Wohnen in Holland

neubau wohnungen

Der Wohnungsmarkt in den Niederlanden ist etwas anders aufgebaut als in Deutschland.
Die Mehrheit der Niederländer wohnt in einem Eigenheim bzw. einer Eigentumswohnung. Rund 55 % der Wohnimmobilien sind gekauft, in Deutschland befinden sich nur 44 % im Besitz der Bewohner. Auch ziehen die Niederländer im Schnitt häufiger um als Deutsche.

Die Benennung von Haus oder Wohnung ist in den Niederlanden nicht so eindeutig. So kann ein huis auch eine Wohnung sein und eine woning auch ein Haus. Über die etwas verwirrende Benennung und die  richtige Bezeichnungen der verschiedenen Arten von Wohnungen und Häuser, gibt es den Artikel "Eine Wohnung ist ein Haus, ist eine Wohnung - Sprachwirren" im Nach-Holland-Blog.

 

Eigenheim

Das größte Angebot am Wohnungsmarkt gibt es im Bereich der Eigenheime, der koopwoningen. Von kleinen Apartments, über Reihenhäusern bis zu großen freistehenden Villen ist alles vertreten. 

Nach der große Immobilienkrise wurden 2012 die Regeln für die Finanzierung von Wohneigentum angeschärft und u.a. die ablösefreie Hypothek abgeschafft. Maximal 100% des Hauswertes kann jetzt noch über eine Hypothek finanziert werden und diese muss auf eine Abbezahlung innerhalb von 30 Jahren ausgelegt sein. 

Nach dem starken Fall der Immobilienpreise in der Krise von 2008 bis 2012, steigen sie inzwischen wieder kräftig an und erreichen inzwischen wieder Höchswerte. In 2017 stiegen die Preise im Schnitt um 6,8 %, wobei es sehr große regionale Unterschiede gab. So stiegen die Preise für Wohneigentum in Zeeland nur um 1,9 %, in der Hauptstadt Amsterdam aber um 15,6 %. Der mittlere Preis für ein Eigenheim in den Niederlanden lag 2017 somit bei 263.000 Euro, wobei die Spanne in den verschiedenen Regionen zwischen 140.000 und 776.000 Euro liegt. 

 

Mietwohnungen

Viele Mietwohnungen, vor allem die günstigeren Wohnungen, werden von den Wohnungsbaugesellschaften bzw. -genossenschaften vermietet. Sie unterteilen ihr Wohnungsangebot in 'soziale Miete' und 'freien Sektor'.  Je nach Jahreseinkommen wird man in eine Kategorie eingeteilt und ist dann im Normalfall auf das jeweilige Wohnungsangebot in dieser Kategorie beschränkt. Diese Einkommensgrenze wird jährlich festgelegt.

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Im Jahr 2018 liegt diese Grenze bei 36.798,- Euro pro Jahr. Liegt euer Einkommen über dieser Grenze, seid ihr auf Wohnungen im freien Sektor begrenzt. Liegt es darunter kommt ihr für eine soziale Mietwohnung mit einer max. Miete von 710,68 Euro in Betracht. In vielen Gemeinden kommt es leider oft zu sehr langen Wartezeiten, wenn es um die Vergabe von Sozialwohnungen geht.

Abhängig vom Einkommen und der Miethöhe kann man eventuell einen staatlichen Mietzuschuss erhalten. Dieser Zuschuss ist aber nur für Mieten bis max. 710,68 Euro möglich. Beantragen kann man ihn beim Finanzamt, dem belastingdienst.

 

Wohnungssuche

Da in den Niederlanden eigentlich ständig Wohnungen und Häuser gekauft und verkauft werden, ist das Finden einer Eigentumswohnung gar nicht so schwer. Die allermeisten weisen auf ihren Verkaufswunsch sehr direkt hin und befestigen ein Schild "Te Koop" an der entsprechenden Wohnungen bzw. am Haus. Darauf ist immer auch der Name und die Telefonnummer des zuständigen Maklerbüros angegeben, wo man z.B. auch Informationen zum Preis bekommt. Normalerweise ist der Preis auch sehr einfach mit einer kurzen Recherche im Internet erfahren, da beinahe alle Immobilien auch online ausgeschrieben werden. Unter funda.nl sind die allermeisten zu finden. 

