Ein Reisebericht von Gastbloggerin Sinann Kapfinger

Der Urlaub von Sinann und ihrem Mann ist noch nicht vorbei. Von historischen Seefahrer-Häfen, der Fahrt mit dem Dampfzug und der Ankunft am Meer hat sie uns schon im 1. Teil ihres Reiseberichts Teil ihres Reiseberichts erzählt.

In den nächsten Tagen steht Architektur auf dem Reise-Programm. Hochhäuser und Windmühlen, modern und historisch. Dazu gibt es allerlei leckere Spezialitäten und genießerisches Vergnügen.

rotterdam waterbusModerne Architektur in der Hafenstadt Rotterdam

Tag 4: Weltkulturerbe trifft auf Superlative der modernen Architektur - Kinderdijk und Rotterdam

Nach einem wunderbaren Frühstück inklusive äußerst netten Gesprächen mit unserer Gastgeberin, steigen wir in unseren Bus nach Leiden Centraal und fahren von dort mit dem Intercity direkt nach Rotterdam. Die gesamte Fahrt von der Haustür in Katwijk nach Rotterdam Centraal dauert - als Beispiel für die zuvor angesprochene gute Ausgangslage Katwijks - gerade einmal eine knappe Stunde. Die Züge fahren nahezu alle zehn bis fünfzehn Minuten, so dass es auch überhaupt kein Problem ist, wenn man an einem fremden Bahnhof etwas zu langsam ist oder sich beispielsweise noch etwas Proviant einkaufen möchte (In jedem größeren Bahnhof wie in unserem Fall in Leiden gibt es auch einen Supermarkt wie Albert Heijn, der aber in Leiden ausschließlich Kartenzahlung akzeptiert).

In Rotterdam angekommen erleben wir gleich die erste richtig geniale Sehenswürdigkeit, die eigentlich gar keine ist sondern “nur” ein Bahnhof. Aber was für einer. Rotterdam Centraal ist nahezu nagelneu und besticht durch eine einzigartige Form der Eingangshalle, das erste tolle Beispiel für Rotterdams vielfältige Architektur. Innerhalb der weitläufigen Halle steht ein Flügel, auf dem jeder sein mehr oder weniger vorhandenes Talent ausprobieren kann. Ich bin sehr beeindruckt von der Einbettung der Empfangshalle in die umliegenden Wolkenkratzer. Moderne pur.

 

Wir hätten die Möglichkeit, am Bahnhof auf einen der roten Busse zur Stadtrundfahrt zu warten, entschließen uns aber, auf eigene Faust durch Rotterdam zu spazieren. Die Wege sind nicht allzu weit und ich habe mich im Vorfeld recht gut informiert. Und so starten wir vom Bahnhof in Richtung Zentrum durch eine neue parkähnliche Anlage, links und rechts gesäumt von modernen Hochhäusern. Irgendwann biegen wir nach links ab und spazieren durch die Lijnbaan, die erste Fußgängerzone des Nachkriegseuropas und heute das pulsierende Shoppingherz Rotterdams. Wir treffen auf den Ratshausplatz und schlendern entlang des Coolsingel am World Trade Center, der Börse und dem Tourist-Center vorbei bis zum Maritiem- und Haven-Museum. Von hier hat man bereits einen tollen Blick auf alte Kähne vor modernen Wolkenkratzern, eine Kombination aus alt und neu, die wir noch sehr oft sehen werden.

Schließlich treffen wir auf die Nieuwe Maas und auf ein weiteres Wahrzeichen Rotterdams, die imposante Erasmus Brücke und den wunderschönen Blick hinüber auf Kop van Zuid mit der eigentlichen Skyline Rotterdams. Wir sind schwer begeistert von der Atmosphäre, die uns die ganze Zeit schon begleitet und genießen auf einer Bank direkt am Ufer den Blick über die Nieuwe Maas auf Wolkenkratzer und Erasmusbrug.

rotterdam architekturModerne Architektur auf dem Weg Richtung Zentrum

rotterdam erasmusbrueckeDie höchsten Gebäude stehen neben der Erasmusbrücke am Kop van Zuid

Da wir die Halbinsel Kop van Zuid bereits beim letzten Besuch Rotterdams im Rahmen einer Stadtrundfahrt ausgiebig besichtigt und auf eine Hafenrundfahrt in einem der großen Touristenschiffe der Reederei Spido wenig Lust haben, beschließen wir stattdessen spontan, an der Haltestelle Erasmusbrug den nächsten Waterbus zu nehmen. Mit einem ganz gewöhnlichen öffentlichen Verkehrsmittel schippern wir über die Maas, mit anschließend ein wenig Kontrastprogramm, denn wir fahren mit der Linie 202 direkt nach Kinderdijk.

