wer öfters hier im Nach-Holland-Blog liest, weiß vermutlich, dass ich Freiluftmuseen mag. Auch auf der Watteninsel Texel gibt es eines, das mir sehr gefällt.

Könnt ihr euch noch an meinen Artikel darüber „Von Strandräubern und Seeleuten - Museum Kaap Skil auf Texel“ erinnern? Die Windmühle, die auf dem Museums-Gelände steht, bekam im Artikel nicht extrem viel Aufmerksamkeit, aber jetzt kann die Mühle nicht genug davon bekommen.

Denn die Getreidemühle De Traanroeier, wie sie eigentlich heißt, ist eine der vier nominierten Mühlen für den Niederländischen Mühlenpreis. Und ihr müsst mithelfen, dass sie diesen Preis gewinnt. Denn die Mühle braucht ganz dringend ein neues Reetdach und das Preisgeld von 50.000 Euro ist genau dafür gedacht.

windmühle Oudeschild

Ob sie wild waren die Feste in den 60er Jahren – wer weiß?! Glamourös und von viel Prominenz besucht, waren sie ganz gewiss. Celebrities wie Brigitte Bardot, Gina Lollobrigida und Roger Moore zählten zu den Gästen und auch der europäische Adel war häufig zu Gast.

Wie in den Jahrhunderten davor servieren Bedienstete in Uniform auch im 20. Jahrhundert den illustren Gästen köstliche Leckerbissen auf großen silbernen Tabletts. Vorzügliche Weine werden in kristallene Gläser geschenkt, die im Licht der Kronleuchter funkeln. Im Herrenzimmer nebenan wird die eine oder andere Zigarre geraucht, bevor sich Gastgeber und Gäste, in fantasievolle Kostüme gehüllt, im Ballsaal vergnügen.

Schloss De Haar bei Utrecht

Rund 25 km trennen Utrecht und Amersfoort. Kilometer voller grüner Natur, ausnahmsweise sogar ein kleines bisschen hügelig, mit einigen hübschen Sehenswürdigkeiten zwischendurch. Mit dem Auto oder dem Zug zu fahren, wäre regelrecht eine Sünde. Das Fahrrad ist für diese Strecke einfach ideal.

Am Tag vorher waren wir schon radelnd rund um Utrecht unterwegs und haben uns die Forts der Wasserlinie angeschaut. Heute wollen wir ins neu eröffnete Mondriaanhuis. Ein kleines Museum, das in Piet Mondrians Geburtshaus in Amersfoort eingerichtet wurde.

radtour amersfoort mondriaanhuis

Wie beschützt man ein Land, das zu 27 % unter dem Meeresspiegel liegt, vor angreifenden Truppen? – Man setzt es unter Wasser!

Zumindest in früheren Zeiten, noch vor Flugzeugen und Raketenwerfern, funktionierte diese Strategie recht gut. Landstriche, die knietief unter Wasser standen, stoppten die feindlichen Truppen mit ihren schweren Kanonen.

Kilometerlang zog sich diese Wasserlinie durchs Land. Aufgereiht, wie an einer Perlenschnur, Forts voller holländischer Soldaten, die die ausgebremsten Angreifer zurückschlagen sollten. In Utrecht, damals eine wichtige Garnisonsstadt, wurden gleich mehrere Forts gebaut. Noch heute sind sie weitgehend erhalten und teilweise auch öffentlich zugänglich.

forts utrecht waterlinie

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