Bei der Angabe des Preises muss man auf die Zusätze k.k. und v.o.n. achten, die ein Hiweis darauf sind, ob die Nebenkosten (Notarkosten für Grundbucheintrag, Grunderwerbssteuer) im Kaufpreis enthalten sind oder nicht. Bei k.k. (kosten koper) trägt der Käufer die Nebenkosten, bei v.o.n. (vrij op naam) sind die Nebenkosten im Kaufpreis enthalten. 

 

Aufgrund des etwas geringeren Angebots an Mietwohnungen, muss man etwas Glück haben, um am Anfang gleich die perfekte Wohnung zu finden. Vor allem wenn man auf eine günstige Wohnung angewiesen ist, muss man häufig Abstriche bei Qualität oder Lage in Kauf nehmen.

Wenn man über ein größeres Budget verfügt und einen festen, unbefristeten Arbeitsvertrag vorweisen kann, hat man bei den Mietwohnungen und sicher beim Eigentum eine größere Auswahl.
Miet- und auch Eigentumswohnungen werden selten über Zeitungsinserate angeboten, sondern normalerweise von Maklern vermittelt.

Für günstigere Mietwohnungen sollte man auch bei der Gemeinde nachfragen. Dort bekommt man üblicherweise eine Liste mit den Adressen der lokalen Makler und Wohnbaugesellschaften.

Einen sehr guten Überblick bekommt man auf den Internetseiten von Pararius und  Funda. Dies sind Suchmaschinen für den Wohnungsmarkt, direkt mieten bzw. kaufen kann man über diese Seiten nicht. Bei Interesse muss man dann den angegeben Anbieter kontaktieren, normalerweise sind dies Maklerbüros.

 

Makler und Websites für Mietwohnungen

Üblich ist es, dass man sich bei den Maklern einschreiben muss, um genauere Auskünfte und einen Besichtigungstermin zu bekommen. Bei Maklern mit lokalem Angebot ist dies häufig gratis. Bei landesweit operierende Makler, die Mietwohnungen in den ganzen Niederlanden im Angebot haben, wird meist eine Einschreibegebühr von 30,- bis 50,- Euro im Jahr fällig. Im Prinzip sucht der Makler dann aber auch aktiv nach passenden Angeboten. Zu viel sollte man von diesem Service aber nicht erwarten, Eigeninitiative ist meist die bessere Lösung.

 

Eine Online-Maklerplattform für landesweite Mietwohnungen ist directwonen. Um Einsicht in das komplette Angebot zu bekommen muss man sich auf der Website gratis registrieren. Für den Erhalt der nötigen Informationen, um eine Besichtigungen der Wohnungen vereinbaren zu können, braucht man eine Premium-Mitgliedschaft für 15,- Euro. Die Webseite steht übrigens auch in Englisch zur Verfügung.

Auch huurwoningen.nl arbeitet ähnlich. Die Wohnungssuche funktioniert mit einem Gratis-Account. Um Termine für eine Besichtigung vereinbaren zu können, muss ein Premium-Account für 19,95 Euro abgeschlossen werden.

Gratis einschreiben kann man sich dagegen auf der Seite von huurhuisnederland, die aber auch ein kleineres Angebot haben.

Bei esteon kann man zwischen einer kostenlosen und einer Premium-Mitgliedschaft wählen, die knappe 30,- Euro für 3 Monate kostet. Nur als Premium-Mitglied bekommt man konkrete Wohnungs- oder Zimmerangebote, die auf das eigene Suchprofil zugeschnitten sind. Die Website von esteon ist sehr innovativ, mit vielen Symbolen und eher weniger Worten, und hat sogar schon einen Preis gewonnen. Sie steht auch auf Englisch und Deutsch zur Verfügung.

 

Falls man nur ein Zimmer sucht ist kamer.nl die richtige Wahl, sie haben aber auch einige komplette Wohnungen im Angebot. Auch hier ist die Registrierung gratis.

