Neben Tulpen und Frau Antje mit ihrem Käse gehören Windmühlen zum Bild, dass der Tourist von Holland hat. Auch wenn mir Frau Antje noch nicht begegnet ist, kommt dieses Klischee von Holland natürlich nicht von ungefähr. Außer dass es der niederländische Touristenverband auch gerne genauso in die Welt trägt, ist es eigentlich auch Realität. Nicht so romantisch vielleicht. Denn die Tulpen blühen nicht in kleinen Gärten, sondern auf großen Äckern und auch der Käse wird in eher unromantischen Edelstahltanks gemacht.

Auch die Windmühlen sind heute noch weit verbreitet. Zum Entwässern der Polder werden heutzutage zwar meist Elektropumpen eingesetzt, aber viele Windmühlen werden heute noch genutzt oder zumindest erhalten. Die 19 Windmühlen in Kinderdijk haben es sogar auf die Liste des Weltkulturerbes der UNESCO geschafft.

Und zu denen geht es heute. Zusammen mit meiner Bloggerkollegin Ulrike von Unterm Meeresspiegel mache ich eine Bootstour nach Kinderdijk mit dem Schiff Nehalennia, organisiert von Rebus Varende Evenementen.

kinderdijk front

An Deck

Der Bootsausflug beginnt in Rotterdam, genauer gesagt an der Boompjeskade neben der Erasmusbrücke. Es ist Dienstag, morgens um 10.45 Uhr und neben einigen ausländischen Touristen hat sich eine ganze Busladung voller niederländischer Rentner auf dem Achterdeck ausgebreitet. Die 200 Personen, die insgesamt auf die über 100-jährige Nehalennia passen, werden aber bei Weitem nicht erreicht. Die 70 Sitzplätze auf dem Außendeck, die bei dem sonnigen Wetter jeder bevorzugt, sind völlig ausreichend.

Gleich nach unserer Abfahrt Richtung Kinderdijk werden wir von einer überaus freundlichen Bedienung nach unseren Wünschen gefragt. Neben Kaffee, Tee und kalten Getränken werden auch Kuchen (Apfelkuchen von Café Dudok – sehr empfehlenswert) und kleine Imbisse angeboten und alles zu sehr moderaten Preisen. So lässt es sich gut aushalten und es ist schon ein bisschen Urlaub, so mit der Sonne im Gesicht und dem Wasser drumrum.

kinderdijk deck

Ungefähr eine Stunde dauert die Fahrt mit der Nehalennia stromaufwärts, erst auf der Maas dann noch ein kleines Stückchen auf der Lek. Wir passieren die Willemsbrücke und kurz danach kommt De Hef in Sicht, die historische Hebebrücke für die Eisenbahn, die zwar keinen Dienst mehr tut, aber immer noch schön anzuschauen ist. Am rechten Flussufer passieren wir das neue Unilever Firmengebäude, dass über einer Reihe Giebelhäuser zu schweben scheint, bevor De Kuip auftaucht, das Fußballstadion von Feijenoord, dem bekannten Rotterdamer Fußballverein.

Die Minarette und die Kuppel der, lange umstrittenen, Moschee im Rotterdamer Süden, bringen etwas orientalische Schönheit zwischen die Wohnblöcke und Betriebshallen am Ende der Stadt. Zu den besonders markanten Punkten an Land gibt es dreisprachige Erklärungen vom Band, auf Niederländisch, Englisch und auch auf Deutsch.

kinderdijk moschee

Windmühlen

Als das Schiff anlegt, müssen wir nur über den Deich und schon sehen wir die berühmten 19 Windmühlen von Kinderdijk vor uns. Wir haben eine Stunde Zeit, bevor das Schiff wieder ablegt. Und die wird ausgiebig für Windmühlenfotos genutzt, auch wenn die Sonne leider auf der fototechnisch falschen Seite steht.

Vorbei an Parkplatz, Kassenhäuschen, Souvenirshop und Café erreichen wir die Molenkade. Links die achteckigen, aus Holz gebauten Windmühlen des Polders Overwaard und rechts die runden, gemauerten Windmühlen des Polders Neederwaard. Gebaut wurden die Mühlen schon vor beinahe 300 Jahren anno 1738 und 1740.

kinderdijk aussicht deich

Das Gebiet ist gratis zugänglich, ein öffentlicher Fuß- und Radweg führt über die Molenkade an den Windmühlen entlang. Das Ticket für 6,- Euro, das am Kassenhäuschen oder bei der Museumsmühle selbst, gekauft werden kann, gilt für einen Besuch der Museumsmühle und des Wisboomgemaal, mit einer kleinen Ausstellung und einem Informationsfilm über Kinderdijk. Für noch einmal 4,50 Euro kann man auch noch eine halbstündige Bootstour auf dem Kanal entlang der Mühlen mitmachen.

Dafür reicht unsere Zeit aber nicht, wir beschränken uns auf einen Besuch der Museumsmühle, die über eine kleine Fußgängerbrücke erreichbar ist. Die Windmühle, die 1738 gebaut wurde, ist noch im Original erhalten. Sowohl das, wie bei allen Kinderdijk-Mühlen, innen liegende Mühlrad, sowie die Mechanik sind zu sehen. Aber auch die Müllerswohnung ist noch eingerichtet und lässt erkennen, wie der Müller mit seiner Familie dort gewohnt hat. Sehr beengt, das wird auf Anhieb deutlich, denn viel Platz bietet eine Windmühle nicht.

kinderdijk muehlrad

Auch heute noch sind die meisten Windmühlen in Kinderdijk bewohnt. Inzwischen gibt es dort auch einen Wasser- und Stromanschluss. Die freundliche Dame im Kassenhäuschen, die ihre Kindheit in einer der Mühlen verbracht hat, hat das noch ganz anders erlebt. Damals musste das Trinkwasser in Kanistern mit dem Ruderboot aus dem Dorf geholt werden. Aber auch wenn das Leben in einer Mühle etwas luxuriöser geworden ist, mehr Platz gibt es immer noch nicht.

Die Stunde Aufenthalt ist schnell um und so gehen wir zurück zum Schiff. Es besteht zwar auch die Möglichkeit mit dem Nachmittagsschiff zurückzufahren, aber so viel Zeit haben wir leider nicht. Auf dem Rückweg machen wir noch einen Besuch beim Kapitän und ich finde es schon etwas schade, dass er nicht hinter einem nostalgischen Steuerrad steht, sondern ganz modern das Schiff mit einem Joystick lenkt. Vom Steuerhaus aus hat man eine tolle Sicht auf die Maas und die Skyline von Rotterdam, die vor uns auftaucht. Ein toller Abschluss für einen schönen 3-Stunden-Ausflug nach Kinderdijk.

kinderdijk kapitaen

Reiseinfos Schiff Kinderdijk

Abfahrt: Boompjeskade Rotterdam, 200m links von der Erasmusbrücke

Wann: ab 2016 nur 1x am Tag (Dienstag bis Sonntag) dafür längerer Aufenthalt von 1,5 Stunden bei den Windmühlen in Kinderdijk; vom 27. März bis 30. Oktober 2016  - Abfahrt 12 Uhr (bis 16 Uhr) 

Wieviel: Pro Person kostet die 4-stündige Tour (ohne Eintritt Mühle) 17,50 Euro für Erwachsene und 12,50 Euro für Kinder zwischen 4 und 11 Jahren.

 

Hinweis: Zu dem Bootsausflug nach Kinderdijk wurde ich von Rebus Vaarende Evenementen eingeladen.

 

kinderdijk hef

kinderdijk schiff

kinderdijk kueche

kinderdijk mühlen

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