Die Skyline wird hinter uns immer kleiner, hin und wieder überholt uns eines der lustigen Taxis. Wir fahren vorbei am Unilever-Gebäude und am Feyenoord-Stadion De Kuip und lassen schließlich langsam auch die Wohnbebauung der Vorstädte hinter uns. Wir sehen verschiedene Industrieanlagen und Werften und treffen zu unserer Überraschung plötzlich auf die Arche Noah, ein wuchtiges Schiff, das ein Privatmann nach dem biblischen Vorbild gebaut hat und von dem ich dachte, dass es eigentlich in Dordrecht liegt, bzw. das ich vor ein paar Jahren schon in Dordrecht gesehen hatte. Nach etwa 40 Minuten erreichen wir dann das Ziel unseres Abstechers, die Windmühlen von Kinderdijk, UNESCO-Welterbe und eine der wichtigsten und bekanntesten Sehenswürdigkeiten der Niederlande.

 

Unser Waterbus hält direkt am Informationszentrum und es ist zum Glück, außer drei bis vier Touristenbussen, nicht sonderlich viel los. So spazieren wir gut gelaunt entlang des einzigartigen Ensembles aus insgesamt 19 Windmühlen aus dem 18. Jahrhundert. Der Eintritt ist grundsätzlich frei. Nur wenn man eine der Mühlen von innen besichtigen oder eine Rundfahrt mit dem Boot machen möchte, wird dies kostenpflichtig. Sehr positiv finde ich den gesicherten Spazierweg, getrennt vom parallel verlaufenden Radweg. So kommen sich Fußgänger und Radfahrer hoffentlich seltener in die Quere, wenngleich auch bei unserem Besuch einige italienische bzw. japanische Bustouristen immer wieder mal einem Fietser vor dessen Rad laufen.

Das Ambiente ist toll. Wir haben Glück, dass etwas Wind geht und sich einige Mühlenflügel drehen. Es ist ruhig, wir lauschen den Geräuschen der Mühlen, dem Wind und den Vögeln. Die Besichtigungsmühle sehen wir nur von außen und auch auf die Bootsrundfahrt verzichten wir. Viel lieber setzen wir uns etwas entfernt von diesen Hotspots auf eine der Bänke und schauen einer jungen Entenfamilie beim ersten Schwimmausflug zu. Nach einem ausreichenden Aufenthalt von einer guten Stunde schlendern wir wieder zur Anlegestelle des Waterbus, und unsere Linie 202 bringt uns auf der gleichen Strecke zurück zur Erasmusbrücke in Rotterdam.

kinderdijkDie Windmühlen von Kinderdijk

Zurück in Rotterdam und wieder an Land, werfen wir einen vorerst letzten Blick auf Nieuwe Maas und Erasmusbrug und spazieren in Richtung des Maritiem Museums. Dort halten wir uns rechts, schlendern zwischen den ausgestellten Kähnen über kleine Stege und staunen über ein rotes ehemaliges Feuerwehrschiff, das heute als Restaurant dient. Wir treffen auf den Alten Hafen Rotterdams, ein quirliges Quartier mit einigen Restaurants und Bars, aber auch mit vielen kleinen älteren Booten, flankiert vom ersten “Wolkenkratzer” Europas, dem Witte Huis, das heute im Kontrast zu den modernen Hochhäusern winzig erscheint.