Übrigens als Übergangslösung ist die Miete eines Zimmers ideal, da hier meist kein Gehaltsnachweis und Arbeitsvertrag verlangt wird. Häufig sind es Studenten, die einen Mitbewohner oder jemanden zur Zwischenmiete suchen. 

 

Bedingungen und Kaution

Um eine Wohnung tatsächlich mieten zu können, verlangt der Makler bzw. Vermieter einige Sicherheiten. Im Normalfall sind dies die 3 letzten Gehaltsabrechnungen oder auch ein Arbeitsvertrag. Zusätzlich wird oft eine Erklärung des Arbeitgebers, die sogenannte werkgeversverklaring und eine Meldebescheinigung der Gemeinde verlangt.

Damit ist es aber leider nicht getan, den es wird manchmal auch eine Vermittlungsgebühr fällig. Im Normalfall ist dies eine Monatsmiete, manchmal auch inkl. der Nebenkosten. Inzwischen wurde es gesetzlich so geregelt, dass eine Vermittlungsgebühr nur für den Auftraggeber des Maklers erhoben werden darf. In vielen Fällen ist das der Vermieter. Wenn man aber eine Suchanfrage an den Makler stellt, damit er aktiv nach einer passenden Wohnung sucht, muss man die Gebühr selbst übernehmen.

Auch die Mietkaution, die der Vermieter zur Sicherheit einbehält, ist meist in der Höhe einer Monatsmiete.

 

Achtung: Innerhalb der Probezeit bei einem neuen Arbeitsplatz, ist es sehr schwer an eine reguläre Wohnung zu kommen. Im Normalfall bekommt man dann keinen dauerhaften Mietvertrag und auch der Abschluss einer Hypothek ist nahezu unmöglich. Auch zeitlich begrenzte Arbeitsverträge werden häufig nicht akzeptiert. Zumindest über 6 Monate sollte der Arbeitsvertrag unbedingt gültig sein und auch dann ist nicht jeder Vermieter bereit zu vermieten bzw. man bekommt keinen Kredit für einen Hauskauf.

In diesem Fall kann man evtl. auf zeitlich begrenzte Mietwohnungen, die aber nicht häufig angeboten werden, zurückgreifen. Auch Studentenzimmer bzw. -wohnungen sind eine Möglichkeit. Oder man mietet sich für einige Monate eine Ferienwohnung bis die Probezeit vorbei ist und man einen festen Vertrag hat. Gegebenenfalls kann man evtl. auch über den Arbeitgeber eine Wohnung anmieten. Vor allem größere Arbeitgeber, die häufig Personal aus dem Ausland beschäftigen, bieten dies häufig an.

 

Erfahrungen bei der Wohnungssuche

Bei meiner Wohnungssuche hatte ich enormes Glück, aber das ist auch schon einige Jahre her. Von anderen habe ich wahre Horrorgeschichten gehört, wenn es um das Finden einer bezahlbaren Mietwohnung geht.

Völlig überzogene Regelung bzgl. des Mindesteinkommens von bis zu 5x die Wohnungsmiete als Netto-Monatseinkommen oder Vorverträge, die dann doch nicht eingehalten werden. Leider ist Makler kein geschützter Beruf und so tummeln sich auch einige schwarze Schafe auf dem Wohnungsmarkt.

Einen Erfahrungsbericht von Moni, die sich auf dem sehr schwierigen Wohnungsmarkt in Amsterdam eine Bleibe suchte, könnt ihr hier auf ihrem Blog nachlesen.

