Der Himmel ist strahlend blau, die Sonne scheint mit Sonnenbrillenintensität. Auch wenn es noch ziemlich kalt ist, es fühlt sich schon ein bisschen nach Frühling an. Ich beschließe spontan noch nicht den Zug nach Hause zu nehmen, sondern noch ein paar Stunden in der Stadt zu verbringen.

Ich bin in Leiden, der Geburtsstadt von Rembrandt. Aber auch, wenn der Name des berühmten Malers im Namen mancher Lokalität auftaucht, fällt es auf den ersten Blick nicht auf, dass die Stadt so einen berühmten Sohn hat. Es ist nicht Rembrandts Nachtwache, die meinen Weg auf dem Vorplatz des Bahnhofs kreuzt, sondern chaotisch durcheinander fahrende Radfahrer. Leiden ist eine Studentenstadt und das ist überall spürbar.

Eine Gracht in der Stadt LeidenDie schöne Innenstadt von Leiden

Die Universität von Leiden war die allererste in den Niederlanden. Gegründet wurde sie schon im Jahr 1575 und das von Willem van Oranje, dem „Vader des Vaderlands“. Die Universität gibt es noch heute, mehr als 23.000 Studenten tummeln sich allein hier, die Studenten der Hochschule Leiden kommen noch dazu.

Auf den Straßen und Plätzen von Leiden geht es dementsprechend lebendig zu. Große und kleine Gruppen Studenten spazieren oder radeln durch die Stadt. Es wird gequasselt und gelacht, direkt miteinander oder über den Umweg Handy. Auch auf dem Fahrrad. Holländer sind wahre Meister im Bedienen des Smartphones auf dem Rad.

Die Terrassen vor den Cafés sind voll, zumindest wenn die Sonne darauf scheint. Im Schatten ist es einfach noch zu kalt zum draußen sitzen. Aber an sonnigen Stühlen und Bänken mangelt es heute nicht in Leiden. An jeder Ecke und vor jeder noch so kleinen Bar stehen ein Stuhl und ein Tisch vor der Tür und jemand genießt dort die Frühlingssonne.

Die Grachten sind dagegen noch relativ leer, nur das eine oder andere Rundfahrtboot kommt vorbei. Im Sommer ist hier die Hölle los. Mit dem Boot durch die Kanäle und Grachten der Stadt zu fahren, ist eine große Leidenschaft von Einwohnern und Besuchern.

Ich lasse mich einfach durch die Straßen und Gassen treiben. Ich liebe die schönen Fassaden, die es hier massenweise gibt. Auch die Inhalte der Schaufenster sind nicht zu verachten, vor allem die Läden mit den tollen Designerdingen haben es mir angetan.

In der Sonne sitzen vor einem Café in Leiden

Die Innenstadt von Leiden mit ihren schönen Grachten

Die Innenstadt von Leiden mit ihren vielen Grachten

Ein Laden mit Designermöbeln in Leiden

Gleich um die Ecke in der Nieuwstraat entdecke ich ein Tor. An offenen Toren kann ich einfach nicht vorbeigehen und das hier ist sowieso viel zu groß und auffallend, um es zu ignorieren. Auf einem kleinen Platz dahinter steh ich völlig unerwartet vor der Burcht. Sie hat sich gut versteckt zwischen den Häusern, von der Gasse aus war gar nichts zu sehen.

Die Burcht ist das älteste Stück und der Ursprung der Stadt Leiden. Ein kleiner Hügel, übrigens vor vielen Hundert Jahren mit der Hand aufgeschüttet, und darauf eine kleine Festung. Oben in dem runden Gemäuer entdecke ich ein etwas deplatziert wirkendes Kunstwerk in Form einer Zahnpastatube, das gerade von einer Schulklasse als Sitzbank benutzt wird. Sie sind gerade am Aufbrechen und danach bin ich beinahe alleine in der Festung.

Über eine Treppe steige ich hinauf auf einen Rundgang, von wo ich eine wunderschöne Aussicht auf die Stadt habe. Vor mir steht die Hooglandse Kerk, die die schönste und größte Kirche der Niederlande hätte werden sollen. Aber schon damals hatten Großprojekte Probleme mit dem Budget, und nachdem das Geld dann ausging wurde der Bau 1535 eingestellt und die Kirche somit nur in Teilen fertiggestellt. Dennoch ist das gotische Bauwerk imposant und überragt die umliegenden Gebäude bei Weitem.

Viele Hochhäuser gibt es im Zentrum von Leiden nicht, sodass nur ein paar wenige Kirchtürme und der Schornstein der Gasfabrik sich deutlich abheben vom Gewirr der verschachtelten Dächer auf die ich hinunterblicke. Irgendwo dazwischen sind die vielen Innenhöfe, die hofjes, verborgen, die es in Leiden gibt. An Pfingsten finden dort die tollen Hofjeskonzerte statt, aber von den musikalischen Höfen in Leiden habe ich euch ja schon berichtet.

Die Burcht in Leiden

Im Innern der Burcht in Leiden

Blick auf die Hooglandse Kerk in Leiden

Aussicht von der Burcht auf die Stadt Leiden

 

Reiseinfos Leiden

Leiden befindet sich zwischen Den Haag und Amsterdam und ist sehr einfach zu erreichen. Egal ob mit dem Auto, dem Zug oder dem Flugzeug.

Es gibt mehrere schöne Hotels und B&B in der Stadt und genug zu tun und zu erleben für ein langes Wochenende.

Empfehlungen und Tipps zu Unterkünften und Sehenswürdigkeiten findet ihr hier auf Nach Holland unter dem Menüpunkt Leiden.

 

 

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Kommentare  
#1 Jutta 2015-03-01 12:11
Der Blick von oben auf die Stadt ist super! Hast du auch die vielen "Muurgedichten" entdeckt? Sonnige Grüße, Jutta
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#2 Simone 2015-03-01 12:48
Ja, wirklich toller Ausblick da oben Jutta. Warst Du dort auch?
Die Muurgedichten nehme ich mir für meinen nächsten Ausflug nach Leiden vor, denn den gibt es bestimmt.
LG Simone
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#3 Jutta 2015-03-01 12:59
Nein, ich hab alles nur aus Fußgängerperspektive gesehen : )
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#4 Naninka 2015-03-12 11:38
Ein wirklich hübsches Städtchen, und wieder ein Punkt mehr auf meiner To-Do-Liste. Ob ich die jemals abarbeiten kann? :)
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#5 Patrick Kerkvliet 2015-05-17 10:49
Wenn mann bei Vroom & Dreesman nach oben geht ist ein Restaurant La Place ( kan mann auch nur tasche Kaffee Trinken) dan hat man wirklich ein ganz tolle aussicht über die Stadt.
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