Es muss ein richtig ordentlicher Rums gewesen sein an diesem 12. Oktober 1654. Zeitgenössische Aufzeichnungen berichten, dass der Donnerschlag bis nach Texel zu hören war. Und Texel ist von Delft immerhin beinahe 150 km entfernt. Aber nicht nur laut war er, der Delfter Donnerschlag, er brachte auch viel Leid und Verwüstung.

Auch nicht verwunderlich, wenn man bedenkt, dass nicht ein Unwetter die Ursache dieses Donnerschlags war, sondern ungefähr 90.000 Pfund Schwarzpulver.

kruithuis-wappen

Von mindestens 100 Toten ist in den Chroniken die Rede, aber es können auch mehrere Hundert gewesen sein, denn so richtig nachgezählt hat damals keiner. So ziemlich alle Häuser in der Innenstadt wurden beschädigt und das Gebiet rund um das Pulvermagazin war dem Erdboden gleichgemacht.

In den Städten ringsum wurden Spenden gesammelt, um die zerstörten Teile Delfts wieder aufzubauen. Es wurden hauptsächlich Wohnungen gebaut und ein großer Platz wurde frei gehalten für den Pferdemarkt. Noch heute heißt das Gebiet Paardenmarkt, auch wenn dort schon lange keine Pferde mehr verhandelt werden, sondern meist Autos parken.

kruithuis DelftsedonderslagGemälde aus dem Jahre 1654 von Egbert van der Poel

Auch nach der Explosion konnte man natürlich auf Schwarzpulver und damit einem Pulvermagazin nicht verzichten. Als neuer Standort entschied man sich für ein Grundstück weit außerhalb der Stadtmauern an der Delftse Schie, einem Teil des Rhein-Schiekanals.

Das Kruithuis, also das Pulverhaus, wurde 1660 gebaut nach einem Entwurf des Architekten Pieter Post. Einem sehr bekannten Vertreter des holländischen Klassizismus und Erbauer bekannter Gebäude, wie die Waag in Gouda oder das Huis ten Bosch in Den Haag, immerhin der Wohnsitz des jetzigen Königs der Niederlande.

kruithuis-eingang

Der Komplex des kruithuis besteht aus einem mächtigen Portalgebäude mit dem mächtigen Wappen der Staten General. Im Innenhof, um einen Teich herum, lagen die Gebäude, worin das Schwarzpulver gewogen und verpackt wurde. In 2 Türmen, die im Wasserteich selbst standen, konnten bis zu 400.000 Pfund Pulver gelagert werden. Mit Booten konnte man direkt von der Schie unter dem Eingangsportal hindurch, in den Teich und somit zu den Pulvertürmen gelangen.

Heute steht das kruithuis nicht mehr ganz so weit außerhalb Delfts, denn die Stadt ist in den letzten Jahrhunderten erheblich gewachsen. Aber ansonsten sieht es eigentlich noch genauso aus und ist sehr gut erhalten. Pulver wird darin natürlich nicht mehr gelagert und seit 1964 wird der denkmalgeschützte Komplex von den Pfadfindern genutzt. Vor einigen Jahren wurden die Innenräume komplett renoviert und ausgebaut und können jetzt für Kinder- und Jugendfreizeiten angemietet werden.

kruithuis-anlage

kruithuis-pulvertuerme

 

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Kommentare  
#1 Jutta 2014-04-23 09:03
Oh, schön! Delft steht noch auf der Liste der "nicht besuchten Städte"! Sonnige Grüße, Jutta
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