Auf einer Bank direkt am Wasser lassen wir uns nieder und bestaunen genau diesen Kontrast. Vor uns die alten Schiffe, im Hintergrund moderne Hochhäuser sowie ein weiteres Wahrzeichen Rotterdams, die berühmten Kubushäuser des Architekten Piet Bloom, die wir uns im Anschluss noch genauer anschauen. Denn eines dieser Häuser, der Kijk Kubus, steht Besuchern zur Besichtigung offen. Man muss es tatsächlich von innen gesehen haben, um sich in etwa vorstellen zu können, wie man hier auf mehreren Etagen lebt. Viele Schrägen und lustig geformte Fenster, alles wirkt irgendwie eng, aber trotzdem bietet die Wohnung mehr als ausreichend Platz. Aus dem obersten Stockwerk blickt man über die Dächer der anderen Kubushäuser und fühlt sich tatsächlich wie auf dem Gipfel eines Baumes mitten im Wald, so wie auch das ganze Ensemble von außen wie ein Wald aus Häusern wirkt. Daher auch der Name des Gebäudekomplexes, Blaakse Bos.

Im Anschluss spazieren wir nur wenige Meter weiter und stehen vor der neuesten architektonischen Meisterleistung Rotterdams, die in kürzester Zeit zu einem neuen Wahrzeichen geworden ist. Die neue Markthalle ist mein persönliches Highlight des Tages. Von außen wie ein monströses Hufeisen mit riesigen Glasfronten ohnehin schon wahnsinnig interessant, bietet sie im Inneren ein geniales Ambiente aus einer Vielzahl von Marktständen, Geschäften und Restaurants, umspannt von einem grandiosen Gemälde, hinter dem sich die 228 Wohnungen verstecken, die das Gehäuse der Markthalle bilden. Wer eine typische Marktatmosphäre wie beispielsweise im Mercato Centrale in Florenz liebt, ist hier - allerdings in der modernen Variante - genau richtig. Wir kaufen uns am Stand von Bram Ladage jeweils eine riesengroße Portion Frites, die täglich aus ganz frischen Kartoffeln aus der Region geschnitten werden, und genießen das einzigartige Ambiente in dieser tollen Halle.

rotterdam oudehavenVo Oude Have mit seinen historischen Schiffen hat man einen tollen Blick auf die Kubushäuser

rotterdam markthalleAuf der anderen Seite der Kubushäuser steht die neue Markthalle

markthalle... mit tollem Ambiente und vielen kulinarischen Versuchungen

Anschließend begeben wir uns so langsam auf unseren Rückweg in Richtung Centraal Station, besuchen aber zuvor noch die Laurenskerk, ganz in der Nähe der Markthalle. Im einzigen mittelalterlichen Überbleibsel in der gesamten Stadt zünden wir eine Kerze an und genießen noch ein wenig die herrliche Ruhe, bevor wir uns wieder ins Getümmel rund um Coolsingel, Rathausplatz und Lijnbaan stürzen. Inzwischen ist wesentlich mehr los als am Vormittag und so erreichen wir irgendwann den Bahnhof, schießen ein letztes Foto der tollen Empfangshalle und sind uns sicher, dass wir bald wiederkommen werden. Denn Rotterdam hat noch vieles mehr zu bieten, wie beispielsweise eine große Auswahl an verschiedenen Museen und nicht zuletzt einen der größten Seehäfen der Welt und größten Hafen Europas, den wir allerdings schon kennen und daher heute ausgelassen haben.

Zurück in Katwijk ist es bereits früher Abend und wir lassen uns am südlichen Ende des Boulevard in unserem Lieblings-Strandpaviljoen Willy Zuid nieder. Erneut esse ich einen richtig genialen Thunfisch auf Wok-Gemüse, mein Mann superleckere Tagliatelle mit frischem Pesto und Hähnchenstreifen. Dazu das typisch urige Strandpaviljoen-Feeling, ein schönes Glas Wein und einen wunderschönen Blick über den Strand und die Nordsee. Mehr geht nicht.

rotterdam bahnhofVom Bahnhof in Rotterdam geht es zurück nach Katwijk

 

Tag 5: Molendag en het Groene Hart - Woerden und Gouda

Nachdem wir uns am Abend vorher noch wunderten, wieso auf dem Andreasplein vor unserem Bed & Breakfast urplötzlich eine große Bühne steht und fast der gesamte Platz voller Sand ist, erfahren wir beim Frühstück die Hintergründe. In Katwijk wird heute offiziell die Badesaison eröffnet, begleitet von einem Beachvolleyball-Turnier, vielen Bands und Aktionen im Zentrum.