 

Habt ihr auch besondere Erfahrungen gemacht? Oder ihr habt einen tollen Tipp? Dann schreibt hier gerne einen Kommentar für die anderen Leser von nach-holland.de. 
(Hier ist aber nicht der Platz für Wohnungsangebote bzw. -suchen, dafür dürft ihr gerne das Forum nutzen)

 

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Kommentare  
#1 Doris 2018-03-21 20:05
Ich hätte gern weiter Informationen zu wohnen in Holland und wo es günstig ist. danke
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#2 Simone 2018-03-22 08:54
Hallo Doris,
schau mal unter cbs.nl/.../... und dann oben auf Gemeenten klicken.
Auf der Karte sind dann die Durchschnittspreise von Eigentumswohnungen /-häusern angegeben. Da kann man dann sehr gut die teuren und günstigeren Gegenden sehen. Die Mietpreise sind in den teureren Gegenden dann ebenfalls meist höher.
Gruß Simone
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#3 Catharina 2018-04-20 08:20
Hallo :)

Kann mir vllt einer erklären wie es mit den Steuern aussieht? Ich habe von einem Bekannten gehört, dass man nicht nur Miete und Nebenkosten zahlt, sondern auch bis zu 400Euro (je nach Stadt) an steuern zusatzlich zahlen muss. Dann natürlich noch die Steeuer fürs Auto!?! Ich blicke da nicht durch.
Bitte helft mir :D!

Vielen Dank

LG
Catharina
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#4 Simone 2018-04-20 08:32
Hallo Catharina,
früher (vor 2006) mussten auch Mieter eine Immobiliensteuer (OZB) an die Gemeinde zahlen. Das ist jetzt nicht mehr so.
Die Gemeinden schicken nur noch Rechnungen für Abwasserrreinigung, Müll, evtl. Hundesteuer usw.

Zum Thema Auto findest du alle Infos unter Auto: www.nach-holland.de/.../auto

Infos zu Lohnsteuer hier: nach-holland.de/.../steuern-co

LG Simone
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#5 Catharina 2018-04-20 08:37
Hallo Simone,

Vielen Dank! :D

Warum ist Holland eigentlich so teuer? Wie kommen die Menschen damit klar, ich bin das günstige deustche Leben gewohnt und auch bekennender Sparfuchs. Irgendwas muss es doch geben das dort günstiger ist als in Deutschland? (klar die Flüge)

Ich hätte nie gedacht, das Auswandern doch so kompliziert sein kann..

:)

LG
Catharina
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#6 Markus 2018-07-17 17:55
Hallo zusammen,

wenn wir viel Glück haben, können wir schon morgen eine Zusage für eine Wohnung bekommen (also bitte die Daumen drücken :) ). Nun fragen wir uns, was uns noch neben der Miete und den Servicekosten so erwartet. Also wenn ich das jetzt richtig verstanden habe, bekommt man von der Stadt noch eine Rechnung zugeschickt. Ist diese jährlich oder monatlich zu bezahlen und wie hoch fällt diese im Durchschnitt aus (bei einem 2 Personen Haushalt)? Außerdem beinhaltet die Miete (inkl. Service kosten) bei uns keine Energiekosen. Meine Frage hierbei ist, ob das normalerweise nur Strom oder auch Gas sein kann und wie hoch sowas kostet und natürlich wie man an ein gutes Angebot ran kommt?

Wars das dann mit den Kosten, oder gibt es noch welche die dazu kommen?

Vielen Dank schonmal und vorallem ein riesiges Lob für die Seite hier :)

LG
Markus
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#7 Simone 2018-07-17 20:51
Hallo Markus,
da drücke ich dir natürlich die Daumen und hoffe, dass es morgen klappt.
Jetzt zu den weiteren Kosten. Die Stadt kassiert meist die Gebühr für die Müll- und Abwasserentsorgung. Abwasser kann aber auch über eine andere Organisation abgerechnet werden, das ist je nach Stadt unterschiedlich.
Dann natürlich noch Strom, Gas und Wasser. Die abrechung kann über eine Firma laufen, kann aber auch getrennt sein. Bei Wasser ist meines Wissens der Anbieter immer vorgeben, Strom und Gas kann man selbst wählen.
Am besten schaut ihr einfach mal, welcher Anbieter momentan in der Wohnung liefert und vergleicht dann mal die Preise. Muss ja auch nicht sofort sein.
Weitere Infos und auch einen Link für eine Vergleichsseite findest du hier: nach-holland.de/.../energie-co

Dann viel Glück für morgen, Simone
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