Obwohl ich selbst seit langer Zeit Volleyball und Beachvolley spiele, haben wir heute andere Pläne. Heute ist Nationaler Mühlentag. Einmal im Jahr haben in den Niederlanden viele Mühlen, die normalerweise nicht zugänglich sind, für Besucher geöffnet.

Wir machen uns heute als erstes auf nach Woerden. Mit unserem 31er Bus fahren wir gemütlich nach Leiden und wechseln dort in den Intercity, der uns in einer halben Stunde direkt in die kleine Stadt im sogenannten grünen Herz von Holland bringt. Dort ist am Kirchplatz der Käsemarkt, der hier samstags stattfindet, bereits in vollem Gang. Viele Stände aus der Region bieten eine große Auswahl an den verschiedensten Käsesorten an, überwiegend Boerenkaas (Bauernkäse) aus biologischer Produktion (www.streekmarkt-woerden.nl). Hier wird Handwerk und Tradition noch gelebt, und das gefällt mir äußerst gut. Der urige kleine Markt ist im Gegensatz zu seinen berühmten Pendants in Alkmaar oder Gouda kein Touristenspektakel, weshalb wir uns auch für diesen Käsemarkt entschieden haben. Wir beobachten die traditionellen Preisverhandlungen zwischen Landwirt und Händler. Der Verkauf wird wie eh und je per Handschlag besiegelt. Alle Beteiligten sind gut gelaunt und geben sehr gern Auskunft über ihre Produkte. Wir versuchen die eine oder andere Kostprobe und entscheiden uns schließlich für einen äußerst leckeren Käse der Kaasboerderij Janmaat.

Anschließend spazieren wir durch die malerische Innenstadt und treffen auf die wunderschöne Galeriemühle De Windhond, die auf einem kleinen Hügel über dem Zentrum thront. Heute am Nationalen Mühlentag ist der Eingang mit niederländischen Fähnchen geschmückt und der Müller erwartet bereits die Besucher. Äußerst freundlich führt er uns über die steile Stiege nach oben und erklärt uns die Funktionsweise einer Getreidemühle. Wir sind beeindruckt, wie diese über 250 Jahre alte Mühle bis heute noch voll in Gebrauch ist, mit uralter aber immer noch aktueller Technik. Der Eintritt ist heute frei, aber wir kaufen gern zum Abschied ein Päckchen Vollkornmehl und geben eine kleine Spende als Dankeschön für die tolle Führung dazu. Einen kurzen ZDF-Beitrag aus dem Jahr 2013 über die Mühle findet man hier.

Nach diesen äußerst interessanten Eindrücken besuchen wir am Kerkplein noch die schöne alte Petruskirche und schlendern dann langsam durch die Einkaufstraße zurück zum Bahnhof.

woerdenDer Käsemarkt in Woerden

Nach nur wenigen Minuten Fahrzeit mit dem Intercity erreichen wir das nächste Ziel unseres heutigen Tages, die Altstadt von Gouda. Wir spazieren vom Bahnhof die wenigen Meter ins historische Zentrum und stoßen zu unserer Überraschung am Marktplatz wieder auf einen kleinen aber feinen Wochenmarkt. Auch hier bieten überwiegend regionale Händler ihre Produkte an. Obst, Gemüse, Brot, Wurst- und Fleischwaren und - natürlich - Käse. Wir entdecken einen kleinen Stand, von dem es schon herrlich duftet. Frische Stroopwafels, vor den Augen der Kunden hergestellt, noch warm und unfassbar köstlich. Wir kaufen uns jeweils eine große “Superwafel” (es wird nicht die letzte sein) und genießen sie auf einer Bank mit Blick auf das wunderschöne alte Rathaus in der Mitte des Platzes.

Anschließend spazieren wir weiter durch die Altstadt und entdecken hinter der großen Sint Janskirche einen winzigen Park, in dem es sich herrlich verweilen lässt. Wir schlendern durch enge Gassen und lassen wieder einmal das Flair auf uns wirken. Zurück am Rathaus lassen wir uns erneut auf einer Bank nieder, lauschen dem Glockenspiel und genießen einfach die Atmosphäre, die auch unter der Vielzahl von Menschen nicht leidet. Mit wunderschönen Eindrücken, einer weiteren Packung Stroopwafels (ich hatte mir am Vortag in der Markthalle in Rotterdam bereits eine tolle Blechdose mit Waffeln der traditionsreichen Goudaer Waffelbäckerei Van Vliet gekauft) und einem zweiten Boerenkaas im Gepäck spazieren wir zurück zum Bahnhof. Nach einem Umstieg in Den Haag sind wir in 40 Minuten wieder in Leiden und 20 Minuten später zurück am Boulevard in Katwijk aan Zee.

Da wir heute schon viel probiert und genascht haben, entscheiden wir uns an Stelle eines Restaurants für einen abendlichen Snack in der Fischbude, die direkt vor unserer Unterkunft am Andreasplein steht (www.viszo-katwijk.nl). Das Beachvolleyball-Turnier ist bereits beendet und auch die Bands spielen ihre letzten Takte. Anschließend wird die Bühne abgebaut und große Bagger rollen an, um den Sand zurück an den Strand zu bringen. Wir sitzen an einem der Holztische und warten, bis der Piepser, den wir nach der Bestellung bekommen haben, das Signal gibt, dass unser Essen fertig ist. Wir genießen einen herrlichen Matjes, ganz frisch, mit vielen Zwiebeln und eine große Portion superleckeren Kibbeling mit Pommes und einer tollen Remoulade. Die Aufräumarbeiten stören überhaupt nicht, und so bestellen wir eine zweite Portion Kibbeling, schauen den Baggern zu und bleiben noch eine ganze Weile sitzen, bevor wir nach einem erneuten Spaziergang ans Meer müde in unser Bett fallen.

goudaDas Stadhuis von Gouda am Marktplatz

 

Tag 6: Amsterdam

Heute entscheiden wir uns dafür, nur einen Halbtagesausflug zu unternehmen, so dass uns an unserem letzten Tag noch etwas Zeit in Katwijk bleibt. Am Bahnhof in Leiden angekommen steigen wir in den Intercity nach Amsterdam Centraal.

Zuletzt waren wir vor vier Jahren für mehrere Tage in Amsterdam und haben die meisten Sehenswürdigkeiten bereits gesehen. So verlassen wir den Bahnhof auf der Rückseite und fahren mit der kostenlosen IJ-Fähre hinüber in den Stadtteil Noord. Dort hat neben dem Eye-Filmmuseum vor kurzem eine neue Attraktion eröffnet, der neue A’dam Toren mit Aussichtsplattform und der höchsten Schaukel Europas. Der ehemalige Shell-Turm wurde in den letzten Jahren aufwendig umgebaut und beherbergt nun neben der Aussichtsplattform Lookout verschiedene Restaurants und Bars, Büros und ein Hotel.

Es ist auch in Amsterdam touristisch noch nicht so sehr viel los, und so fahren bzw. fliegen wir mit dem High-Speed-Aufzug nach kurzer Wartezeit 20 Stockwerke hinauf. Wir betreten die Aussichtsplattform und sind sofort begeistert. Es eröffnet sich ein grandioses Panorama. Auf der einen Seite das Zentrum, auf den anderen der Blick entlang des IJ zu den neu erschlossenen modernen Quartieren auf Java-Eiland und zum Hafen. Amsterdam-Noord und die schier endlose Weite bis nach Volendam runden die 360° Aussicht ab. Überall stehen neben etlichen Informationstafeln kostenlose Fernrohre, so dass man auch Details sehr gut erkennen kann. Und da die Plattform noch nicht allzu voll ist, nutzen wir jedes Fernrohr aus und genießen ausgiebig jede einzelne Blickrichtung.

An der dem IJ Richtung Muziekgebouw zugewandten Seite ragt über den Rand der Plattform ein Stahlgestell hinaus, an dem Europas höchste Schaukel hängt. Ich kämpfe lange mit mir selbst, die Schaukel auszuprobieren, aber so mutig bin ich dann letztlich doch nicht. Nachdem wir uns ein Stockwerk tiefer im Inneren des Turms in einem Café, ebenfalls mit 360° Rundumblick hinter bodentiefen Panoramafenstern, einen Cappuccino gegönnt haben, fliegen wir mit dem Aufzug wieder nach unten. Drehen noch eine Runde vor dem Eye-Filminstitut und fahren anschließend wieder mit der Fähre hinüber zur Bahnhofsrückseite.

amsterdam schaukelSchaukeln mit Aussicht

Ich habe unserer Tochter versprochen, mich für sie nach einem besonderen T-Shirt umzuschauen (dem Trikot der niederländischen Elftal nachempfunden, natürlich mit der Rückennummer 11 und dem Namen ihres Lieblingsspielers). Also spazieren wir dorthin, wo die meisten Touristen und Souvenirshops sind, und schon im zweiten Shop am Damrak werde ich fündig. Am Königlichen Palast verlassen wir den Trubel wieder und schlendern quer über verschiedene Grachten Richtung Jordaan. Hier geht es ruhiger zu, und wir genießen wieder einmal einfach nur das Ambiente. Malerische Grachten, kleine Geschäfte, wunderschöne Grachtenhäuser, massenhaft abgestellte Fahrräder - das ist das Amsterdam, das ich mag. Vor unserer Rückfahrt nach Katwijk machen wir noch einen Abstecher in die Bibliothek, fahren in den siebten Stock und gönnen uns auf der Terrasse des La Place Restaurants noch einen leckeren Apfelkuchen. Leider ist dies wohl längst kein Geheimtipp mehr, denn statt niederländischer Studenten tummeln sich hier heute hauptsächlich asiatische und amerikanische Touristen. Trotzdem genießen wir neben der leckeren Appeltaart vor allem die tolle Aussicht auf die Stadt.

Wieder in Katwijk angekommen, begrüßt uns unsere Gastgeberin sehr herzlich. Heute ist Muttertag und die ganze Familie ist zu Besuch. Es ist später geworden als gedacht, daher machen wir nur einen kleinen Spaziergang durch die Süddünen und am Strand entlang und holen uns anschließend erneut einen tollen Fisch an unserer Fischbude. Anschießend spazieren wir erneut zum Strand und genießen - leider zum letzten Mal in diesem Urlaub - die wunderschöne Abendstimmung am Meer.

Amsterdam von obenAussicht von der Dachterrasse der Bibliothek auf die Altstadt von Amsterdam

 

Tag 7: Von Katwijk über Haarlem nach München

Heute heißt es Abschied nehmen. Nach einem gewohnt tollen Frühstück fahren wir zunächst über Leiden mit dem Zug zum Flughafen Schiphol und checken schon einmal unser Gepäck ein. Wir haben bis zum Abflug um 15:35 Uhr noch genügend Zeit für einen Abstecher, also steigen wir am Vorplatz des Flughafens in den 300er Bus, der uns direkt nach Haarlem bringt.

Der Bus hält direkt am Rand des Zentrums, und wir spazieren die wenigen Meter zum großen Marktplatz. Diesen prägt neben vielen Restaurants vor allem die imposante St. Bavokirche, das Wahrzeichen der Stadt. Es ist eine wunderschöne spätgotische Basilika, wir besichtigen sie jetzt zum zweiten Mal. Im Anschluss spazieren wir durch die schönen urigen Gassen der Stadt und treffen auf das Ufer der Spaarne. Hier öffnet sich gerade eine Brücke (was für uns Süd-Deutsche immer etwas Besonderes ist) und lässt zwei Segelschiffe passieren, während auf der Straße Fußgänger, Autos und Radfahrer geduldig warten. Wir setzen uns auf eine Bank und genießen den Blick über den Fluss, hinüber zu der eindrucksvollen Galerie-Windmühle De Adriaan, die leider erst um 13 Uhr öffnet. Nach einer Weile machen wir uns auf den Weg zurück ins Zentrum und fahren mit dem 300er Bus wieder zurück zum Schiphol Airport.

Leider ist ein wunderschöner Urlaub wieder vorbei. Und wie immer viel zu schnell. Wir haben erneut viele unvergessliche Eindrücke gesammelt, ganz tolle Leute kennengelernt und eine wunderschöne Zeit verbracht. Könnte ich die Zeit um eine Woche zurückdrehen, ich würde genau diesen Urlaub genau wieder so verbringen. Im nächsten Jahr kommen wir wieder, ganz sicher.

katwijk ausblickAbschied von Katwijk

Text und Fotos: Sinann Kapfinger

 

Herzlichen Dank, Sinann, dass Du deine Urlaubserlebnisse mit uns geteilt hast. Bis zum nächsten Jahr, wenn es hoffentlich wieder Nach Holland geht.

 

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